Inszeniert von Hannah Frauenrath, die schon oft in Wuppertal war, nennt sich das Ganze „eine Stückentwicklung“: Gemacht zusammen mit dem Ensemble. Der Text entstand während der Proben.
Was sich da mit dem in bunte Pyjamas oder Bademäntel gehüllten Quartett Stefan Walz, Silvia Munzón López, Celine Hambach und Konstantin Rickert auf der sachlich-minimalistischen Bühne (für Kleidung und Möblierung zeichnen Hanga Balla und Polly Stephan verantwortlich) entfaltet, darf man eine schräg-komödiantische Collage nennen. Die aber auch immer wieder die Theater-Muskeln spielen lässt, wenn’s um Tiefgang geht. Reality-Theater – 75 Minuten lang.
Jetzt alle Hand aufs Herz: Ein schönes Zuhause ist ein echtes Paradies, nicht wahr? Oder doch ein Ort mit komplettem Gaga-Potenzial? Wenn mehrfach jene „Zeig‘ mir, wie du dich einrichtest und ich sage dir, wer du bist“-Fragebögen aus Zeitschriften & Co. nachgespielt werden, dann gilt: gaga! Obwohl wir doch alle diese Fragebögen selbstverständlich lesen, wenn wir sie in die Finger bekommen.
Oder der Besuch des längst erwachsenen Kindes bei Vater und Mutter: Wer kennt das nicht? Inklusive oft abstruser Gesprächsabläufe. Vor allem, weil sich Erwartungshaltungen gerne ganz und gar widersprechen. Schon hier verlässt „Home Sweet Home“ auf leisen Sohlen die „Lacher-garantiert“-Ebene: Sowohl die Eltern als auch der Nachwuchs wollen gesehen und gehört werden. Klappt aber nicht. Das „Beiseite-Sprechen“, bei dem das Publikum erfährt, was gedacht, aber nicht gesagt wird, lüftet viele Vorhänge. Und wir alle erkennen uns wieder.
Auf der Bühne im Theater am Engelsgarten sorgt das für viel Comedy-Spaß. Und trotzdem: So viele Familien gibt es, in denen das Aneinandervorbeireden nicht nur Programm ist, sondern auch weit greifenden Platz für tiefwurzelnde Probleme schafft.
Weil Stefan Walz, Silvia Munzón López, Celine Hambach und Konstantin Rickert aufs Feinste ihre komödiantischen Talente glitzern lassen, fällt „the dark side of home sweet home“ erst gar nicht so ins Auge. Erst auf dem Heimweg. Oder noch später. Ein Spätzünder-Stück, könnte man sagen.
Aber wenn Silvia Munzón Lopéz und Celine Hambach gemeinsam die Finsternis ausloten, die es bedeuten kann, wenn wir einen anderen Menschen zu unserem Liebes-Zuhause erklären, dann brennt die Hütte lichterloh. Das packt und lässt nicht los.