„Tagebuch der Anne Frank“ im Schauspiel Zwei Jahre – wie ein Leben

Wuppertal · Vor 70 Jahren wurde die Bühnenversion von „Das Tagebuch der Anne Frank“ uraufgeführt. Überholt ist nichts davon. Das Wuppertaler Schauspiel beweist das am Engelsgarten mit 100 intensiven Minuten.

Sieben, die sich vor dem Tod verstecken (v.l.): Alexander Peiler, Paula Püschel, Julia Meier, Julia Wolff, Kevin Wilke, Aline Blum und Lucas Brosch.

Foto: Dana Schmidt

Nach dem Ende fängt sie an, die Inszenierung von Anne Mulleners: Otto Frank, Annes Vater, einziger Überlebender der Familien-Vernichtung durch die Nazis, bekommt das gerettete Tagebuch seiner Tochter geschenkt. Dieser Text, der zu den eindringlichsten des 20. Jahrhunderts zählt, fokussiert Bitternis, Sehnsucht, Nachdenklichkeit – und auch manchmal Fröhliches mitten in der Finsternis.

Erlebt und aufgeschrieben von einer 13-Jährigen, die 15 war, als sie im Lager ermordet worden ist.

Julia Meier spielt diese Zentralrolle mit großer Genauigkeit – echt ist sie, lebensecht, im wahrsten Sinn des Wortes. „Kitty“ nennt sie ihr Tagebuch. Ein Buch, das lebt. Aus dem sich beim Aufklappen eine Scherenschnittfigur erhebt.

Diese Inszenierungs-Idee entstammt einer Kooperation von Schauspiel und dem Figurentheater- und Puppenspielkunst-Festival „Fidena“. Immer wieder gewinnt das Geschehen auf der ausgesprochen intelligent genutzten Drehbühne (inklusive außergewöhnlichem Rund-Raum) durch dieses „Theater mit Schattenfiguren“ zusätzliche Dimensionen.

Zwei Jahre haben die vierköpfige Familie Frank sowie drei weitere jüdische Menschen versteckt im deutsch besetzten Amsterdam verbracht. Zuletzt wurden sie doch verraten.

Wie Anne Frank diese Zeit erzählt, wie sie Menschen schildert: Dabei hält die Wuppertaler Inszenierung den Spannungsbogen über die komplette Zeit. Das Eingesperrtsein auf engstem Raum, die Reibungen zwischen den Menschen, der Versuch, Normalität aufrechtzuerhalten, die Angst, aber auch das zaghafte Annähern der Jugendlichen Anne Frank und Peter van Daan: All das erreicht den Zuschauerraum ohne Distanzverlust.

Das Ensemble agiert engmaschig, höchst authentisch. Ein starker Alexander Peiler als Vater Otto Frank muss jenseits von Julia Meier besonders erwähnt werden. Auch Paula Püschel und Kevin Wilke.

Ein Wechselbad der Gefühle ist dieses Stück: So konzentriert läuft das Geschehen ab, dass man (obwohl man es besser weiß) mit den Untergetauchten tatsächlich auf ein gutes Ende hofft. Wenn Theater das gelingt, ist es am Ziel.