„Die Idee der ABC-Klassen ist krachend durchgefallen. Expertinnen und Experten aus der Praxis, der Wissenschaft und auch der Eltern waren sich in der Anhörung weithin einig, dass die ABC-Klassen keine Lösung für die Bedarfe der Kinder und die späteren Probleme in der Schule sind. Sie setzen viel zu spät ein und werten die Kita als Bildungseinrichtung ab. Dabei ignoriert man die professionellen Kompetenzen der pädagogischen Fachkräfte in der Kita“, so die schulpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion.
Man klasse „die wesentlichen Bedingungen für einen erfolgreichen Spracherwerb außer Acht: Stabile Beziehungen, vertraute Bezugspersonen, verlässlicher Alltagsstrukturen und ein für die Kinder als sicher empfundenes Umfeld. Genau das bietet die Kita. Die Anhörung hat deutlich gezeigt: Die schwarz-grünen ABC-Klassen gehen an der Lebensrealität vieler Kinder vorbei. Fachleute aus Wissenschaft, Praxis und Elternvertretungen haben klar gemacht, dass diese Pläne weder pädagogisch überzeugen noch den tatsächlichen Bedarfen gerecht werden.“
Aus einer Stadt wie Wuppertal wissen man, so Engin, „wie wichtig gute frühkindliche Bildung und verlässliche Sprachförderung von Anfang an sind. Viele Kinder wachsen mehrsprachig auf, viele Familien stehen vor sozialen Herausforderungen. Umso wichtiger ist es, Kinder frühzeitig in ihrer vertrauten Umgebung zu fördern und das ist die Kita.“
Ihr Fazit: „Die Mittel für die ABC-Klassen wären deutlich besser investiert in mehr Personal, multiprofessionelle Teams und eine stärkere Unterstützung der Kitas vor Ort. Gerade Wuppertaler Einrichtungen leisten bereits heute enorme Arbeit unter schwierigen Bedingungen. Sie brauchen mehr Unterstützung statt zusätzlicher Bürokratie und neuer Parallelstrukturen.“
Und weiter: „Zwei Mal zwei Stunden Sprachkurs, zu dem die Kinder aus der Kita für teures Geld gefahren werden müssen, können das nicht ersetzen. Die Mittel müssen zur Stärkung der alltagsintegrierten Sprachförderung und einem früheren Zugang zu frühkindlicher Bildung eingesetzt werden. Kinder, die eine vertiefte Förderung benötigen, sollen diese in der Kita mit multiprofessionellen Teams erhalten. Die Kita ist der entsprechende Bildungsort für Kinder. Dort ist mit Sprachförderkräften auch das passende Personal.“
Engin: „Frühe Selektion und der Fokus auf Defizitorientierung entsprechen in keiner Weise den Erkenntnissen der frühkindlichen Pädagogik. Hinzu kommen Transportkosten in dreistelligen Millionen Bereich, Unklarheiten zur Regelung der Orte sowie fehlende Wertschätzung von mehrsprachig aufwachsenden Kindern. Wir sehen dringenden Handlungsbedarf in der frühkindlichen Förderung und fordern, dass sie dort stattfindet, wo die Kinder sich am wohlsten fühlen und zwar in ihrer gewohnten Kita-Umgebung. Die für die ABC-Klassen eingeplanten Mittel wollen wir daher für ein Chancenjahr in der Kita einsetzen.“