Private Schule in Beyenburg Ita Wegman Berufskolleg schließt trotz Fachkräftemangel

Wuppertal · Die private Schule in Beyenburg bildete ausgerechnet das aus, was überall fehlt: Nachwuchs für Sozialberufe. In drei Monaten ist Schluss damit. Grund sind fehlende Einnahmen.

Das Ita Wegmann Beruskolleg im alten Beyenburger Bahnhof.

Foto: IWB

Die Hiobsbotschaft verkündete Bildungsleiter Christoph Maier am vergangenen Freitag (8. Mai 2026) bei einer außerordentlichen Vollversammlung in der Schule: Es ist das Ende des Ita Wegman Berufskollegs.

Am 31. Juli 2026 wird die private Schule dichtgemacht. Seit der Jahrtausendwende bildet die Einrichtung, die im ehemaligen Bahnhofsgebäude im Wuppertaler Stadtteil Beyenburg ansässig ist, Sozialassistentinnen und -assistenten, Heilerziehungspflegerinnen und -pfleger sowie Erzieherinnen und Erzieher aus. In diesen Berufen wird laut Bundesarbeitsagentur seit Jahren dringend nach gut ausgebildetem Personal gesucht.

Die Privatschule konnte sich nicht länger über Wasser halten: Finanziert wird die Einrichtung zu 87 Prozent vom Land NRW. Die restlichen 13 Prozent muss der Trägerverein der Schule, der Ita Wegman Bildungszentrum e.V., selbst aufbringen. Laut der Schule ist das aufgrund steigender Kosten sowie einem stetigen Rückgang der Bewerberzahlen nicht mehr möglich. Die Schulschließung hat der Verein bei einer Sitzung vor etwa zwei Wochen beschlossen. „Das ist nicht mehr rückgängig zu machen“, sagt Maier.

Dabei versuchte die Schulverwaltung, das Ita Wegman Berufskolleg zu retten. „Wir haben nicht nur geplant, Fortbildung anzubieten, wir haben angesichts der Entwicklung in den letzten Jahren bereits eine ganze Fortbildungsakademie konzipiert, ins Leben gerufen und darin Fortbildungen entwickelt und auch angeboten, um uns wirtschaftlich auf ein breiteres Fundament zu stellen“, so Maier.

Zudem hat die Schule neue Sponsoren gesucht sowie vorgesehen, die monatlichen Ausbildungskosten von Heilerziehungspflegern und Erziehern von 135 Euro auf 195 Euro zu erhöhen. Nun ist klar: Die Bemühungen waren vergebens.

Rund 100 Schülerinnen und Schüler und Studierende aus Wuppertal und der Umgebung müssen nun inmitten der Ausbildung das Berufskolleg wechseln. Die meisten von ihnen machen eine praxisintegrierte Ausbildung (PIA) zum Erzieher oder zum Heilerziehungspfleger. Dabei besuchen sie an zwei Tagen der Woche die Schule, an den restlichen ihre selbst ausgewählte Praxisstelle, etwa Lebenshilfen oder Wohngemeinschaften.

Die Verwaltung informierte alle Einrichtungen, die Betroffene ausbilden, am vergangenen Freitag per E-Mail über die Schulschließung. Damit die Ausbildung nahtlos fortgesetzt werden kann, hat das Kollegium Listen mit Alternativ-Lehranstalten erstellt. Laut Maier zeigten die umliegenden Berufskollegs eine „hohe Bereitschaft“, Schülerinnen und Schüler und Studierende aufzunehmen.

Im Gespräch mit der Rundschau äußern sich zwei Studierende, die anonym bleiben wollen, trotzdem besorgt: „Wir haben Angst, ob das alles funktioniert. Es ist echt stressig, mitten in der Ausbildung die Schule zu wechseln.“ Beide loben den freundlichen Umgang an der Schule, man duze sich. Für sie und ihre Mitstudierende sei es ein Trostpflaster, dass zumindest das Schuljahr mit allen Prüfungsleistungen gewährleistet ist und ordnungsgemäß beendet wird.

Wie es in den Räumlichkeiten ab August weitergehen soll, ist derzeit noch unklar. Seit 2006 gehört das Bahnhofsgebäude Am Kriegermal 3a der Hattinger Stiftung „trias“. Im schieferverkleidete Gebäudeensemble ist ebenfalls eine Wohngruppe für erwachsene Menschen mit seelischen Erkrankungen und Behinderungen untergebracht.