Der Stoff von Adam Guettel und Craig Lucas entführt ins Jahr 1953, als Mutter Margaret Johnson mit Tochter Clara in Florenz Sommerferien macht. Dort verliebt sich die Tochter heftig in den Italiener Fabrizio Nacarelli – und er sich heftig in sie. Das alles könnte so schön sein. Ist es aber (erstmal) nicht.
Denn erstens sind die 50er Jahre nicht locker-flockig, zweitens ist Margaret Johnson eine überbehütende Mutter – und drittens hat sie dafür einen übers „Helikopter-Getue“ hinausgehenden Grund: Clara erlitt im kindlichen Alter durch einen Pferdetritt ein Schädel-Hirn-Trauma, weswegen sie zwar schon 26, aber „im Kopf“ noch längst nicht so alt ist. Das jedenfalls glaubt die Mutter – und erst recht der Vater, der im USA-Italien-Telefongespräch expressis verbis von einer Behinderung seiner Tochter spricht.
Der Clara, die Harriet Jones auf der Opernhausbühne emotional singt, merkt man all das nicht an. Eine junge, begeisterungsfähige Frau ist sie, verliebt, auf der durchaus selbstbewussten Suche nach ihrem Glück. Am Ende findet sie es. Weil sie darauf besteht.
Ihre Mutter singt Stefanie Smailes – bekannt aus dem Wuppertaler Erfolgsformat „Nightradio“. Mit viel Spannbreite gelingt ihr das. Und mit der Stärke einer Frau, die das Glück des Kindes schließlich gegen ihre eigenen Ängste – und gegen den Vater – verteidigt. Drumherum ergeben sich manch muntere Verwicklungen, aus denen vor allem Oliver Weidinger als Vater Nacarelli sowie Agostino Subacchi als Fabrizios Bruder Giuseppe durch ihr komödiantisches Talent sängerisch und schauspielerisch hervorstechen.
Merlin Wagner in der Rolle des verliebten Fabrizio agiert und singt gefühlvoll-engagiert. Für viele Lacher bei „Das Licht auf der Piazza“ sorgt das fröhliche „Italo-Parlare“, das dem Segment Comedy alle Ehre macht. Dazu erklingt eine perlende Musik: Yorgos Ziavras führt das Wuppertaler Sinfonieorchester mit leichtfüßiger Hand.
Großen Applaus verdient das mit gigantischen Bilderrahmen arbeitende Bühnenbild von Julia Schnittger – eine erstaunlich simple und zugleich erstaunlich wirkungsvolle Idee.
Zweieinhalb Stunden lang dauert die Inszenierung von Carsten Kirchmeier. Während dieser Zeit unterhält „Das Licht auf der Piazza“, das 2003 in Seattle uraufgeführt wurde, angenehm. Gefühl gibt es viel – und Sehnsucht nach Italien sowieso. Nur einen echten Musical-Hit, wie gesagt, den sucht man vergebens.