Kommentar zu den ersten 100 Tagen von OB Scherff Da wäre Zaubersalz notwendig

Wuppertal · Dass die SPD-Ratsfraktion eine nahezu euphorische Bilanz der ersten 100 Amtstage von Oberbürgermeisterin Miriam Scherff (SPD) gezogen hat, verwundert nicht. Man kennt sich. Aber wie fällt die neutrale Einschätzung aus?

Oberbürgermeisterin Miriam Scherff mit der Amtskette.

Foto: Christoph Petersen

Miriam Scherff ist präsent in der Stadt. Kaum ein öffentlicher Termin, den die 37-Jährige nicht persönlich wahrnimmt. Dass dazu auch das sanierte Klo auf dem Berliner Platz gehörte, ließ nicht wenige schmunzeln. Allerdings nutzte sie die Gelegenheit, auf die fehlenden öffentlichen Toiletten in Wuppertal einzugehen. Und die sorgten in der Vergangenheit durchaus für Druck und Gesprächsstoff.

Dass Miriam Scherff auch auf Plattformen wie Instagram sehr aktiv ist, ist legitim. Sie will sich schnell quer durch die Bevölkerung und alle Jahrgänge einen Namen machen. Wobei die Kunst sein wird, es nicht zu übertreiben. Zu viel Verbrüderung (oder Verschwesterung) weckt inhaltliche Begehrlichkeiten, die Zahl der Enttäuschten wird umso größer. Und: Schnell setzt ein Sättigungseffekt ein, die Grenze zum Slapstick ist grundsätzlich nicht fern.

Begriffe wie „Wuppertal-Plan“ und „Mission“ müssen zudem inhaltlich mit Leben gefüllt werden, um nicht zu Schlagwörtern zu verkommen. Die Hashtag-Kampagne ihres Vorgängers Uwe Schneidewind, die ihm aufgedrückt wurde, war nicht authentisch und ein Rohrkrepierer. Bei Scherff ist das Verhältnis bislang ausgewogen.

Ob sie eine gute Oberbürgermeisterin ist bzw. wird, entscheidet sich eh auf anderer Ebene – vor allem mit Blick auf die Finanzen. Einige Stichwörter: Haushaltssicherungskonzept, Sparzwang, Soziales, Schulen, BUGA, Pina-Bausch-Zentrum.

„Sichtbarkeit allein ersetzt jedoch keine Ergebnisse. Entscheidend ist, ob es gelingt, konkrete Verbesserungen für den Alltag der Wuppertalerinnen und Wuppertaler zu erreichen. Genau hier fällt die Bilanz bislang ernüchternd aus“, mäkelte die FDP/WFW-Fraktion. Und listet einige große Probleme der Stadt auf. Um diese in 100 Tagen zu lösen, hätte die Rathaus-Chefin mehr als eine Prise Zaubersalz gebraucht. Insofern ist eine faktenbasierte Bilanz wohl erst nach einem Jahr seriös.

„Wuppertal braucht jetzt eine Oberbürgermeisterin, die liefert“, fordert die FDP/WFW. Kleiner Tipp: Helfen kann dabei ein Stadtrat, der anders agiert als zuletzt. Damit sind nicht nur die vergangenen 100 Tage gemeint.