Kommentar zur Diskussion über das „Café Cosa“ Herkules sollte in die Schweiz blicken

Wuppertal · So wie momentan soll es im Wupperpark Ost nicht weitergehen. Darin waren sich am Montag im Stadtrat alle Rednerinnen und Redner einig.

Der Wupperpark Ost.

Foto: Christoph Petersen

Weil dort nicht nur der Pavillon der Wuppertal Touristik, sondern auch das „Café Cosa“ angesiedelt ist, kommt es regelmäßig an einem zentralen Punkt der Elberfelder City zu erheblichen Problemen. Lassen die sich aus der Welt schaffen?

Vorab: Die Beschlüsse des Rates sind als kurzfristig umsetzbare Maßnahmen sinnvoll. So die tägliche Reinigung der mobilen Toiletten und vor allem die Verlängerung der Öffnungszeiten des Cafés, das sich laut Selbstbeschreibung um „drogenkonsumierende, wohnungs- und obdachlose Menschen, die der Wuppertaler Drogenszene angehören“, kümmert.

Denn, und das bestätigen Polizei, Ordnungsamt sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Solange das „Cosa“ als Ort für niederschwellige Hilfsangebote geöffnet hat, gibt es weniger Auseinandersetzungen und Verschmutzungen. Insofern sind die dafür zusätzlichen 272.385 Euro pro Jahr viel Geld, aber notwendig. Nachts sollen eine bessere Beleuchtung und stärkere Kontrollen die Lage etwas entschärfen. Das alles aber wird das Grundproblem nicht lösen.

In der Beschlussvorlage von Sozialdezernentin Annette Berg steht: „Orte, an denen offen illegale Substanzen konsumiert werden, werden durch die Mehrheitsgesellschaft als sogenannte Angsträume wahrgenommen. In Wuppertal zählt der Wupperpark Ost zu eben jenen Angsträumen.“ Konsumiert werde „insbesondere Heroin und Crack / Kokain“. Crack habe „eine starke Verbreitung auch in Wuppertals Drogenszene erfahren, die Verelendung von crackkonsumierenden Menschen ist sichtbarer geworden“.

Deshalb hatte die FDP/WfW-Fraktion in einem eigenen Antrag gefragt, „wie das Café Cosa an einem neuen Standort zu einem niedrigschwelligen, kontrollierten Aufenthaltsort mit medizinischer, psychosozialer und suchttherapeutischer Begleitung weiterentwickelt werden kann“. Verbunden mit dem Zusatz, dass die Verwaltung bis Ende des Jahres eine Beschlussfassung vorbereiten soll. Die anderen Parteien sind zwar keineswegs gegen eine Verlagerung – und unterstreichen deutlich, dass es nicht akzeptabel sei, wenn Passantinnen und Passanten belästigt würden. Sie sehen den FDP/WfW-Zeitplan aber als zu ambitioniert an.

In der Tat: Einen neuen Standort zu finden, wird eine Herkulesaufgabe. Wetten, dass sich an den vorgeschlagenen Punkten umgehend eine Bürgerinitiative dagegen bildet, werden nicht entgegengenommen. Und alles an den Stadtrand zu verlagern, bringt nichts: Die Szene würde dorthin schlichtweg nicht folgen.

Und so scheint es am realistischsten, die Arbeit des „Runden Tischs“, an dem Vertreterinnen und Vertreter der Polizei sowie aus Politik, Verwaltung und Einzelhandel sitzen, zu intensivieren, immer wieder nachzusteuern und eben auch eine Übernahme des „Züricher Modells“ zu prüfen.

Dort ist in einer „Konsum- und Anlaufstelle“ der Handel mit kleinen Drogenmengen erlaubt. Die Folge sei, dass der Beschaffungsdruck deutlich geringer werde, erklärt Florian Meyer. Sein Projekt gilt europaweit als Vorbild, weil sich die Situation in Zürich mehr als deutlich beruhigt hat.

Susanne Herhaus (BSW) gibt indes zu bedenken: „Allen, die gegen Obdachlose, gegen Menschen, die ein Alkohol- oder Drogenproblem haben, sind, denen möchte ich sagen: Ich hoffe für Sie und Ihre Kinder, dass Sie Ihr Leben ohne Sorgen und ohne Zwischenfälle beenden können – so komfortabel, wie Sie es heute führen.“