Wütende Autofahrer und halbvolle Tanks Der Zorn an der Zapfsäule

Wuppertal · So teuer wie am Dienstag waren die Kraftstoffpreise in Wuppertal noch nie. Das sorgt für wütende Autofahrerinnen und Autofahrer und halbvolle Tanks.

Die Preise am Dienstag.

Foto: Wuppertaler Rundschau/Tomas Cabanis

2026 scheint für Wuppertal ein tragisches Jahr in Sachen Mobilität zu werden: Sorgt die Bahn mit ihrer Sperrung bei Pendlern für viel Ärger, sind es seit März die Preise an der Zapfsäule, die dem Zug-Frust den Rang ablaufen. Bis vergangenen Mittwoch kannten die Preise an den Tankstellen nur eine Richtung: nach oben.

Berna Demir aus Wuppertal: „Ich tanke nicht mehr wie früher, sondern viel weniger. Mein Auto benötigt Diesel. Wenn ich nicht unterwegs sein muss, fahre ich damit nicht mehr, dann bleibe ich zu Hause. Zum Einkaufen nehme ich das Auto immer noch. Da ich so wenig tanke, bin ich sehr häufig an der Tankstelle, um nachzufüllen. Ich habe immer die Hoffnung, dass es morgen billiger wird.“

Foto: Wuppertaler Rundschau/Tomas Cabanis

Danach sanken sie zwar ein wenig. Doch obwohl der Ölpreis aufgrund aktueller Entwicklungen stark nachgelassen hat, bleiben die Tankkosten weiterhin auf hohem Niveau. Das Urteil des ADAC gegenüber der Rundschau: Die Preise seien eindeutig zu hoch, die 12-Uhr-Regel entpuppe sich als „zahnlos“.

Adin Celahmet (58), Anlagenbediener aus Wuppertal: „Das ist eine Katastrophe und eine Abzocke. In den Nachbarländern sind die Preise nicht so sehr gestiegen. Die 12-Uhr-Regel bringt gar nichts, so ein Blödsinn von der Regierung. Mein Motorrad, eine BMW GS 1200er Adventure, tanke ich allerdings noch voll, es kostet derzeit mehr als 50 Euro, davor waren es nur um die 37 Euro. Früher bin ich mit meinem Auto überall hingefahren, inzwischen geht‘s damit nur noch zur Arbeit nach Ronsdorf. Ich tanke derzeit nur bis 50 Euro. Doch wenn es das Wetter hergibt, fahre ich natürlich mit dem Motorrad. Da habe ich meinen Spaß und der Verbrauch ist auch selbstverständlich viel niedriger.“

Foto: Wuppertaler Rundschau/Tomas Cabanis

Der Automobilclub fordert, dass die Kartellbehörde eingreift und die Autofahrer von der Bundesregierung entlastet werden: Die Steuern auf Kraftstroffe und Strom sollten gesenkt werden.

Gül Kart (34), Operationstechnische Assistentin aus Wuppertal: „Die Anzeige im Auto hat mir mitgeteilt, dass ich nur noch zwei Kilometer fahren kann, deshalb musste ich jetzt tanken. So teuer war das Benzin noch nie, ich habe nur für 30 Euro nachgefüllt. Ich fahre nur noch, wenn ich muss. Mein Kind hole ich inzwischen zu Fuß von der Kita ab, doch zur Arbeit von Langerfeld ins Bethesda nach Elberfeld komme ich mit dem Auto. Ich überlege mir schon länger, ein E-Bike zu kaufen, doch die Preise sind in den vergangenen Wochen gleichzeitig mit den Spritkosten gestiegen. Mein Mann muss derzeit täglich ins Büro fahren und er tankt Diesel. Durch die Staus im Berufsverkehr, die wegen der ganzen Baustellen noch länger sind, wird es für ihn noch teurer.“

Foto: Wuppertaler Rundschau/Tomas Cabanis

Um 12 Uhr am vergangenen Dienstag knackten die Tankstellen im Tal den Preisrekord: Wie an vielen anderen Zapfsäulen in der Stadt kostete an der PM Pfennings-Tankstelle an der Bundesallee ein Liter Diesel aufgerundet 2,49 Euro und Super 2,27 Euro. Die teuren Kraftstoffe sorgten unter Kunden für Unverständnis.

Max Gaye (42), Lackierer aus Wuppertal: „Vor den Erhöhungen hat eine komplette Tankfüllung nie mehr als 95 Euro gekostet. Ich habe immer vollgetankt, inzwischen höre ich bei maximal 100 Euro einfach auf. Die Preise für das Benzin sind derzeit unglaublich, viel zu hoch. Wenn ich an einer Tankstelle vorbeifahre und sehe, dass der Preis gut ist, dann halte ich an und tanke etwas. Ich bin täglich hinterm Steuer, pendle nach Remscheid zur Arbeit und fahre am Wochenende meinen Sohn und meine Tochter zum Schwimmen.“

Foto: Wuppertaler Rundschau/Tomas Cabanis

Einige, die anonym bleiben wollten, warfen im Gespräch mit Rundschau-Redakteur Tomas Cabanis den Tankstellenketten vor, nur Profit machen zu wollen. Auf den Vorwurf der Preistreiberei angesprochen, teilte die PM Pfennings-Zentrale mit, dass sie solche Fragen nicht beantworten könne und wolle.