Wenn der Stadtrat komplett anwesend ist, bräuchte Matthias Nocke, der seit 2010 Dezernent für Kultur, Sport sowie Sicherheit und Ordnung ist, 41 Stimmen. Wird er als Dezernent nicht wiedergewählt, ist Nocke mit Ablauf seiner offiziellen Amtszeit Ende März nicht mehr Mitglied des Verwaltungsvorstandes – und damit auch das Thema Stadtdirektor erledigt. Fort aus dem Rathaus wäre der 63-Jährige wohl noch schneller: Wegen vieler aufgelaufener Urlaubstage, die es dann noch zu nehmen gäbe.
So – das war jetzt der quasi technische Teil der Personalie Matthias Nocke. Einer Personalie, mit der sich offenbar vor allem die SPD unendlich schwertut. Eine SPD, die, wenn sie eine stabile Mehrheit für welche Wuppertaler Zukunft auch immer haben will, um eine verlässliche Kooperation mit der CDU letztlich kaum herumkommen wird.
Schon allein deswegen ist die „Personalie Nocke“ viel mehr als nur eine Personalie. Vielmehr hat dieses Thema auch etwas mit Bekenntnis zu tun. Zum Beispiel mit dem Bekenntnis eines Stadtrates, der ja die Vertretung aller Wuppertaler Wählerinnen und Wähler beziehungsweise gar aller Wuppertaler Menschen ist, zu Wuppertal als Kulturstadt.
Nocke hat in den vergangenen rund 15 Jahren anständige Kulturarbeit gemacht. Das gilt beileibe nicht nur für die sogenannte Hochkultur. Das gilt auch für die stets hochsensible freie Szene. Die vor allem ist es, aus der mich schon seit Kommunal- und OB-Wahl schwere Befürchtungen erreicht haben (und weiterhin erreichen), man wolle mit der Nichtwiederwahl des Dezernenten Nocke das Kulturdezernat als solches zerschlagen. Um diesen Bereich an ein anderes der Wuppertaler Dezernate als Zusatz-Facette anzuflanschen.
Für die freie Szene ein „Alarmstufe-Rot-Szenario“. Für die „Hochkultur“ allerdings auch. Bei Weitem nicht nur wegen des Pina-Bausch-Zentrums. Übrigens: Wenn’s um dieses, meiner Auffassung nach für Wuppertal immens wichtige Projekt geht, werde ich den dumpfen Verdacht nicht los, die SPD wolle es nicht mehr. Liegt da etwa der Löwenanteil des „Nocke-Hasen“ im Pfeffer?
Matthias Nocke hat sich in der Vergangenheit immer mal wieder keine Freunde gemacht. Und nach dem ersten OB-Wahlgang, den er schon deutlich verlor, medienöffentlich sagenhaft unentspannt reagiert. Seine damalige Kontrahentin Miriam Scherff, hatte darauf sagenhaft entspannt reagiert. Und Nocke verziehen. Die beiden arbeiten seither offenbar gut zusammen. Es gibt auch keine gegenteiligen Gerüchte.
Miriam Scherff ist ja nicht „nur“ Oberbürgermeisterin. Sie ist auch Wuppertals SPD-Chefin. Sie könnte also mit Blick auf Montag ein innerparteilich gewichtiges Wort in die Waagschale werfen. Wenn sie das denn will.
Matthias Nocke jedenfalls will – weitermachen. Und drum wagt er’s, es am Montag darauf ankommen zu lassen.