Kommentar (nicht nur) zum letzten Tanztheater-Event im Jahr 2025 „Underground“ mit Oberwasser

Wuppertal · Einen starken Vorgeschmack auf die Zukunft des Tanztheaters, mit eine der bedeutendsten Wuppertaler Kulturfacetten, gab es kurz vor Weihnachten im Schauspielhaus.

Das Stück „Layers“ von Julian Stierle war Teil von „Underground IX“. Hier im Bild Dean Biosca und Emily Castelli.

Foto: Bastian Hessler

Bei „Underground IX“ machten Tänzerinnen und Tänzer auf der Bühne deutlich, dass sie nicht nur für die Darstellung „zuständig“ sind, sondern auch fürs „Machen“. Denn die sieben nicht allzu langen (und neuen!) Choreographien stammten allesamt von Tänzerinnen und Tänzers des Ensembles selbst.

So viel zu dem nicht endenwollenden Orakeln bestimmter Herr- und Damenschaften darüber, das Tanztheater laufe Gefahr, „museumsreif“ zu werden. Was sich da auf der Foyer-Bühne im Schauspielhaus an drei (natürlich) ausverkauften Tagen abspielte, bewies live und in Farbe exakt das Gegenteil.

Stefan Seitz.

Foto: Bettina Osswald

Und weil hier Zukunft zu sehen war, ist selbstverständlich auch der Ort entscheidend und wichtig gewesen: Das Schauspielhaus präsentierte sich einmal mehr als weder museal noch ausgestorben. Das Gebäude, in dem und um das herum in sieben Jahren das Pina-Bausch-Zentrum entstanden sein wird, hat nichts von seinem nicht kopierbaren Zauber eingebüßt.

Und es macht großen Appetit auf die Zukunft an der „Kulturinsel Kluse“, wenn man gemeinsam mit vielen, vielen anderen Gästen, die wieder mal aus allen Generationen stammen, bei einem ungewöhnlichen „Work in Progress“-Prozess wegen der geringen Entfernung zwischen Bühne und Zuschauerraum quasi hautnah dabei sein kann.

Auf komplett unterschiedliche Weise stellten 13 Ensemblemitglieder Arbeiten vor, an deren „Erfindung“ und Entstehung viele von ihnen selbst beteiligt waren. Der Geist Pina Bauschs atmete an zahlreichen, zutiefst berührenden Stellen unverkennbar mit. Doch auch ganz andere Zugänge gab es zu sehen: Neuartige, anstrengende, verstörende, schräge. Aber genauso war Zeit für Tränen, Zeit für Lächeln, Zeit für Lachen.

Ich finde es großartig, dass das bereits vor vielen Jahren gestartete Self-made-Projekt „Underground“, das jetzt sechs Jahre Pause machte (machen musste?), wieder da ist. Mich freut es, dass das Tanztheater – zumal an diesem historischen und zugleich zukünftigen Ort – so viele Menschen anzieht. Sie verzaubert, bewegt, miteinander ins Gespräch bringt.

All das zusammen macht mich sicher, dass es gelingen wird, mit einem lebendigen und offenen Pina-Bausch-Zentrum auch viele von denen zu überzeugen, die hier eine Mischung von Elite und Elfenbeinturm unterstellen.

Was es dazu allerdings braucht, ist der Mut eines Stadtrates, wenn etwa im Sommer dieses noch jungen Jahres die entscheidende Ja-oder-Nein-Abstimmung ansteht. Was es dazu vorher – und nachher sowieso – braucht, ist eine starke und erfahrene Stimme für die Kultur in dieser Stadt. Nicht nur, um fürs Pina-Bausch-Zentrum vor Ort sowie auf Landes- und Bundesebene zu arbeiten und zu sprechen. Sondern auch für die gesamte – etablierte und freie – Bandbreite der Kulturstadt Wuppertal.

Sehr bewusst schaue ich deswegen auf eine andere, schon am 26. dieses Monats stattfindende Abstimmung im Stadtrat. Dann dürfte die zuletzt verschobene Wiederwahl von Kulturdezernent Matthias Nocke erneut auf der Tagesordnung zu finden sein.

Angesichts vieler Gerüchte, die mit dieser Personalie in Verbindung stehen, sage ich: Das Thema Kultur in einer Stadt wie Wuppertal braucht sein eigenes Haupt-Ressort. Es darf nicht irgendwo als „Untermieter“ eingeklinkt werden. Das wäre nicht „Underground“, sondern unterirdisch.