Kommentar: Grüne Verkehrs-Ideen für die Allee Ein wohl langer Weg ...

Wuppertal · ... steht allen bevor, die die Verkehrssituation auf dem sogenannten historischen Stück der Friedrich-Engels-Allee zwischen Haspel und Loh zum Besseren verändern wollen. Dort ist die ansonsten hässliche B7 ziemlich schön – mit vielen klassischen Fassaden, breiten Bürgersteigen und großen, alten Bäumen.

Die B7 in Unterbarmen (Archivbild).

Foto: Achim Otto

Wenn der vierspurige Verkehr mit etwa 30.000 Fahrzeugen pro Tag und dem dazu gehörenden Dezibel-Spektakel nicht wäre. Wer hier wohnt, kann ein Lied davon singen. Wer hier in der Außengastronomie Platz nimmt, ebenso.

Die Grünen haben jetzt die Idee eines Verkehrsversuches entwickelt, der die Lebens- und Aufenthaltsqualität im betreffenden Bereich steigern soll. Vorgeschlagen wird vor allem eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 40 km/h: Die habe sich auch auf der Westkotter Straße und der Carnaper Straße in Barmen bewährt. So könnte, meinen die Grünen, auch auf der Unterbarmer B7 für weniger Lärm und mehr Sicherheit gesorgt werden.

Keine schlechte Idee und kein schlechtes Argument, finde ich. Allerdings darf man eines auf keinen Fall vergessen: Wie ebenfalls an der Briller Straße und an der Haeseler Straße wachen sowohl an der Westkotter als auch an der Carnaper Straße fest installierte Blitzer-Säulen über die Einhaltung dieser 40-km/h-Vorschrift. Und zusätzlich gibt’s auch immer wieder mobile Blitz-Fahrzeuge.

Wer als Unterbarmer oder Unterbarmen-Gast das vor allem abends und nachts gerne sehr rasante Hin und Her auf der historischen Friedrich-Engels-Allee kennt, weiß genau: Ohne Blitz-Einsatz wird sich hier wenig ändern. Denn die Wahrheit ist einfach: 40-km/h-Schilder allein beeindrucken keine Mehrheit.

Die Grünen haben noch eine Idee Nr. 2: Unter der Woche nachts von 19 bis 7 Uhr und an Wochenenden durchgängig von Freitagabend bis Montagmorgen sollen die beiden äußeren von vier Fahrspuren auf der Unterbarmer B7 allein für Busse, Taxis und Räder reserviert sein.

Ich bin schon längst der Meinung, dass man auf lange Sicht nicht darum herumkommen wird, jene beiden äußeren Spuren zu Bus- und Fahrradspuren zu machen. Für mehr Ruhe und mehr Sicherheit. Die Grünen-Idee ist sozusagen eine kleine Schwester dieses großen Schrittes. Aber auch hier gilt: Ohne Überwachung läuft das nicht. So ehrlich muss man sein.

Vorgestellt haben die Grünen die Idee dieses Verkehrsversuches, für den sie nun (politische) Mehrheiten suchen wollen, jetzt bei einem öffentlichen Stadtteil-Diskussionsabend mit über 60 Besuchern. Dort sei „konstruktiv, respektvoll und lösungsorientiert“ miteinander gesprochen worden, so Rainer Widmann, früherer städtischer Mobilitätsbeauftragter und heutiger Barmer Grünen-Bezirksvertreter. Vor allem die Reduzierung der Geschwindigkeit sei „durchweg auf eine sehr breite Zustimmung“ gestoßen.

von Stefan Seitz

Foto: Bettina Osswald

Ob das so bleiben wird, wenn dieses Thema stadtweit auf die politische und (medien-)öffentliche Tagesordnung kommt? Ob dann genug Männer und Frauen der großen Parteien mutig genug sein werden? Sich nicht hinter Fragen der Straßenmarkierung oder anderen Technik-Facetten verschanzen werden? Denn ohne die großen Parteien geht es nicht, wenn dieser Verkehrsversuch auf die Schiene gesetzt werden soll.

Ein Zukunftszeichen, das weit über Unterbarmen hinausreicht, wäre es.