Kommentar zur Kommunalen Wärmeplanung Mehr als eine Herkulesaufgabe

Wuppertal · Dass (nicht nur) Wuppertal für die viel beschworene Wärmewende ziemlich dicke Bretter wird bohren müssen, war schon im Vorfeld klar.

Wärmepumpe vor einem Haus.

Foto: Verbraucherzentrale NRW

Wie dick diese Bretter tatsächlich sind, lässt sich schwarz auf weiß in den 150 Seiten nachlesen, auf denen der Abschlussbericht zur Kommunalen Wärmeplanung für unsere Stadt niedergeschrieben wurde. Um es auf den Punkt zu bringen: Den aktuell zu 88 Prozent mit Gas und Öl beheizten Wuppertaler Gebäudebestand bis 2045 klimaneutral mit Wärme zu versorgen, scheint nach heutigem Stand ziemlich illusorisch.

Die Zahlen dazu sehen so aus: Im Zielszenario der Planer für 2045 sollen 15 Prozent der Gebäude über Wärmenetze versorgt und 66 Prozent mit Luftwärmepumpen beheizt werden. „Um diesen ambitionierten Ausbau zu realisieren, müssten jährlich etwa 2.200 Luftwärmepumpen installiert werden, mehr als doppelt so viele wie derzeit bundesweit in Städten vergleichbarer Größe“, rechnet der Bericht vor.

Damit diese Wärmepumpen überhaupt sinnvoll eingesetzt werden können, müssten Eigentümer älterer Gebäude in den meisten Fällen zeitgleich auch noch massiv in die energetische Sanierung ihrer Objekte investieren. Das scheint einerseits auf breiter Front schon rein finanziell kaum vorstellbar – und trifft auf der anderen Seite auch noch auf ein weiteres Problem: Angesichts schon jetzt mehr als ausgelasteter Handwerks-Fachbetriebe und des Fachkräftemangels in fast allen relevanten Gewerken stellt sich die Frage, wer dieses ehrgeizige Programm eigentlich baulich umsetzen soll. Von zähen Genehmigungsprozessen, für die bekanntlich auch Wuppertal berühmt ist, ganz zu schweigen.

Beinahe rührend wirkt vor diesem Hintergrund ein Stadtratsbeschluss von 2021, der den schönen Titel „Klimaschutz und Klimafolgeanpassungen – jetzt! Klimaneutral bis 2035!“ trägt. Er zielt darauf ab, die angestrebte Klimaneutralität bereits zehn Jahre früher als im nationalen Klimaziel formuliert zu erreichen – sprich schon 2035.

Für den Heizungssektor, der für etwa die Hälfte des gesamten im Fokus dieses Beschlusses stehenden Energieverbrauchs sorgt, würde das laut der Wärmeplaner bedeuten: „Die Zahl der Wärmepumpen müsste von derzeit rund 1.600 auf etwa 52.000 steigen, was einem jährlichen Zuwachs von rund 5.800 Geräten entspricht. Gleichzeitig wäre ein Ausbau der Wärmenetze von etwa 2.400 auf 8.200 angeschlossene Gebäude erforderlich. Damit würde der Austausch nahezu aller Öl- und Gasheizungen in weniger als zehn Jahren notwendig.“

Wenig überraschend ordnen die Experten diesen Ratsbeschluss daher als komplette Illusion ein. Ihr Urteil: „Aufgrund des hohen Ressourcen- und Personalbedarfs, der Vielzahl langfristiger Bau- und Infrastrukturmaßnahmen im Stadtbereich, mangelnder Akzeptanz sowie der finanziellen Belastung wird das Szenario 2035 derzeit als nicht umsetzbar bewertet.“

Jenseits der kaum zu haltenden Fristen ist die Kommunale Wärmeplanung trotzdem ein Schritt nach vorn, weil sie in den Wirren des Wärmewende-Themas lokale Orientierung bietet. Vor allem für Objekteigentümer, deren Gebäude in den potenziellen Wärmenetz-Gebieten liegen. Die große Masse der anderen Gebäudebesitzer braucht aber weniger kommunale Schützenhilfe, sondern vielmehr belastbare Leitlinien und auf Dauer angelegte Förderprogramme auf Bundesebene für die Wärmewende.

In fünf Jahren wird die Wärmeplanung übrigens aktualisiert – dann möglicherweise auch unter Einbeziehung von aktuell noch nicht wirtschaftlichen Technologien wie der Brennstoffzelle. Der dafür benötigte Wasserstoff könnte über das Gasnetz verteilt werden, an das aktuell mehr als 45.000 Gebäude angeschlossen sind. So oder so wird uns diese Herkulesaufgabe noch reichlich beschäftigen. Ziemlich sicher sogar deutlich länger als bis 2045.