An der Bockmühle in Heckinghausen Vertrag für die siebte Gesamtschule unterzeichnet

Wuppertal · Die Stadt Wuppertal hat den Totalunternehmer für die 7. Gesamtschule gefunden. Am Mittwoch (22. April 2026) wurde der Vertrag offiziell unterzeichnet.

Die geplante Ansicht an der Bockmühle.

Foto: Goldbeck / Visualisierung

Der Auftrag geht an das Bielefelder Hochbauunternehmen Goldbeck mit seiner West-Niederlassung in Monheim, das die Ausschreibung gewonnen hat. Den Vertrag unterzeichneten Oberbürgermeisterin Miriam Scherff und die Leiterin des Gebäudemanagements, Mirja Montag, sowie die Leiterin der Goldbeck-Geschäftsstelle Büro- und Schulgebäude Ruhr, Anja Pulss, und Ralf Linde (Leiter der Niederlassung Büro- und Schulgebäude Rhein-Ruhr).

Paradigmenwechsel im Schulbau

OB Scherff: „Dieses Vorhaben stellt eine absolute Premiere und damit einen Quantensprung in der Wuppertaler Schulentwicklung dar: Erstmals werden alle Planungs- und Bauleistungen für eine Schule in Wuppertal durch einen Totalunternehmer als Partner übernommen. Mit diesem wichtigen Paradigmenwechsel unserer Schulbau-Offensive schaffen wir an einem historischen Industriestandort im Osten der Stadt dringend benötigte Gesamtschulplätze in einer sechszügigen neuen Schule.“

Blick auf den Pausenhof.

Foto: Goldbeck / Visualisierung

Das Projekt bedeute außerdem „eine erhebliche städtebauliche Aufwertung für Heckinghausen. Ich freue mich sehr und danke dem GMW und unseren Vergabe-Fachleuten, dass dieser wichtige Schritt gelungen ist und wir nun gemeinsam mit dem Unternehmen Goldbeck den Bau der 7. Gesamtschule für Wuppertal starten.“

Ralf Linde: „Wir freuen uns auf dieses Großprojekt und darauf, diesen Bau in Hybrid-Bauweise zu errichten, also Alt und Neu miteinander zu verbinden. Am Erfolg dieses Projekts wollen wir uns messen lassen. Und dazu gehört auch die Fertigstellung zum Start des Schuljahres.“

Vergabeverfahren mit höchstem Anspruch

Bei der Suche nach einem Totalunternehmer für den Neubau der siebten Wuppertaler Gesamtschule hatten mehrere Interessenten Angebote vorgelegt. GMW-Chefin Mirja Montag: „Wir mussten zwar für dieses Projekt nur ein einziges Vergabeverfahren durchführen. Das war aber durchaus anspruchsvoll. Neben den reinen Baudaten und Kosten reichte die Bandbreite der Themen über Raumbedarfe und Funktionsbereiche, Erschließungen und effiziente Flächennutzung bis zum nachhaltigen, ökologischen Betrieb der Gebäude. Kriterien waren außerdem eine hohe städtebauliche Qualität der Entwürfe und die Einbindung ins Quartier. Parallel zu dem Teilprojekt 1 mit Schadstoffsanierung, Rückbau und Bodensanierung gehen wir nun gemeinsam mit der Firma Goldbeck den Neubau und Umbau, also den zweiten großen Teil an.“

Der Rückbau der Werkshallen und -mauern (abgesehen vom historischen Hauptgebäude), des Industrieschornsteins sowie des aus statischen Gründen nicht für eine Schule geeigneten Anbaus des bis 2016 als Art-Hotel und bis Ende 2024 als Landeseinrichtung für Geflüchtete betriebenen früheren Verwaltungsgebäudes soll Mitte 2026 abgeschlossen sein, die Bodensanierung bis März 2027. Der erste Bauabschnitt soll zum Schuljahr 2029/2030 in Nutzung gehen, das gesamte Bauvorhaben bis zum Sommer 2030 abgeschlossen sein.

Eine der Lernlandschaften.

