Am 29. Mai in der CityKirche Aktionstag in Wuppertal: Demokratie braucht Gesundheit

Wuppertal · Die Initiative „Ehrentag“ feiert rund um den Geburtstag des Grundgesetzes das bürgerschaftliche Engagement. In der CityKirche Elberfeld zeigt ein Aktionstag mit der Telefonseelsorge und vielen anderen Akteuren am 29. Mai 2026, wie wichtig mentale Gesundheit für die Demokratie ist. Fotograf Kevin Bertelt hat ihn organisiert.

Freuen sich auf den Aktionstag: Jula Heckel-Korsten (Leiterin der Telefonseelsorge) und Fotograf Kevin Bertelt.

Foto: Sabine Damaschke

Stress, Depressionen, Ängste, Einsamkeit: Immer mehr Menschen fühlen sich unter Druck, psychische Erkrankungen nehmen zu. Allein in Wuppertal waren nach aktuellen Daten des Gesundheitsamtes rund zwölf Prozent der Bürgerinnen und Bürger im Jahr 2024 aufgrund einer Depression in ambulanter ärztlicher Behandlung. Im Vergleich zum Jahr 2016 ist das ein Anstieg von knapp 18 Prozent.

Da Therapieplätze rar sind, ist die Wuppertaler Telefonseelsorge für viele eine erste und wichtige Anlaufstelle. „Gut ein Drittel der Menschen, die uns anrufen, berichten von psychischen Erkrankungen, häufig Depressionen“, erzählt Leiterin Jula Heckel-Korsten. Die rund 80 ehrenamtlich Mitarbeitenden der Telefonseelsorge hören zu, überlegen mit den Anruferinnen und Anrufern, was in der Krise helfen kann und wie sie aus Traurigkeit, Angst und Rückzug herausfinden können.

Offen und mitten in der Stadt: Kevin Bertelt sieht in der CityKirche einen idealen Ort für den Aktionstag.

Foto: Sabine Damaschke

Mentale Gesundheit fördern

„Mit ihrem Engagement fördert die Telefonseelsorge die mentale Gesundheit in unserer Stadt und damit auch die Demokratie“, ist Kevin Bertelt überzeugt. Auf diese und weitere wichtige Hilfsangebote wie den Wuppertaler Krisendienst Wendepunkt oder den Hospizdienst „Die Pusteblume“ der Diakonischen Altenhilfe möchte der 34-jährige Wuppertaler Fotograf aufmerksam machen – und das Thema „mentale Gesundheit“ rund um den bundesweiten „Ehrentag“ stärker in den Blick nehmen.

Deshalb hat er einen Aktionstag am 29. Mai von 14 bis 21 Uhr in der CityKirche Elberfeld organisiert. An Informationsständen werden ehren- und hauptamtliche Hilfestellen aus der Stadt über ihre Arbeit informieren. Es gibt Vorträge und Gesprächsrunden zum Thema, eine Lesung und einen Film. Der Aktionstag „Mentale Gesundheit“ ist eine von vielen bundesweiten Veranstaltungen und Aktionen, die zum Geburtstag des Grundgesetzes (23.05.) stattfinden und daran erinnern sollen, wie wichtig das Gemeinwohl für die Demokratie ist.

Psychische Belastungen und Rechtspopulismus

„Seelisch gesunde Bürgerinnen und Bürger sind eine Voraussetzung für eine stabile Gesellschaft und Demokratie“, betont Kevin Bertelt. „Aktuelle Studien zeigen, dass Unsicherheit, Depressionen und Angst autoritäre Sehnsüchte und antidemokratische Einstellungen fördern können.“

Forschungen des Wuppertaler Arbeitspsychologen Stefan Diestel nehmen diesen Zusammenhang stärker in den Blick. Der Professor hat sich mit den Auswirkungen von psychischen Belastungen und prekären Arbeitsbedingungen auf das Wahlverhalten beschäftigt und dabei festgestellt, dass sie die Wahrscheinlichkeit erhöhen, rechtspopulistische und -extreme Parteien zu wählen. Seine Erkenntnisse werden auch auf dem Aktionstag thematisiert.

Einblicke in ein Leben mit Depressionen

In weiteren Gesprächsrunden berichten Mitarbeitende von Wuppertaler Hilfsangeboten über ihren Alltag, und Fachleute aus unterschiedlichen Gesundheitsbereichen diskutieren über Wege aus der Depression. Dabei sollen sich Besucherinnen und Besucher des Aktionstages ebenfalls mit kurzen Statements einbringen, was ihnen in Krisensituationen geholfen hat. Dazu plant Kevin Bertelt eine kleine Foto-Aktion, bei der sich die Gäste des Aktionstages mit ihren Worten fotografieren lassen können, um etwas Bleibendes von dem Tag mitzunehmen.

Ganz persönliche Einblicke in ein Leben mit Depressionen und in Wege, aus der lähmenden Traurigkeit herauszufinden, gibt es in einer Lesung mit der Autorin Sophia Rieß aus ihrem Buch „Kampffisch“ und bei der Vorführung des Essayfilms „Lost in Transit“ des Wuppertaler Künstlers Frank N. „Seine Geschichte hat mich tief berührt“, gibt Kevin Bertelt zu. „Sie gab mir die Idee zu diesem Aktionstag und deshalb endet er auch damit.“