Kommentar: Bausch-Zentrum = Chefinnen-Sache Zwei starke Signale

Wuppertal · Am vergangenen Samstag hat sich mein Kollege Jörn Koldehoff mit den ersten 100 Tagen von Oberbürgermeisterin Miriam Scherff beschäftigt. Ich will heute gerne daran anschließen. Miriam Scherff hat jetzt zwei kulturelle Züge auf die Schiene gesetzt, deren Bedeutung für Wuppertals Innen- und Außenwirkung ich sehr hoch ansetze.

OB Miriam Scherff übernimmt in Sachen Pina-Bausch-Zentrum die Aufgaben von (Noch-Dezernent) Matthias Nocke.

Foto: Christoph Petersen

Miriam Scherff hat am Dienstag das Projekt Pina-Bausch-Zentrum zur „Chefinnen-Sache“ erklärt – und will sich bis zur Fertigstellung und Eröffnung um das Großprojekt kümmern. Damit setzt die Oberbürgermeisterin, so die entsprechende Mitteilung, „ein klares Zeichen an alle Zweifler und Kritiker, aber auch an die Fördermittelgeber des Landes und des Bundes für den Stellenwert des Projektes – für Wuppertal, für Deutschland und die Welt“.

Für mich, der ich zuletzt auch meine Zweifel daran hatte, ob die Stadtspitze (ohne Matthias Nocke) fest zum Pina-Bausch-Zentrum steht, ist das eine sehr gute Nachricht, die mich erleichtert aufatmen lässt.

Stefan Seitz.

Foto: Bettina Osswald

Außerdem ehrt es Miriam Scherff, dass sie die Bedeutung des schon jahrelangen, intensiven Engagements von Matthias Nocke fürs Pina-Bausch-Zentrum hervorhebt – und ihm dafür dankt. „Motor und Impulsgeber des Prozesses, aus dem ehemaligen Schauspielhaus ein Tanzzentrum von Weltruf zu machen“, nennt die Oberbürgermeisterin ihren OB-Wahl-Kontrahenten. Miriam Scherff über Matthias Nocke: „Nun übergibt er ein Schiff unter vollen Segeln, das wir sicher in den Hafen bringen wollen.“

Daraus spricht eine ganz andere Wertschätzung als aus den schäbigen politik-kulturellen Umständen rund um Nockes Nicht-Wiederwahl. Für die sich (ich werde nicht müde, das immer wieder zu betonen) sowohl SPD als auch CDU in Grund und Boden schämen sollten.

Zum kulturpolitischen „Schwur“ wird es in der Sitzung des Stadtrates am Montag kommen: Dann steht die von Miriam Scherff unterzeichnete Verwaltungsvorlage auf der Tagesordnung, mit der ein geordneter Prozess zur Neubesetzung des Dezernates für Kultur, Sport sowie Sicherheit und Ordnung auf den Weg gebracht werden soll. Also keine Zerschlagung des „Nocke-Dezernates“, sondern die Erhaltung dieses Geschäftsbereiches. Sehr gut!

Die Stelle soll öffentlich ausgeschrieben sowie eine mit SPD, CDU, Grünen, Linken und AfD besetzte siebenköpfige Auswahlkommission gebildet werden, deren Vorsitz die Oberbürgermeisterin hat. Begleitet werden soll die Suche nach jemandem, der oder die das Kulturdezernat der Zukunft führt, von einer Personalberatungsagentur. Der Zeitplan ist straff: Bis 30. Mai Bewertung der Bewerbungen und Gespräche mit den Kandidaten oder Kandidatinnen – plus Auswahlentscheidung der Kommission. Gewählt werden könnte am 15. Juni oder 22. Juni.

Das wird ein interessanter Termin werden. Schon allein, weil – nach Informationen der Rundschau – (mindestens) eine Person (von außerhalb), die Interesse an der Nocke-Nachfolge signalisiert hat, unmissverständlich gefordert haben soll, dass eine eventuelle Wahl dann nicht geheim erfolgen dürfe. Um nicht in die „Dunkelheit“ hinein starten zu müssen. Was ich wirklich sehr nachvollziehbar finde.

Man sieht: Der Stein, den CDU-Ratsmitglied und Rechtsanwalt Rolf Köster mit seiner Forderung nach der grundsätzlichen Abschaffung der geheimen Wahl (bis auf ganz wenige Ausnahmen) Anfang des Monats ins Wasser geworfen hat, zieht schon weite Kreise. Ob eine Mehrheit des Rates den Mumm hätte, diesen Kurs mitzugehen? Ein starkes, ehrliches Signal für selbstbewusste Offenheit und politische Transparenz wäre es unbedingt!

Zum Schluss: Die beantragten Bundesmittel fürs Pina-Bausch-Zentrum von 37 Millionen sind, so die aktuellen News aus Berlin, gesichert – und das Verfahren läuft ordnungsgemäß. In der ersten Ratssitzung nach der Sommerpause wird es dann endgültig darum gehen, für das Großprojekt politisch abzustimmen. Der Weg dorthin ist geebnet. Jetzt muss man ihn „nur noch“ gehen.