Die Wut – um sie geht es. Und um alles, was sie sein kann, was sie auslöst, was sie mit uns macht, wie sie aufgelöst, eingefangen, gebannt werden kann – wie sie sich auch in Positives verwandeln lässt. Das Thema, vor dem manche im vielköpfigen Orga-Team zunächst zurückscheuten, erwies sich bald als magnetisch: Große Aufmerksamkeit, viel Interesse sowie die erstaunliche Zahl von 714 Einsendungen für den diesjährigen Biennale-Preis, den Erzählerin Nina Kiedrowicz gewann. Und auch die „Wut“-Einsendungszahl für die Wuppertaler Literaturzeitschrift „Karussell“ ging in die Hunderte.
Manche Prominenz hat das Biennale-Team wieder für Wuppertal gewinnen können – alle haben Eigenes zu sagen zum Thema „Die Wut“: Navid Kermani, der seinen neuen Roman „Sommer 24“ vorstellt, Helga Schubert mit Texten aus 60 Jahren, Jehona Kicaj, die in „ë“ vom Kosovokrieg erzählt, oder Anja Kampmann mit „Die Wut ist ein heller Stern“, worin sie auf die Bedrohung von Frauen in der NS-Zeit am Beispiel einer Tänzerin blickt.
Doch damit längst nicht genug: Digitale Gewalt gegen Frauen thematisiert Susanne Kaiser in „Witch Hunt“, toxische Beziehungen und Gewalt hinter der privaten Tür Dana von Suffrin in „Toxi Baby“ und Clara Leinemann mit „Gelbe Monster“.
Aber auch Satirisches und Witziges oder harte Bürokratie-Kritik sowie lyrische Perspektiven, die keineswegs immer zart und zerbrechlich sind, fehlen nicht.
Es lässt sich kaum aufzählen, was alles die Literatur-Biennale Nr. 8 an lokalen, nationalen und internationalen Stimmen und Aktionen für sämtliche (!) Generationen zu bieten hat. Der Link zum Gesamtprogramm, um eine ganz persönliche literarische Wuppertaler „Wut-Reise“ zu planen, steht am Ende dieses Textes.
Zwei Dinge aber doch: Die Eröffnung steigt am Donnerstag, 7. Mai, um 18.30 Uhr im mittlerweile weltbekannten Techno-Club „Open Ground“ unterm Wupperpark am Döppersberg. Mit Lütfiye Güzel und dem Wuppertaler Schauspiel-Ensemble gibt es eine außergewöhnliche Festival-Performance. Eintritt frei!
Außerdem wird in der Galerie „n46“ an der Neumarktstraße 46 in Kooperation mit der Bergischen Universität unter dem Motto „WTF – Wut trifft Freiraum“ ein Festival-Zentrum mit zahlreichen Angeboten und Biennale-Café eingerichtet. Da ist auf jeden Fall immer was los – und alle sind stets willkommen.