Die Diskussion über die „Schuldigen“ läuft ebenso wie die über die Frage, wie es auf dem schnellsten Weg wieder nach oben geht. Soweit der Blick nach Düsseldorf, wo die Fortuna am letzten Spieltag aus der 2. in die 3. Liga gestürzt ist.
In Wuppertal stellt sich die Lage ganz anders dar. Der WSV ist nun fünftklassig. Die verbliebenen Fans diskutieren zwar ebenfalls. Größtenteils ist in der Stadt aber lediglich ein Schulterzucken wahrzunehmen. Es passt ins Bild der vergangenen Jahre und Jahrzehnte, dass hier aus der Wirtschaft und der Politik keinerlei Stellungnahmen zu vernehmen sind.
Während WSV-intern erst einmal zwischen Vorstand und Verwaltungsrat die Machtbefugnisse besprochen werden mussten (siehe Sportteil), nachdem der eigentlich nur als Kontrollgremium fungierende Verwaltungsrat die eigentlich als beschlossene Sache geltende Verpflichtung von Stephan Küsters als Sportlichen Leiter verhindert hatte, hat WSV-Vorstand Ludger Kineke die Reißleine gezogen. Der (von vielen erwartete und geforderte) direkte Wiederaufstieg sei „nicht zwingend“ das Saisonziel. „Wir wollen eine stabile und langfristig sich entwickelnde Mannschaft bilden.“
Die Aussage ist zum jetzigen Zeitpunkt taktisch zumindest nicht unklug. Die Kassen sind alles andere als voll. Ein Etat, der einen realistischen Aufstiegskampf etwa gegen die SSVg. Velbert oder den KFC Uerdingen erwarten ließe, ist (jedenfalls momentan) nicht vorhanden. Man habe, so der Verwaltungsratsvorsitzende Dirk Polick, statt Küsters „einen interessanten jungen Menschen im Visier, mit dem wir in die Zukunft blicken möchten“.
Natürlich weiß auch Polick, wie leer das Stadion (und damit die Kasse) sein wird, sollte der WSV mit dem VfL Jüchen um Platz zehn kämpfen. Umgekehrt wären die Ränge voller als zuletzt, würde die Mannschaft ganz oben mitkicken. In der Oberliga war der WSV übrigens schon von 2013 bis 2016. Es musste viel Geld her, um wieder aufzusteigen. Ein Jugendkonzept allein hilft da heutzutage wenig. Die besten Talente sind in den U-Mannschaften.
Doch letztlich ist das alles zweitrangig, es geht um Grundsätzliches: Wenn Wuppertal einen ambitionierten Fußballclub haben will, muss sich viel ändern. Die vereinsinternen Strukturen, aber auch die Unterstützung von außen. „Dabei würden 20 Unternehmen reichen, die jeweils 50.000 Euro geben (und dafür beispielsweise einen Wirtschaftsrat bilden), um einen Etat-Grundstein zu legen“, hatte ich im Dezember 2024 nach dem Tod von Friedhelm Runge kommentiert. Der Einwand, der Wirtschaft gehe es nicht gut, zählt nicht. Andernorts klappt es.
Wuppertaler Firmen geben sehr viel Geld für Kultur und Soziales. Das ist absolut lobenswert und sollte sich keinesfalls ändern. Eigentlich wäre jetzt der Zeitpunkt optimal, um beim WSV mit wenig Geld etwas Neues aufzubauen. Doch seien wir ehrlich: Der WSV hat meist von Enthusiasten wie Dieter Buchmüller und Friedhelm Runge gelebt. Diese Zeiten sind vorbei, ebenso die drei Jahre in der Bundesliga.
Ganz offensichtlich besteht kein Interesse, einen Profifußballverein in der Stadt zu haben. Das sollte man dann ganz unaufgeregt akzeptieren. Ebenso, dass das Bergische Land kein Standort für Profisport ist – und sich deshalb keine Szenen wie in Düsseldorf abspielen.