So soll geklärt werden, dass nichts im Museum hängt oder steht, dass von den Nazi-Machthabern früheren jüdischen Besitzern entzogen worden ist.
Im Von der Heydt-Museum ist es Anna Baumberger, die das aufwändige und kleinteilige Thema der Herkunftsklärung mit einer festen Vollzeitstelle bearbeitet. 18.000 Werke hat sie in den vergangenen sechs Jahren schon untersucht – und mit den vier Farben der Provenienz-Ampel von Grün (= unbelastet) über Gelb bis zu Orange und Rot (= NS-Raubkunst) markieren können. Wobei nur 0,2 Prozent der Sammlung des Hauses am Turmhof vom Raubkunst-Thema betroffen sind. Zuletzt sind zwei solcher Werke zurückgegeben und dann wieder angekauft worden.
Jetzt konnten Anna Baumberger und Museums-Direktor Roland Mönig gute Nachrichten acht weitere geprüfte Bilder betreffend verkünden: Dokumente im Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin belegen, dass diese Werke, die aus dem Besitz von Eduard von der Heydt stammen, schon seit 1927 Eigentum des Elberfelder Bankiers und Kunstmäzens waren. Und sie gehörten ihm auch während der NS-Zeit. Folge: Die Provenienz-Ampel geht von Gelb auf Grün. Darunter sind beispielsweise Bilder von Claude Monet, Alfred Sisley, Salvador Dalí, Gustav Courbet, Hans von Marées, Wilhelm Leibl und Maurice Denis. Einige der Werke sind aktuell in der Ausstellung „Zeiten und Räume. Klassiker der Sammlung. Von Ruisdal bis Giacometti“ zu sehen.
Außerdem konnte die Provenienz-Ampel bei Carl Grossbergs „Maschinensaal I“ von 1925 ebenfalls auf Grün gestellt werden. Dieses Bild ist zurzeit in der großen Retrospektive zu dem Maler der Neuen Sachlichkeit aus gestellt.
Bei zwei weiteren Werken der Sammlung, eines von Amédée Ozenfant und eines von Xaver Fuhr, ergeben neuere Erkenntnisse, dass sie sich seit spätestens März 1933 im Besitz von Eduard von der Heydt befanden; vermutlich schon früher, sodass auch diese beiden Gemälde möglicherweise bald als unbelastet gelten können.
Am Beispiel des Dalí-Gemäldes „Das wahre Bild der Toteninsel Arnold Böcklins zur Stunde des Angelus“ aus dem Jahr 1932 schilderte Anna Baumberger bei einer Pressekonferenz im Museum die „quasi archäologische Sucharbeit“ in Inventarbüchern und Archiven.
Dort, wo zumeist noch nichts digitalisiert ist, müssen, so Anna Baumberger, „scheinbar endlose Berge von Mikrofilmen durchforstet und die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen gesucht werden“.
Erschwert werden die Nachforschungen oft auch dadurch, dass es von zahlreichen Kunstwerken unterschiedliche Titel gibt, sodass Bildbeschreibungen und Bildabmessungen zur Klärung herangezogen werden müssen. Anna Baumberger: „Man kann sich das wie ein Puzzlespiel vorstellen. Außerdem ist es, da jederzeit mit neuen kunsthistorischen Erkenntnissen gerechnet werden kann, ein Thema, das nie aufhört.“