Kommentar zum Wuppertaler Tanztheater Klingt spannend. Wird es auch!

Wuppertal · Los geht es mit einer „etwas anderen“ Meldung. Mit der begann am Mittwoch die Pressekonferenz zur Vorstellung des Tanztheater-Spielplanes für 2026/2027.

Szene aus „Vollmond“.

Foto: Oliver Look

Oberbürgermeisterin Miriam Scherff erklärte freimütig, sie sei während des OB-Wahlkampfes im Schauspielhaus und zukünftigen Pina-Bausch-Zentrum bei einer Veranstaltung zum Thema Politik und Kultur öffentlich ausgebuht worden. Weil sie zugegeben hatte, noch nie ein Stück von Pinas Bausch gesehen zu haben.

Aber Miriam Scherff ließ „diese Sache“ nicht auf sich beruhen: Die Oberbürgermeisterin hat sich Anfang des Jahres „Masurca Fogo“ angesehen. Und war „zutiefst fasziniert“. Weil das Stück voller Humor steckte, jeder etwas anders darin habe sehen können: „Immer ist etwas passiert, was nicht zu erahnen war.“ Eine sehr passende Beschreibung für viele Stücke von Pina Bausch. Optimal passend zur Pressekonferenz der neuen Tanztheater-Spielzeit.

Stefan Seitz.

Foto: Bettina Osswald

In Wuppertal zu sehen sein werden beispielsweise „Wie das Moos auf dem Stein ...“, Pina Bauschs letztes Stück aus dem Jahr ihres Todes, außerdem „Der Fensterputzer“ und „Danzón“, die beide zuletzt 2015 in Wuppertal liefen. Nochmals gibt es „Mascurca Fogo“, einen sicher besonderen „Adagio/Frühlingsopfer“-Abend zusammen mit dem Hamburger Ballett – aber auch die „übliche“ „Frühlingsopfer-Café-Müller“-Kombination.

Da stecken viele Wiederentdeckungen beziehungsweise Neueinstudierungen drin. Außerdem mit der Hamburg-Kooperation und der eigenen Arbeit „Moving with Pina“ von Ex-Ensemble-Mitglied Christiana Morganti echte Neuigkeiten.

Apropos Neuigkeiten: Es mag sich zu einer solchen auswachsen, was aus einem zweiwöchigen Workshop des Ensembles unmittelbar nach der Sommerpause werden wird. Dann kommt ein Gast-Choreograph, dessen Name niemand verrät. Er hat noch nicht mit dem Wuppertaler Ensemble gearbeitet, man will sich gegenseitig kennenlernen – und eventuell eine Neukreation daraus entstehen lassen. Wenn es miteinander passt.

Da steht es überdeutlich auf der Tagesordnung – das Thema Zukunft des Tanztheaters. Und einer (möglichen) neuen künstlerischen Leitung. Nachfragen bei der Pressekonferenz gab es viele. Kein Wunder. Antworten gab es nicht. Auch kein Wunder. Was man an diesem nach Kleinigkeit klingenden Detail sieht: Das Tanztheater hat seine Zukunft im Blick. Wer (manche tun das immer wieder) in die Gegenrichtung mäkelt, liegt falsch.

Tanztheater-Aufsichtsrats-Chef Rolf Köster gab ein ausgeglichenes Wirtschaftsergebnis sowie (immer!) zu 99 Prozent ausverkaufte Vorstellungen zu Protokoll. Im Sektor Kultur hat das (bundesweit) Seltenheitswert. Und ist ein Pflock, wenn’s in Sachen Haushaltssicherungskonzept darum geht, drohende Zuschuss-Einfrierungen abzuwenden.

Das letzte Wort lasse ich Miriam Scherff: Sie hofft mit Blick Richtung September auf einen klaren Pro-Grundsatzbeschluss des Stadtrates für das Pina-Bausch-Zentrum. Mit dieser Hoffnung ist sie nicht allein.