Bilanz der ersten Woche Schienenersatzverkehr: „Es ist der reinste Horror“

Wuppertal · Seit einer Woche fährt in Wuppertal kein einziger Zug mehr, weil die Deutsche Bahn die Strecke saniert. Eine Rundschau-Bilanz der ersten Woche.

Je nach Verkehrslage brauchen die rund 200 Busse, die teilweise bereits während einer Streckensanierung zwischen Mannheim und Frankfurt zum Einsatz kamen, mehr als viermal so lange wie der Zug. Fahrgäste erhalten WLAN-Zugang und können an Ladestationen ihre Geräte aufladen, allerdings gibt es keine Toiletten.

Foto: Wuppertaler Rundschau/Christoph Petersen

Freitag, 6. Februar

Sieben Stunden vor Baubeginn drücken neben den Gleisen nahe dem Bahnhof Steinbeck drei Herren auf einen roten Knopf. Es ist der Startschuss der fünfmonatigen Sanierung der Zugstrecke Hagen-Wuppertal-Köln, die im Vorfeld für Kritik sorgte, weil marode Stellwerke nicht repariert werden und Pendler auf langsame Ersatzbusse umsteigen müssen (Rundschau berichtete). (Bilder)

Bilder: Erste Nacht der Gleissperrung in Wuppertal
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Erste Nacht der Gleissperrung

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Foto: Wuppertaler Rundschau/Christoph Petersen

In einer Rede während des Auftakts bat NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer um Verzeihung: „An dieser Stelle möchte ich auch sagen, dass ich mich entschuldige, dass es so weit kommen musste.“ Für Pendler sei der Ersatzverkehr „eine Zumutung“. Der Grünen-Politiker bemängelte ebenfalls, dass die Bahn und ihr Tochterunternehmen DB InfraGO die mangelhaften Stellwerke bei der jetzigen Sanierung nicht berücksichtigen. Sein Appell: das Beste aus der Situation machen.

Um kurz vor 21 Uhr heißt es: Der Letzte ist der RB48 nach Oberbarmen. Danach ist Schluss im Wuppertaler Schienenverkehr. Alle zehn verkehrenden Zuglinien werden für zwei Wochen durch Busse ersetzt, danach fahren Verbindungen auf der Strecke Wuppertal-Düsseldorf vorerst wieder eingeschränkt. Am Hauptbahnhof verkehren alle Linien von der Bushaltestelle Historische Stadthalle. Der Andrang bleibt vorerst aus, was allerdings typisch für einen Freitagabend ist. (Bilder)

Samstag, 7. Februar

Auf der Baustelle am Hauptbahnhof bewegt sich noch nichts. Bis Samstagmittag dauert es, bis die elektrische Spannung aus der Oberleitung abgeschaltet ist. „Am Anfang hat es etwas geruckelt“, sagt DB-InfraGO-Projektleiter Arno Jaeger.

Am Montagmorgen ist der Ersatzbus der Linie RE13 nach Düsseldorf überfüllt. Foto: privat

Foto: Wuppertaler Rundschau/privat

Montag, 9. Februar

Die erste Rushhour in den frühen Morgenstunden endet für Pendler nach Düsseldorf im reinsten Chaos. Zur Hauptverkehrszeit um kurz nach 6 Uhr kommt der RE13, der laut Plan im 15-Minuten-Takt von der Historischen Stadthalle abfahren soll, laut Pendlern vor Ort fast eine Stunde gar nicht mehr. Der Andrang wird immer größer, bis der verspätete Bus vorfährt und so überlastet ist, dass nicht alle Personen einsteigen können. Allerdings muss der Wagen wenig später geräumt werden, weil laut Fahrer ein Defekt aufgetreten sei.

Eine Wuppertalerin, die in der Düsseldorfer Innenstadt als Sekretärin arbeitet, berichtet, dass sie an diesem Tag über vier Stunden unterwegs gewesen sei – für eine Strecke, die normalerweise hin und zurück eine Stunde dauere: „Es ist der reinste Horror.“ Der Ersatzbus der Linie RE13 komme nicht, wie versprochen, alle 15 Minuten. Dabei haben die Verspätungen an diesem Montag mutmaßlich nichts mit der Staulage zu tun. Laut der Autobahn GmbH habe es weniger Verkehrsstörungen als am Montag davor gegeben. Mit den Vorwürfen konfrontiert, schreibt die Bahn lediglich, dass derzeit keine aktuellen Infos zum Bus der Linie 13 vorlägen.

Von li.: Christian Hirte (Parl. Staatssekretär), Dr. Philipp Nagl (Vorstandsvorsitzender des Bahn-Tochterunternehmens DB InfraGO) und NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer gaben den Startschuss.

Foto: Wuppertaler Rundschau/Christoph Petersen

Mittwoch, 11. Februar

Zwei Bagger beginnen mit den Rückbauten am Wuppertaler Hauptbahnhof. Zu denen wird im Lauf der Arbeiten auch der Abriss des Südstegs zählen, der durch einen Aufzug ersetzt werden soll.

Donnerstag, 12. Februar

Weiberfastnacht und vierter Arbeitstag mit Ersatzverkehr. Erste Bilanz der Pendlerin, die täglich nach Düsseldorf fährt: Es sei tatsächlich so schlimm, wie sie erwartet habe. Zudem sei die Ausschilderung der Bushaltestellen, etwa am Düsseldorfer Hauptbahnhof, unübersichtlich. (Bilder)

Bilder: Start der Bahnstrecken-Generalsanierung
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Start der Bahnstrecken-Sanierung

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Die Bahn sieht das insgesamt anders. Auf Anfrage der Rundschau antwortet sie, dass der Ersatzverkehr gut angelaufen sei. „Die Erfahrungen zeigen aber auch, dass sich der Betrieb zu Beginn noch ein wenig einruckeln muss. Echte Routinen entstehen erst im laufenden Betrieb. Daher bitten wir unsere Fahrgäste um Verständnis und etwas Geduld.“ Die Sanierung sei ein „echter Kraftakt“.