Sind Mediengespräche, zumal solche, die aufgezeichnet werden und damit im digitalen Gedächtnis bleiben, heutzutage oft eine Aneinanderreihung von unverfänglichen Floskeln, nahm der 40-Jährige kein Blatt vor den Mund.
„Wir haben noch fünf Spiele vor uns. Im Fußball passieren verrückte Sachen. Wir hatten eine längere Sitzung am Montag, in der ich der Mannschaft meine Gefühlslage erklärt habe. Der Stachel sitzt tief“, räumte Wunderlich mit Blick auf das 1:4 in Bochum und die Tabellensituation ein. „Aufgeben ist keine Option, auch wenn der ein oder andere aus dem Umfeld oder Außenstehende nicht mehr dran glaubt. Wir tun‘s.“ (Bilder)
WSV-Niederlage in Bochum
In Bochum (1:4) habe man „über 60 Minuten ein gutes Auswärtsspiel gemacht mit vielen Offensivaktionen in den ersten 30 Minuten, anders als in den Wochen davor. Wir sind hoch angelaufen und hatten sechs, sieben Eckbälle. Man hatte das Gefühl, die Mannschaft ist da. Wir haben vor der Pause das ein oder andere Problem bekommen. Die ersten zehn Minuten nach der Pause hat uns Mike (Torwart Luyambula, Anm. der Red.) im Spiel gehalten.“ Mit den 700 mitgereisten Fans im Rücken sei jedoch nach gut einer Stunde endlich mit dem 1:0 durch Vincent Schaub das Matchglück zurückgekommen.
Aber: „Nach dem 1:1 und 1:2 brechen wir komplett weg. Das ist zum wiederholten Male so. Wenn man immer wieder so lange Phasen in einem Spiel hat, wo man in beiden Strafräumen so agiert, das sind wir in vielen Momenten einfach nicht Regionalliga-tauglich. Das muss man so deutlich sagen, weil das wiederholt der Fall ist.“
Es sei ein Spiegelbild der vergangenen Monate: „Von 15 Gegentoren bekommen wir zwölfmal dasselbe Ding, wo wir in der Box einfach nicht am Mann sind, bei drei gegen eins, vier gegen eins, wir laden den Gegner ein, Tore zu schießen. In den 80, 85 Einheiten, die wir geleitet haben, ging es in 50 genau um diese Themen.“
Sein Fazit: „Wenn du so agierst über drei Monate oder vielleicht auch schon länger und in den letzten 18 oder 10 Pflichtspielen eins gewinnst, dann hat das Gründe. Nichtsdestotrotz gilt es weiterzumachen. Es geht immer weiter. Wir werden bis zum Schluss kämpfen. Bis zum 16. Mai werden wir alles dafür tun, über dem Strich zu stehen.“
Nun gebe es noch zwei Ziele. Sein Team müsse sechs Punkte mehr holen als Rödinghausen in fünf Spielen: „Das ist eine brutal schwere Aufgabe.“ Gleichzeitig schaue man natürlich darauf, ob Fortuna Düsseldorf aus der 2. Liga absteigt und damit gleichzeitig Düsseldorfs Reserve aus der Regionalliga: „Wir müssen alles dafür tun, wenn es nicht reicht, Rödinghausen abzufangen, mindestens diesen Platz zu haben, den wir jetzt haben. Und auch dazu brauchst du noch ein paar Punkte.“
Aber man beschäftige sich „nicht nur“ mit Rang 16: „Wir brauchen einen verdammten Sieg, um es wieder eng zu machen. Unsere Aufgaben sind, den Platz zu verteidigen und Druck auf Rödinghausen aufzubauen. Sollte der Fall da sein, würden wir uns alle in den Arsch beißen, wenn wir uns noch von einem überholen lassen. Das würde der ganzen Sache noch die Krone aufsetzen.“
Auch zu seiner persönlichen Zukunft traf Wunderlich klare Aussagen: „Ich bin extrem selbstkritisch. Wir haben nach elf Spielen sechs Punkte geholt. Das frustriert mich persönlich extrem.“ Gleichzeitig fühle er sich in Wuppertal „sehr, sehr wohl, es macht mir extrem viel Spaß, auch wenn die Situation sehr schwierig ist“.
Natürlich hänge es davon ab, was der Verein wolle, aber: „Ich bin keiner, der sich, wenn es so sein sollte, sagt: Jetzt sind wir abgestiegen, ein halbes Jahr war ich hier, dann macht ihr mal, ich drücke euch die Daumen. Ich bin immer jemand gewesen, der Dinge auch wieder gerade rücken möchte und auch mit anpackt. Ich kann es mir vorstellen. Das Ding ist noch nicht erledigt. Sollte der Fall eintreffen, bin ich bereit weiterzumachen. Aber ich bin noch weit weg, einen Haken dahinter zu machen.“