St.-Antonius-Grundschule Kinder denken Schule neu

Wuppertal · Hängematten, Sofaecken, Pflanzen – und irgendwo dazwischen sogar ein Kratzbaum für Katzen: Was Schüler sich unter einer guten Lernumgebung vorstellen, hat mit klassischen Klassenzimmern oft nur noch wenig zu tun. Genau darum ging es jetzt an der St.-Antonius-Grundschule.

Das große Basteln mit verschiedenen Materialien beginnt.

Foto: Vanessa Ambrosius

Dort konnten Kinder aus den Klassen 1 bis 4 ihre Ideen für die Schule der Zukunft entwickeln – ganz praktisch, mit Karton, Kleber und viel Fantasie. In kleinen Modellen bauten sie Möbel für Räume, in denen sie gerne lernen würden, und präsentierten ihre Entwürfe anschließend.

Von li.: Monika Labisch (Konrektorin St.-Antonius-Grundschule), Julia Eisenbach (Stadtbetrieb Schulen), Tobias Ortel (Schulbaubüro „Raumbildung“) und Stefanie Mäde, Stadtbetriebsleiterin Schulen.

Foto: Vanessa Ambrosius

Der Workshop ist Teil des Projekts „Multifunktionale Raumnutzung“, mit dem die Stadt seit 2022 versucht, mehr Platz für den offenen Ganztag zu schaffen – und das, ohne neue Schulgebäude bauen zu müssen, denn viele Schulen sind dafür schlicht nicht ausgelegt. Die Räume stammen oft aus Zeiten, in denen Unterricht am Vormittag stattfand und danach Schluss war. Mit dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung ab dem Schuljahr 2026/27 wächst der Druck zusätzlich, Plätze schaffen zu müssen.

Die Hängematte neben dem Sitzbereich darf nicht fehlen.

Foto: Vanessa Ambrosius

Die Lösung: Bestehende Räume sollen flexibler genutzt werden: Vormittags für Unterricht, nachmittags für Betreuung, Hausaufgaben oder AGs. Dabei werden nicht nur Klassenzimmer, sondern auch Flure und andere Flächen als mögliche Lernorte mitgedacht. „Was ist eigentlich noch zeitgemäß? Braucht wirklich jedes Kind einen festen Tisch? Und sind klassische Hausaufgaben noch sinnvoll?“, fragt Julia Eisenbach vom Stadtbetrieb Schulen.

Die Vision: eine Slackline fürs Klassenzimmer.

Foto: Vanessa Ambrosius

An dem Projekt arbeiten Schulen, Stadt und externe Fachleute gemeinsam. Auch die Perspektive der Kinder spielt eine immer größere Rolle. „Kinder haben oft ganz andere Ideen als Erwachsene und da sind viele gute Ansätze dabei“, so Eisenbach.

Der Ablauf ist bewusst schrittweise angelegt: Schulen schauen sich zunächst Beispiele aus anderen Städten an, entwickeln dann eigene Konzepte und beziehen nach und nach Lehrkräfte, Mitarbeitende und schließlich die Schüler selbst mit ein.

Aktuell läuft die dritte Projektphase. Am Ende sollen insgesamt 14 Schulen in Wuppertal an dem Prozess beteiligt gewesen sein. Schon jetzt zeigt sich ein messbarer Effekt: Durch die bessere Nutzung vorhandener Räume konnten laut Stadt zwischen 1.500 und 2.000 zusätzliche Plätze im offenen Ganztag geschaffen werden.

Ein Sofa aus Playmais.

Foto: Rundschau

Vor Ort begleitet wurde der Workshop unter anderem von Julia Eisenbach und Stefanie Mäde vom Stadtbetrieb Schulen, von Monika Labisch, Konrektorin der St.-Antonius-Grundschule, sowie von Tobias Ortel vom Schulbaubüro „Raumbildung“ aus Hamburg, das die Schulen beim Projekt fachlich unterstützt.

Während die Erwachsenen später die Entwürfe auswerten, stand für die Kinder zunächst etwas anderes im Mittelpunkt: Ihre eigenen Ideen. Und die zeigen ziemlich deutlich, dass Lernorte für sie mehr sind als Räume mit ein paar Tischen und Stühlen.

Wie es nun weitergeht, wird noch evaluiert. Finanziert wird das Projekt aus dem Förderprogramm zum Ausbau des Ganztags an Grundschulen sowie mit städtischem Geld.