Die Ähnlichkeiten beginnen schon bei der Dimension des Areals: Die Landesgartenschau deckt eine Fläche von gut 50 Fußballfeldern ab - ähnlich wie das als Herzstück der Wuppertaler BUGA geplante Kernareal Tesche. Und genau wie das verwilderte Gelände in Vohwinkel war das weite Feld der 2019 endgültig geschlossenen Pferderennbahn ein problematisches Stück Stadtgebiet.
Besonderheit dabei: Obwohl nur drei Minuten Fußweg vom Herzen der City entfernt gelegen, war es für die meisten Neusser weitgehend Terra Incognita. „Das war wie eine Industriebrache“, erinnert sich der Neusser Planungsdezernent Christoph Hölters an die Ausgangslage, „wir wären hier ohnehin in der Pflicht gewesen, mit kommunalen Mitteln etwas zu tun. Durch die Landesgartenschau wird aus dem Lost Place jetzt ein Place to be.“ (Bilder)
Impressionen von der kleinen BUGA-Schwester
Und nicht nur das: Das auf Dauer als Stadtpark angelegte Gelände mit seinen neuen Spiel- und Sportmöglichkeiten ist auch die Vorlage für ein weiteres Stück Stadtentwicklung: Im angrenzenden Büro-Viertel Hammfeld, das noch reichlich Flächenpotenzial bietet, sollen 1.500 neue Wohnungen entstehen, die auch in Neuss dringend gebraucht werden.
Die künftig dort lebenden Menschen haben dann eine Grünfläche der Superlative vor der Haustür. Ganz ähnlich konstruiert sind bekanntlich die Pläne für das Lokschuppen-Areal an der Tesche, wo die Unternehmensgruppe Clees in zwei Etappen ebenfalls ein Wohngebiet mit BUGA-Geländeanschluss entwickeln will.
Guter Austausch mit Wuppertal
Wuppertal-Verbindungen hat übrigens auch die Neusser LAGA-Geschäftsführerin Annette Nothnagel. Sie war in den 2000er Jahren bei der Bergischen Entwicklungsagentur unter anderem an der Entwicklung des Brückenparks Müngsten beteiligt und hat jetzt den vierjährigen Vorlauf des Projekts am Niederrhein gesteuert. Ihr Draht zu den Wuppertaler BUGA-Akteuren ist dabei kurz: „Wir haben einen guten Austausch mit Susanne Brambora-Schulz. Man kann immer voneinander lernen.“
Und natürlich hat auch die Präsidentin des Landesverbandes Gartenbau NRW jenseits der aktuellen LAGA die Entwicklungen rund um die BUGA in ihrem Heimat-Bundesland im Blick. „Wuppertal bietet so viel Möglichkeiten“, findet sie angesichts der Planungen mit den drei Kernarealen samt Seilbahn und Hängebrücke als Highlights.
30 Millionen Euro Fördermittel
Um deren Kosten drehen sich in Wuppertal bekanntlich weiter einige Diskussionen. Das Finanzierungsmodell in Neuss erläutert Bürgermeister Rainer Breuer (SPD): „Wir haben rund 60 Millionen Euro Budget und waren sehr erfolgreich darin, Fördermittel einzuwerben. Am Ende werden das ungefähr 30 Millionen Euro sein.“
Den städtischen Anteil habe man aus dem Verkauf von Grundstücken darstellen können. Die kalkulierten 650.000 Besucher würden zudem laut einer im Auftrag der IHK erstellten Studie zu regionalökonomischen Effekten der LAGA eine Wertschöpfung von voraussichtlich rund 25,6 Millionen auslösen.
Beachtlich ist in Neuss der Rückhalt in der Bevölkerung für das Projekt. Maßgeblich verantwortlich dafür: der Mitmachverein „Grünes Herz Neuss“. Als Community-Plattform vernetzt er von Beginn an Vereine und Engagierte aus der gesamten Stadtgesellschaft.
Die Co-Vorsitzende Sandra Maria Breuer über das Erfolgsgeheimnis: „Wir sind ganz früh auf die Menschen zugegangen, haben sogar schon Führungen gemacht, als es noch gar keine Planungen gab“, sagt sie, während sie auf das Areal zeigt, auf dem früher der Trainingsbetrieb stattfand. „Das war ja gar nicht zugänglich und wird deshalb für alle jetzt eine ganz neue Welt sein.“ Vielen Einheimischen dürfte es in Wuppertal auf dem Gelände an der Tesche 2031 ähnlich gehen ...