Ja – der Vergleich hinkt. Trotzdem: Kultur ist ein Lebensmittel. Sie wird gebraucht. Darum gilt es für die Politik, die öffentliche Gelder verteilen kann, hier nicht die Augen zu verschließen.
In Wuppertal ist jetzt ein hartes Schlaglicht auf die elend knappe Finanzierungsdecke der freien Kulturszene gefallen. Die besteht aus vielen Formaten und Vereinen. Ja, das macht diese Szene „schwierig“. Das macht sie aber auch stark und attraktiv.
Zwei wichtige Locations in Wuppertal sind das „Loch“ am Rand der Nordstadt und die „Insel“ an der Wiesenstraße. Beide haben den teilweise sehr anständig dotierten Bundes-Kulturpreis „Applaus“ immer wieder (und hintereinander) gewonnen. Mit dem Geld haben beide Institutionen fest geplant.
Jetzt gibt’s eine Änderung: Wer den Preis dreimal hintereinander holte, darf sich erst einmal nicht mehr bewerben. Diese rein organisatorische Neuerung reißt Löcher. Dem „Ort“ an der Luisenstraße, der den „Applaus“-Preis – entgegen der eigenen Erwartung – einmal nicht gewann, erging es auch schon so. Mit Hängen und Würgen kam man durch das magere Jahr.
Angesichts dessen – und vieler Finanzierungslücken allüberall – hat es wichtigen Signalcharakter, dass sich SPD und CDU auf eine Nachsteuerung zur aktuellen Haushaltsberatung geeinigt haben. Nicht „einfach so“ übrigens, sondern nach Gesprächen mit zahlreichen Betroffenen.
Herausgekommen sind etwa 398.000 Euro, die sich auf 15 eher kleinere Kultur-Positionen verteilen. Sie alle machen Kunst, Musik, Theater & Co. über die Stadt verteilt. Sie alle gehören nicht zur sogenannten „Hochkultur“. Sondern zu der Art von Kultur, die wie ein fein gewebter Teppich Menschen in fast jedem Stadtteil vor Ort etwas zu bieten hat.
Dass diese Ergänzungen zum Haushaltsplan 2026/2027 am Donnerstag eine Mehrheit fanden, muss deutlich gelobt werden. Ebenso wie die weiteren Ergänzungen in Sachen Verkehr, Bauen, Soziales, Jugendhilfe, Schule und Bildung sowie Sicherheit und Ordnung. Die Ratsmehrheit sagt: Das alles – insgesamt geht’s um rund 3,2 Millionen – wollen wir trotz schwieriger Haushaltslage sichern, weiterführen, ausbauen.
Die Kultur ist, wenn ans Eingemachte geht, gerne Opfer Nr. 1. Dass von der Ratssitzung am Donnerstag ein anderslautendes Signal ausgeht, hat große Bedeutung. Das Bekenntnis, das dahintersteht, lässt sich leicht in „Alltags-Sprech“ übersetzen: Wuppertal will seine facettenreiche Kulturszene. Und Wuppertal will sie erhalten. Dabei darf man sich natürlich nicht täuschen: Das wird immer eine Hängepartie sein. Mal mehr, mal weniger. Aber dass die Kulturmacherinnen und -macher das Gefühl haben können „man hat uns zugehört“, bedeutet viel.
Übrigens: Damit diesem Signal nicht die Luft ausgeht, ist es ganz wichtig, dass die Stelle des Kulturdezernenten oder der Kulturdezernentin bald und gut (!) besetzt wird.
An dieser Schnittstelle braucht es niemanden, der bei „die freie Szene“ seine Augen verdreht. Sondern einen Menschen, der mit viel Wuppertal-Feeling genau hinschaut, gut zuhört, Fäden knüpft – und diese Fäden dann auch zusammenhält.