Handball-Pokal-Endrunde BHC will das Mega-Event aufsaugen und genießen

Wuppertal / Köln · Der Handball-Bundesligist Bergische HC tritt zum zweiten Mal in seiner Geschichte beim Final Four des DHB-Pokals an.

Klare Ansage.

Foto: Dirk Freund

„Wir haben zehn Jahre dafür gearbeitet, es nach 2016 wieder zu schaffen“, sagt Trainer Arnor Gunnarsson. „Jetzt wollen wir alle reinhauen und die Bundesliga für ein paar Tage vergessen.“ Im Halbfinale trifft der BHC am Samstag (18. April 2026) um 18.45 Uhr vor 20.000 Zuschauerinnen und Zuschauern in der Kölner Lanxess-Arena auf Topfavorit SC Magdeburg. Am Sonntag wird die Mannschaft erneut vor ausverkaufter Kulisse gefordert sein – im Finale oder im Spiel um Platz drei.

Die Tickets für die Großveranstaltung sind längst vergriffen. Das BHC-Kontingent war in Rekordzeit weg. Die Vorfreude ist nicht nur bei der Mannschaft riesig. Die Fans treffen sich zur Einstimmung bereits um 13:30 Uhr am Kennedy-Ufer in Köln-Deutz (Höhe Urbanstraße / Historischer Park Deutz) und werden um etwa 14 Uhr gemeinsam zur Lanxess-Arena laufen. Dort wird um 15:45 Uhr das erste Halbfinale zwischen dem TBV Lemgo Lippe und den Füchsen Berlin angepfiffen.

Drei Stunden später ist dann der BHC in Sondertrikots gegen den SC Magdeburg dran. Dass der Bundesliga-Tabellenführer haushoher Favorit ist, liegt auf der Hand. „Wenn die Magdeburger Normalform erreichen, haben wir keine Chance. Wir müssen hoffen, dass wir an dem Tag überperformen und der Gegner eben nicht“, sagt Markus Pütz, der das Trainergespann des BHC komplettiert. „Wir treffen auf der größten Bühne auf die wohl beste Mannschaft in Deutschland.“

Trotzdem glauben die Löwen fest daran, dass etwas möglich ist. Vor einem Monat im Ligaspiel hielten die Bergischen das Duell in Düsseldorf lange offen, verloren am Ende mit 25:27. „Da hatten wir ein sehr gutes defensives Zweikampfverhalten. Das brauchen wir wieder“, betont Arnor Gunnarsson. „Und im Angriff benötigen wir eine überdurchschnittliche Leistung von mehreren Spielern“, ergänzt Pütz. „Je länger das Spiel eng bleibt, desto größer ist unsere Chance.“

Denn eines dürfte auch klar sein. Wenn 20.000 Fans spüren, dass für den Außenseiter etwas drin ist, könnte sich schnell eine atmosphärische Dynamik zugunsten des BHC entwickeln. „Wir werden es aufsaugen und genießen“, sagt Gunnarsson. „Ich habe 13 Jahre in der Bundesliga gespielt und war nur ein Mal beim Final Four dabei.“ Auch Pütz weiß: „Für viele wird es ein einmaliges Erlebnis in der Karriere sein.“

Die Magdeburger haben damit mehr Erfahrung, waren auch 2016 Halbfinalgegner des BHC und gewannen knapp nach Verlängerung. Seitdem war der SCM noch fünf Mal beim Final Four und gewann vor zwei Jahren in der Lanxess Arena. Die Erfahrung spricht also ganz klar für die Ostdeutschen. „Ob das ein Vorteil ist, werden wir sehen“, sagt Magdeburgs Cheftrainer Bennet Wiegert. „Auch die Vorfreude auf etwas Neues kann Berge versetzen.“

Die ist beim BHC definitiv da. Diskussionen um einen neuen Glasboden, der in Köln erstmals zum Einsatz kommt, sind für die Mannschaft deshalb nebensächlich. „Wir kennen die Art Böden aus Spielen in der 2. Liga. Wir schauen uns den Untergrund am Freitag in der Halle an, können es aber ja eh nicht ändern. Selbst wenn wir auf einer Betonplatte spielen, lassen wir unser Herz auf der Platte“, hebt BHC-Kapitän Christopher Rudeck hervor.

Zu verlieren hat die Mannschaft am Wochenende wenig, aber sie kann viel gewinnen. Gelingt das Wunder gegen Magdeburg, spielen die Löwen am Sonntag (15:45 Uhr) um den DHB-Pokal. Im Falle einer Niederlage geht es bereits um 12:45 Uhr im Spiel um Platz drei um Bronzemedaillen sowie ein Direkt-Ticket ins Achtelfinale der nächsten Pokalsaison. „Kindheitsträume sind schon mit der Qualifikation in Erfüllung gegangen“, weiß Markus Pütz. „Das Wochenende wird ein Erlebnis.“

Eines, auf das drei Profis verzichten müssen. Yannick Fraatz (Reha nach einem Kreuzbandriss) und Nico Schöttle (Schulter-OP) fallen schon etwas länger aus. Elias Scholtes musste sich nach überstandener Sprunggelenksverletzung inklusive Comeback nun auch noch einer Knie-OP unterziehen. Der Rest ist fit und bereit für Köln.

Der BHC reist am Freitag mit Bus an und steigt mit allen anderen Mannschaften im offiziellen Partnerhotel Radisson Blu ab. Nach den beiden Turniertagen lassen die Sportler das Wochenende mit einem Event bei BHC-Partner Grillardor in Köln ausklingen. Gunnarsson: „Danach konzentrieren wir uns wieder auf die Liga. Bis dahin ist Genießen angesagt.“