Kommentar zur Stadtbibliothek im Kaufhof-Gebäude Mut zur Idee, Angst vor der Umsetzung

Wuppertal · In Wuppertal ist man sich erstaunlich einig. Der Stadtrat hat das Konzept für den Kaufhof grundsätzlich befürwortet, quer durch die Fraktionen.

Blick in die neue Gummersbacher Stadtbibliothek.

Foto: Rundschau/Vanessa Ambrosius

Die Grünen sprechen von einem Schritt in die richtige Richtung, die CDU von einem „sehr schönen Projekt“, die SPD nennt es eine „faszinierende Konzeption“. Selbst die Zusammenarbeit mit dem Projektentwickler Coinel aus Düsseldorf findet breite Zustimmung. Das Problem: Zustimmung allein baut noch keine Bibliothek.

Was politisch gerade passiert, klingt vertraut. Es wird beauftragt, geprüft, verhandelt. Auf Initiative der SPD soll eine externe Beratungsgesellschaft eingebunden werden, um bei Investorenmodellen zu unterstützen. Noch-Stadtdirektor Matthias Nocke betont, dass ein so komplexes Vorhaben selbstverständlich fachlich begleitet werden müsse. Alles richtig, alles notwendig. Und gleichzeitig ein Stadium, in dem Projekte gerne mal sehr lange verharren. Man könnte auch sagen: Der Wille ist da. Der Mut zur endgültigen Entscheidung noch nicht ganz.

Dabei ist die Richtung längst klar. Der Rat hat ein Zielbild formuliert, das kaum jemand ernsthaft infrage stellt: Eine moderne Zentralbibliothek – mit Bildung, Aufenthaltsqualität und neuem Leben für die Innenstadt. Ein Ort, der quasi das Epitom des „öffentlichen Wohnzimmers“ sein soll. So, wie es andere Großstädte schon teilweise leben.

Vanessa Ambrosius.

Foto: Joachim Schmitz

Bibliotheken sind nämlich längst nicht mehr die verstaubten Orte, an denen es nach altem Teppich und vergilbtem Papier riecht. Sie sind einer der wenigen Räume, in denen man sich aufhalten darf, ohne etwas kaufen zu müssen. Lernen, arbeiten, einfach da sein. Gerade in Innenstädten, die sich neu erfinden müssen, sind solche Orte kein nettes Extra, sondern ziemlich zentral – gerade für junge Menschen, denen es oft an sogenannten „dritten Orten“ neben Zuhause und Schule oder Arbeit fehlt. Während Wuppertal darüber noch nachdenkt, haben andere Städte diesen Schritt längst gemacht. Dort wurde entschieden und dann gebaut. Mit dem Ergebnis, dass Bibliotheken heute wieder sichtbarer und voller sind.

Bei uns entsteht gerade etwas, das man freundlich als gründlichen Prozess bezeichnen kann. Man könnte auch sagen, wir befinden uns in einem sehr gut organisierten Wartemodus. Immerhin: Mit Oberbürgermeisterin Miriam Scherff ist das Thema inzwischen zur Chefsache geworden. Eine zentrale Projektstruktur soll nun Tempo, Übersicht und eine belastbare Entscheidungsgrundlage bringen.

Das ist ein richtiger und überfälliger Schritt, denn die Ausgangslage ist seit Jahren bekannt. Bereits 2022 war bei der Zentralbibliothek an der Kolpingstraße von einem Gebäude die Rede, das nicht mehr tragbar sei. 2024 wurde eine zentrale Lösung mitten in der Innenstadt als optimal beschrieben. Und seit dem Ratsbeschluss im Februar 2025 wird weiter geprüft, gerechnet und verhandelt.

Dass sich der Prozess so lange zieht, überrascht inzwischen nicht nur Beobachter von außen. Auch beim Projektentwickler Coinel, der in die Planungen eingebunden ist, war diese Verzögerung offenbar so nicht zu erwarten. Dort ging man davon aus, bereits deutlich weiter zu sein.

Die Hoffnung ist jetzt, dass Bewegung in die Sache kommt. Eine Entscheidung noch vor der Sommerpause ist angekündigt. Vier Jahre nach den ersten deutlichen Warnsignalen und ein Jahr nach dem Ratsbeschluss. Es geht dabei nicht nur um ein Gebäude, sondern darum, wie sich Wuppertals Innenstadt in Zukunft anfühlen soll. Leerstand, Durchgangsorte und schnelle Erledigungen gibt es genug. Orte, wo man bleiben kann, müssen dringend her.

Eine moderne Bibliothek kann das leisten: Sie bindet Menschen an die Stadt und schafft einen Raum für die unterschiedlichsten Ziel- und Altersgruppen. Umso mehr kommt es jetzt darauf an, dass im Sommer endlich Gewissheit herrscht.