Zwar haben Bahnfahrer in Wuppertal die Hälfte der Sperrungszeit hinter sich, doch das heißt nichts Gutes: Die ersten elf Wochen waren für Pendler ein Desaster. Die Kritik ebbt nicht ab: Die Ersatzbusse fahren so verspätet, dass manch einer nostalgische Gefühle gegenüber dem chronisch unpünktlichen RE7 entwickelt.
Die lila Flotte avancierte binnen kürzester Zeit zum Verkehrsschreck. Mit den überwiegend ortsfremden Busfahrern, die mehrmals in Sackgassen im Bergischen Land landeten oder Vohwinkel nicht Wuppertal zuordnen können, habe ich fast schon Mitleid: Schließlich sind sie es, die täglich Hohn und Häme der Passagiere abbekommen.
Doch die Verantwortlichen sitzen woanders, kennen Vohwinkel wahrscheinlich auch nur von der Landkarte: Die DB InfraGo muss nach dieser Sperrung aufarbeiten, wie solch eine Generalsanierung zustande kommen konnte. Und sich die Frage stellen lassen: Warum um alles in der Welt gab es eine Vollsperrung? Sie ist nicht notwendig gewesen – das sehen übrigens auch das Bundesverkehrsministerium und der VRR so.
Dabei wurde vor Baustellenstart das Blaue vom Himmel versprochen: ein hochwertiger Ersatzverkehr, perfekt ausgeschildert und zuverlässig. Die Halbzeit-Bilanz als Rundschau-Reporter vor Ort sieht so aus: Die teils vom Regen unlesbare Beschilderung auf Zetteln erinnert an eine Schnitzeljagd auf einem Kindergeburtstag. Die Gleise 4 und 5 sind derzeit nur durch Treppen zu erreichen. Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte bleiben auf der Strecke.
Die DB hat ihr Vertrauen verspielt. Warum sollte ich jetzt glauben, dass es nach dem 10. Juli besser wird?