Lieber Peter Schneider, „Wir haben keine Gegner mehr – schickt uns Inter Mailand her!“ Der Schlachtruf war nur geringfügig realitätsfern, als ihn einige blau-rot gewandete und nicht nur siegestrunkene WSV-Fans in der Barmer Innenstadt erschallen ließen. Waren diese doch auf dem Weg zum Barmer Rathaus, um dort mit einigen tausend ähnlich euphorisierten Menschen – einschließlich mir – dem großartigen Horst Buhtz und seinen Himmelsstürmern zu huldigen. Neunzehnhundertzweiundsiebzig!
Am Ende der folgenden Erstliga-Saison gab es den inoffiziellen Titel „Bester Aufsteiger aller Zeiten“. Die hatten erst 1963 mit Gründung der Bundesliga begonnen, doch immerhin … Ich muss mich zusammenreißen, um nicht in den „Opa-erzählt-vom-Krieg-Ton“ zu verfallen. Es war eine tolle fußballromantische Zeit, der ein Jahrzehnte quälend sich hinziehender Niedergang folgte.
Das, was Sie, Herr Schneider, heute beklagen, spielt sich seit diesem Goldenen Zeitalter auf wechselnden Ebenen immer wieder ab. Alle zehn Jahre eine Liga tiefer. Es gelingt den jeweils handelnden Personen nach kurzer Übung regelmäßig, für sich das Peter-Prinzip zu realisieren („In einer Hierarchie neigt jeder Beschäftigte dazu, sich bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit zu entwickeln“). Das gilt aus meiner Sicht für Spieler, Trainer, Vorstände, Verwaltungsräte gleichermaßen.
Ihre Ausführungen schließen mit der Befürchtung, die Marke WSV können von der Bildfläche verschwinden. Vielleicht wäre es besser, sie tatsächlich vom Markt zu nehmen, ehe ihr Ansehen vollständig herabgewirtschaftet ist. Ich fürchte, dass es mit WSV-Blut in den Adern, Arbeit, Zeit und Gefühl allein nicht getan ist. Elversberg, Heidenheim, Freiburg zeigen allerdings anschaulich, dass mit Fachkompetenz und Cleverness finanzielle Lücken auszugleichen sind.
Menschen, die die erforderlichen Kompetenzen in sich vereinen, scheint es im Einzugsgebiet des WSV nicht zu geben. Oder sie sind nicht interessiert. Ich fürchte, wir müssen das akzeptieren.
P.S.: Trotzdem werde ich wohl auch in der nächsten Saison den Weg des WSV aus der Ferne verfolgen. Dann eben in der Oberliga.
Klaus Freund
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