Klimaneutrale Versorgung in Wuppertal Zehn Gebiete für Nahwärmenetze möglich

Wuppertal · Wuppertal ist gesetzlich verpflichtet, bis Juni 2026 einen Kommunalen Wärmeplan vorzulegen. Der 150 Seiten starke Entwurf dafür wird jetzt den politischen Gremien vorgestellt.

In den gelben Gebieten könnten über die bekannten Wuppertaler Fernwärmenetze hinaus quartiersbezogen Nahwärmenetze entstehen.

Foto: greenventory GmbH/mapbox/openstreetmap

Wie können die Gebäude in Wuppertal künftig beheizt werden, um die bis 2045 angestrebte klimaneutrale Wärmeversorgung der Stadt Wirklichkeit werden zu lassen? Darum geht es bei der Kommunalen Wärmeplanung, die vom Freiburger Unternehmen „greenventory“ im Zusammenspiel mit zahlreichen lokalen Institutionen und unter Beteiligung von Bürgern entwickelt wurde.

Sie ist kein Bauprogramm von heute auf morgen, sondern eine strategische Landkarte dafür, welche Lösungen in welchen Quartieren sinnvoll sind – von neuen Wärmenetzen, bei denen größere Gebiete von einer zentralen Wärmequelle versorgt werden, bis zu dezentralen Heizungen im Einfamilienhaus. Immobilienbesitzern soll sie damit auch Klarheit darüber verschaffen, wo die Stadt künftig in welche Formen der Wärme-Infrastruktur investieren wird und welche Optionen ihnen das bei Neubauten oder einem Heizungstausch eröffnet.

Ein Plan für 67.918 Gebäude

Die einleitende Bestandsanalyse des Wärmeplans zeigt, wie kleinteilig die Aufgabe ist, Emissionen im großen Stil zu reduzieren: Im Stadtgebiet wurden 67.918 beheizte und damit für die Wärmeplanung relevante Gebäude aller Art identifiziert. Der größte Teil davon sind Wohngebäude – hier entscheidet sich also die Wärmewende.

Zugleich ist ein großer Teil dieses Bestands ziemlich alt: Mehr als 70 Prozent der Gebäude wurden vor 1979 errichtet – also bevor strengere energetische Anforderungen an die Gebäudehülle in Kraft traten.

Aktuell fast 90 Prozent Öl- und Gas-Heizungen

Alleine 45.385 dieser Gebäude werden mit Erdgas versorgt (66,8 Prozent), weitere 21,3 Prozent mit Heizöl. Die kleineren Anteile stellen in erster Linie Nah- und Fernwärme (3,5 Prozent), Holzpelletheizungen (2,4 Prozent) und die als Technologie der Zukunft gehandelten strombetriebenen Luftwärmepumpen, die aktuell nur in 1,9 Prozent des Gebäudebestandes zum Einsatz kommen.

Unter Berücksichtigung der diversen technischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen teilt der Plan die Stadt jetzt in voraussichtliche Wärmeversorgungsgebiete ein und benennt zwölf konkrete Eignungsgebiete für Wärmenetze – inklusive der beiden großen Fernwärmenetze im Tal und auf den Südhöhen, an die alleine gut 12.000 Gebäude angeschlossen werden könnten.

Die weiteren Bereiche, die sich aus Sicht der Planer anbieten, sind Eckbusch (190 Gebäude), Uellendahl (853), Gustav-Heinemann-Straße (9), Stahlsberg (269), Hilgershöhe (1.052), Mastweg (196), Cronenberg-Mitte (323), Dasnöckel (187), Vohwinkel (1.035) und Am Kalkofen (93).

Warten auf neues Gesetz

Für das Gros der restlichen Gebäude gilt: Hier müssen die Besitzer in eigener Regie in Verbindung mit entsprechender Beratung nach dem richtigen Weg in die Heizungs-Zukunft suchen. Den Rahmen dafür soll das von der Koalition in Berlin aufs Gleis gesetzte neue Gebäudeenergiegesetz abstecken, mit dem die Regelungen des umstrittenen Heizungsgesetzes der Vorgänger-Regierung entschärft werden.

Mit einem Kabinettsbeschluss wird aktuell aber frühestens Ende April gerechnet. Bekannt ist, dass es auf einen breiten Technologiemix aus Wärmepumpe, Hybridlösungen, Biomasse sowie modernen Gas- und Ölheizungen für mehr Flexibilität in der Wärmeversorgung in Verbindung mit laut Wirtschaftsministerium „vernünftigen Übergangslösungen“ setzt.