Kommentar zur Zukunft des Kaufhof-Gebäudes Es gibt keine perfekte Lösung

Wuppertal · Mit ihrer Empfehlung, das ehemalige Kaufhof-Gebäude zu kaufen, schlägt die Stadtverwaltung einen mutigen Weg ein. Dieser wird deshalb in den kommenden Wochen sicher nicht unumstritten bleiben: zu teuer, zu riskant, zu ambitioniert.

So könnte die Immobilie aussehen.

Foto: BM+P Architektur PartGmbB

Ganz von der Hand zu weisen wäre die Kritik nicht – denn natürlich birgt ein Gebäude dieses Alters Risiken. Niemand kann heute mit Sicherheit sagen, welche Herausforderungen beim Umbau noch auftauchen oder wie sich die Kosten am Ende entwickeln werden.

Nur: Die Alternative war nie risikolos. Über Monate wurde gerechnet, geprüft und diskutiert. Sollte die Stadt kaufen oder lieber mieten? Sollte ein Investor das Gebäude entwickeln oder die Stadt selbst? Bemerkenswert ist dabei, dass sich die Debatte längst nicht mehr um die eigentliche Vision drehte. Kaum jemand stellte ernsthaft infrage, dass dieses Gebäude mit Bildung, Begegnung, Gastronomie und weiteren Nutzungen wieder Leben in die Elberfelder Innenstadt bringen soll. Die große Frage lautete vielmehr: Wie kommen wir dorthin?

Vanessa Ambrosius.

Foto: Ambrosius

Mit ihrer Kaufempfehlung gibt die Verwaltung darauf nun eine klare Antwort. Sie sagt: Die Stadt soll die Entwicklung einer ihrer wichtigsten Immobilien künftig selbst in die Hand nehmen.

Das ist der eigentliche Paradigmenwechsel. Eine Stadt muss nicht jede Immobilie besitzen, doch bei einer Schlüsselimmobilie mitten im Herzen Elberfelds kann Eigentum eben auch Gestaltungsmacht bedeuten. Wer Eigentümer ist, entscheidet langfristig mit darüber, welche Funktionen ein Gebäude erfüllt und welche Impulse davon für sein Umfeld ausgehen.

Das allein garantiert natürlich keinen Erfolg. Auch ein Investorenmodell hätte Chancen geboten. Doch Politik besteht nicht darin, zwischen einer perfekten und einer schlechten Lösung zu wählen. Sie muss entscheiden, welches Risiko sie für vertretbarer hält. Nach Jahren des Prüfens und Vergleichens ist genau dieser Moment nun gekommen.

Damit beginnt die eigentliche Arbeit allerdings erst. Entscheidend wird am Ende nicht sein, wem das Gebäude gehört, sondern was daraus entsteht. Ein Ort, der Menschen in die Innenstadt zieht und sie dort auch bleiben lässt. Einer, an dem gelernt, gearbeitet, gelesen, gegessen oder einfach Zeit verbracht werden kann. Ein Haus, das offen ist für viele statt für wenige, ein sogenannter „Dritter Ort“.

Die Kaufempfehlung ist deshalb nicht das Ende der Debatte, sondern ihr eigentlicher Anfang. Jetzt muss die Politik entscheiden. Und anschließend wird sich zeigen, ob Wuppertal den Mut hat, diesen Weg konsequent weiterzugehen.

Denn Innenstädte werden nicht dadurch lebendig, dass man auf die perfekte Lösung wartet. Sie verändern sich, wenn man irgendwann bereit ist, eine Entscheidung zu treffen – und den Weg dann auch zu Ende zu gehen.