Kommentar zur Debatte über Leih-E-Roller Der Wind wird rauer – kein Wunder

Wuppertal · Sommer – da sind natürlich mehr E-Roller unterwegs. Nicht erstaunlich. Auffällig ist aber, wie sehr sich die Verkehrsunfälle mit diesen vor allem bei jungen Leuten (aber nicht nur bei ihnen) sehr beliebten praktischen Flitzern in jüngster Zeit gehäuft haben.

Spurensicherung nach dem tödlichen Unfall auf der Nordbahntrasse.

Foto: Wuppertaler Rundschau/Christoph Petersen

Und da geht es nicht „nur“ um Zusammenstöße von E-Scootern mit Autos und/oder Fußgängern. Zuletzt beispielsweise sind am Mittwoch in der Clarenbachstraße in Wichlinghausen sogar gleich drei E-Scooter miteinander zusammengestoßen. Einer davon war verbotenerweise doppelt besetzt – mit einem 17-jährigen Jugendlichen und einer 44-jährigen Frau. In der entsprechenden Polizeimeldung ist nachzulesen, dass Blutproben entnommen wurden, da der Verdacht bestand, dass bei zwei Unfallbeteiligten Alkohol im Spiel gewesen sein könnte.

Vielen Leuten wird das ganze Thema Leih-E-Roller nicht nur langsam, sondern immer schneller und immer deutlicher zu viel. Ein Leser schilderte uns (s)ein Unterbarmer Erlebnis: „Im Unterdörnen befindet sich der Getränkemarkt auf der Wupperseite. Auf dem Weg zum gegenüberliegenden Supermarkt ist der Radweg, der für beide Richtungen ausgelegt ist, zu überqueren. Doch bevor ich mich drehen und zurückblicken kann, fliege ich über den Lenker eines E-Rollers, auf dem zwei minderjährige Jungen dahin rollen.“

Bilder: Tödlicher Unfall auf der Nordbahntrasse
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Tödlicher Unfall auf der Nordbahntrasse

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Foto: Wuppertaler Rundschau/Christoph Petersen

Und weiter:Glücklicherweise hält ein Mann die beiden auf, bevor sie das Weite suchen. Die Polizei wird gerufen, auf eine Anzeige verzichtet. Eine Mutter kommt schnell herbei und rüffelt ihren Sohn. Folge: Krankenhausaufenthalt, keine Knochenbrüche, aber Prellungen am ganzen Körper, die wochenlang schmerzen.“

Das ist einer von vielen ähnlichen Vorfällen. Die meisten gehen glimpflicher aus. Aber eben nicht immer. Eine Reaktion darauf: CDU und SPD wollen das Scooter. Wildwest zähmen. Man hört sogar von Wünschen aus der Politik, den Verleih von E-Rollern zu verbieten. Vorbild: Paris – nach zu vielen schlechten Erfahrungen.

Eine Anfrage der SPD im Verkehrsausschuss am Dienstag brachte recht ernüchternde Antworten: Das Meiste, was eine eventuelle Mehrheit von Menschen sich an Aktionen gegen den Roller-Wildwuchs wünscht, ist rechtlich nicht möglich. Oder es gibt bei den Kontrollinstanzen zu wenig Personal dafür.

Ein Beispiel aus den Antworten der Verwaltung zum Wunsch- beziehungsweise Fragenkatalog der SPD (und nicht nur der): „Um einen Verstoß sicher nachzuweisen, müsste ein Mitarbeiter der Verwaltung vom Zeitpunkt der Feststellung bis zum Zeitpunkt der Abholung der Fahrzeuge vor Ort bleiben. Nur so könnte zweifelsfrei nachgewiesen werden, dass keine Fluktuation stattfand. Dies ist in der Realität nicht umsetzbar.“

Da geht es um das an vielen Orten völlig ungeregelt stattfindende Abstellen von E-Rollern. Dass (nicht nur die Politik) in diesem Zusammenhang das Ziel hat, dass E-Scooter nur an dafür gekennzeichneten Stellen geparkt werden dürfen, ist ein frommer Wunsch. Komplett wirklichkeitsfern – wie ich immer schon fand.

Stefan Seitz.

Foto: Bettina Osswald

Schon lange im Vorfeld des „Hereinlassens“ von Leih-Scooter-Anbietern hätte man für solche Details (etwa durch Info-Vergleiche mit anderen Städten) die Satzung, die dem ganzen Geschäft zugrundeliegt, überaus kleinteilig formulieren müssen. Das ist nicht geschehen.

Mir erscheint die Stadt, wenn es ums sogenannte harte Durchgreifen geht, als zahnloser Tiger. Ich sehe nicht, dass sich etwas spürbar verbessert hätte. Trotz 1.242 Ordnungswidrigkeitenverfahren des Ordnungsamtes im Jahr 2025 und 516 im laufenden Jahr.

Grundsätzlich muss man wissen. Die Scooter zu verbieten, ist nicht möglich. Das 2022 in NRW in Kraft getretene Fahrrad- und Nahmobilitätsgesetz schützt die E-Roller beziehungsweise deren Anbieter. „Verbotssatzungen“ sind in diesem Zusammenhang eindeutig ausgeschlossen.

Dass der Wind und der Ton rauer werden, liegt auf der Hand. Schade finde ich es trotzdem. Leih-E-Scooter können ein wichtiger Teil dessen sein, was man Mikro-Mobilität nennt. Es wäre fatal, wenn die Rücksichtslosigkeit einiger dazu führte, dass diese Verkehrs-Idee in Misskredit gerät. Das allerdings ist leider längst geschehen.

Eine Lösung in Sicht? Ich sehe sie nicht.