Zur Bundesgartenschau, über die es doch längst einen Bürgerentscheid gab: Ende Mai 2022 nahmen 93.211 Bürgerinnen und Bürger daran teil – und 51,8 Prozent der Stimmen, also 48.060, votierten für ein „Go“ in Sachen BUGA 2031. Jaaaaa – der sei doch aber so knapp ausgefallen, dieser Bürgerentscheid, heißt es dann immer gern. Abstrus!
Als die deutsche Fußballnationalmannschaft 2014 das WM-Endspiel mit 1:0 gegen Argentinien gewann, war das ja auch ein knapper Sieg. Ist der deutsche WM-Titel deswegen kein „richtiger“ WM-Titel? Oder wenn ein 100-Meter-Sprinter mit ein paar Hundertstel Vorsprung ganz knapp den Olympia-Sieg holt, ist das dann keine „richtige“ Goldmedaille? Solch ein Denken hätte noch nicht einmal am verschwurbelsten Stammtisch eine Chance.
Wenn’s aber um ein großes Projekt wie die BUGA– mit vielen möglichen Chancen für Wuppertal – geht, dann zählt ein zählbarer Sieg plötzlich nicht mehr?
Ähnliches befürchte ich auch in Sachen der Bürgerabstimmung für Wuppertal als möglichem Austragungsort der Fußball- und Wasserball-Wettbewerbe bei den Olympischen Spielen frühestens 2036. Die Abstimmungsfrist läuft am morgigen Sonntag um 16 Uhr ab. Wie es ausgegangen ist, werden wir kurz darauf wissen.
Und wenn’s wieder knapp sein sollte, kommen sie bestimmt erneut aus der Höhle, die Bedenkenträger, die dieser Stadt nichts zutrauen. Die immer nur „zu teuer, brauchen wir nicht“ rufen. Und man müsse das jeweilige Geld anderswo investieren. Wohl wissend, dass projektbezogene Fördergelder eben nicht anderswo investiert werden können, sondern verfallen. Oder von anderen Städten kassiert werden, die mehr Mut beweisen. Zum Beispiel von denen des super-selbstbewussten Ruhrgebietes, wo kaum ein Mensch auf die Idee käme, „nääää“ zu quäken, wenn es was für die eigene (Zukunfts-)Region zu holen gibt.
Es kann nicht oft genug gesagt werden: Wenn heute der Bau einer Schwebebahn durch die ganze Stadt auf der Tagesordnung stünde, würde diese Idee am atemberaubend facettenreichen Bürgerwiderstand krachend scheitern. Das sollten wir uns in Wuppertal einmal auf der Zunge zergehen lassen – und dann in den Spiegel schauen.
Wollen wir solche Hinterm-Ofen-Hocker sein? Gefallen wir uns gar in dieser Meckertal-Haltung? Ich jedenfalls nicht! Wuppertal braucht das Drehen großer Räder, weil Wuppertal kraftvolle Impulse schlicht und ergreifend verdammt nötig hat.
In der Politischen Runde der VHS am 2. März zum Thema Olympia-Bewerbung hat Sportamtsleiterin Alexandra Szlagowski die großen Stadtentwicklungs-Chancen eines Wuppertaler „Dreisprungs“ formuliert: BUGA 2031, Pina-Bausch-Zentrum 2032/2033 und Olympische Spiele 2036. Noch viel mehr solch mutiger Menschen brauchen wir!
Denn es gilt für alle Zeiten: Wer nicht an der Verlosung teilnimmt, darf sich nicht beklagen, dass andere gewinnen.