Foto: Goldbeck / Visualisierung

Vertrag umfasst Leistungen für 90 Millionen Euro

„Die vertraglichen Leistungen des Hochbauunternehmens umfassen knapp 90 Millionen Euro. Das Gesamtprojekt 7. Gesamtschule an der Bockmühle, dem ehemaligen Art-Hotel, ist mit Rückbauten, Altlastensanierungen und Risikozuschlägen für Baukostensteigerungen und Unvorhergesehenes laut Ratsbeschluss mit 157,7 Millionen Euro kalkuliert, inklusive der Kosten von 22,8 Millionen Euro für die schulische Ausstattung“, teilt die Verwaltung mit.

Die Schulbau-Offensive der Stadt sieht für den Doppel-Haushaltsentwurf, der dem Rat am 7. Mai vorliegt, 185 Millionen Euro für Neubauten und Erweiterungen von Schulen vor. „Wir schaffen modere Lernräume und Orte, an denen Kinder sich entfalten können“, sagt Bildungsdezernentin Annette Berg. „Wir investieren mit Priorität in Bildung und Chancen, damit jedes Kind in Wuppertal bestmöglich in seinen Talenten gefördert wird.“

Ziel sei es, alleine in den nächsten anderthalb Jahren zwei neue Gesamtschulen an Interimsstandorten im Vorlauf zu eröffnen, um für alle heutigen Grundschülerinnen und Grundschüler Plätze an weiterführenden Schulen gewährleisten zu können.

Phase Null fließt mit ein

Das Vergabeverfahren für den Totalunternehmer war Anfang 2025 eingeleitet worden. Damit dieser weiß, welche technischen, gestalterischen und funktionsbedingten Anforderungen an den Bau gestellt werden, wurde zum Vergabeverfahren eine sogenannte „funktionale Leistungsbeschreibung“ erstellt. Sie beruht auf einem mit dem Stadtbetrieb Schulen und der Bezirksregierung abgestimmten Raumprogramm.

Dieses wiederum fußt zum einen auf dem Raumprogramm für weiterführende Schulen des Deutschen Städtetages und zum anderen auf den Ergebnissen der sogenannten „Phase Null“: Eine Gruppe aus Vertretern des Stadtbetriebs Schulen, des GMWs und von pädagogischen Experten hatte darin das künftige pädagogische Profil der Schule erarbeitet und daraus Anforderungen an den Bau abgeleitet.

Offene Lernlandschaften

Das Raumprogramm für die sechszügige Gesamtschule sieht neben den erforderlichen Fach- und Nebenräumen für die Sekundarstufe I offene „Lernlandschaften“ statt geschlossener Klassenräume vor. Für die Sekundarstufe II werden Kursräume eingeplant. Die Schule im gebundenen Ganztag wird mit einer Mensa mit Kochküche und einem Mehrzweckraum ausgestattet. Mensa und Mehrzweckraum werden als multifunktionale Versammlungsräume nutzbar sein.

„Lehrmethoden haben sich grundlegend geändert. Der reine Frontalunterricht hat sich zum problemlösenden und selbständigen Lernen wie Gruppen- oder Einzelarbeit entwickelt. Der Raum als ‚dritter Pädagoge“ fördert den Lernerfolg in heterogenen Lerngruppen. Die neue Schule wird mit ihrem innovativen Raumprogramm genau diese Aufgabe erfüllen“, sagt Stadtbetriebsleiterin Stefanie Mäde.

Nachhaltig: Baumaterial wird wiederverwertet

Die Vorlage für den Rat geht davon aus, dass von dem rund 11.200 Quadratmeter großen städtischen Grundstück künftig fast 5.842 Quadratmeter bebaut sein werden und der neuen Gesamtschule insgesamt rund 23.022 Quadratmeter Brutto-Grundfläche zur Verfügung stehen werden.

Mit Blick auf mehr Nachhaltigkeit ist die Maßnahme ein Pilotprojekt: Erstmals hat das GMW prüfen lassen, ob Baustoffe, insbesondere die in den Bestandsgebäuden verbauten Ziegelsteine, beim Neu- und Umbau wiederverwendet werden können. Sie werden im Rahmen des Teilprojekts 1 separiert und für die spätere erneute Nutzung eingelagert.