Inhaltlich und menschlich. Die gilt es jetzt schnell zu füllen. Und zwar so, dass Wuppertals kulturelle Zukunft keinen Schaden dabei nimmt.
Da wäre es meiner Auffassung nach ganz entscheidend, dass nicht etwa eine stockkonservative Kopie von Wolfram Weimer nach Wuppertal kommt. Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien hat in seiner erst seit 2025 laufenden Amtszeit in atemberaubender Geschwindigkeit gezeigt, wie man Kultur nicht fördert, sondern sehr beschädigt. Genau das kann Wuppertal nicht gebrauchen. Und hat es auch nicht verdient.
Schauspiel-Intendant Thomas Braus sagte am Dienstag in einem Gespräch, wer sich frage, wie man Kultur für eine Stadt machen kann, müsse sich immer fragen: Welche Menschen sind in dieser Stadt? Völlig richtig! Wer also in Zukunft den Kultur-Dezernenten/Dezernentinnen-Hut trägt, muss Wuppertal (er-)kennen, (er-)leben – sprich: das Wuppertal-Gen haben. Oder es sich schnell zulegen.
Auch brauchen wir an dieser Stelle niemanden, der (oder die) „es“ anderswo schon erfolglos versucht hat. Oder aber die, zugegeben, oft anstrengende freie Szene nur für wild wuchernde Kraut-und Rüben-Subkultur hält. All diese Fehler hat Matthias Nocke, der bestimmt kein „linker Vogel“ ist, klug vermieden. Seine Fehler hat er im CDU-Innenverhältnis sowie am Abend des ersten Durchganges zur OB-Wahl gemacht. Mit entsprechenden Quittungen.
Auch darf es nicht dazu kommen, dass die Struktur des „Nocke-Dezernates“ anders gemischt wird. Dass nämlich (davon habe ich schon munkeln hören) inhaltlich der Bereich „Sicherheit und Ordnung“ an die wichtigere Position rückt. Wuppertal ist (und nicht etwa nur wegen Pina Bausch!) eine Kultur-Stadt. Das Label „Stadt der Sicherheit und Ordnung“ entfaltet keine Strahlkraft. Nur Stirnrunzeln. Oder müdes Lächeln. Dagegen übrigens, dass eines Tages das Etikett „Sport-Stadt“ hinzukommt, hätte ich gar nichts. Im Gegenteil.
Apropos Strahlkraft: Die geht in Sachen Wuppertaler Außen- und Innenwirkung vor allem vom Tanztheater aus. Und wird durch das Pina-Bausch-Zentrum noch wachsen. Gerade darum ist es unendlich wichtig, dass der Mensch, der die Nocke-Nachfolge antritt, das oben genannte Wuppertal-Gen hat. Besser einen ganzen Haufen davon.
Eins noch zum Thema Tanztheater beziehungsweise Pina-Bausch-Zentrum: Da heißt es ja immer gern, das sei nur etwas für „die Elite“. Was soll das heißen? Wer beispielsweise beim Bausch-Stück „Vollmond“ ein mit über 700 begeisterten Gästen ausverkauftes Opernhaus erlebt, sieht faszinierend bunt gemischte Menschen aller Art – junge, mittlere, ältere, alte. Das sind alles „Elite-Leute“? Blödsinn. Das ist das lebendige Gesicht einer Stadt.
Wer dieses mit all den typischen Wuppertaler (Kultur-)Facetten gesegnete Stadt-Gesicht nicht pflegen, schützen und stärken will, hat das Dezernats-Spiel verloren, noch bevor es begonnen hätte.