Fußball WSV-Trainer Schneider: „Ärmelhochkrempeln steht an erster Stelle“

Wuppertal · Es ist zweifelsohne eine ereignisreiche Woche für Tim Schneider. Am Sonntag stieg der 44-Jährige mit dem VfB Hilden in die Fußball-Regionalliga auf, nun übernimmt der Trainer den künftigen Oberligisten Wuppertaler SV. Mit großem Elan.

Tim Schneider im Stadion am Zoo.

Foto: WSV

„Das Angebot des WSV hat mich sehr geehrt. Das ist ein Riesending“, freut sich Schneider. Er hatte mit seinem Team in der Rückrunde der Oberliga Niederrhein einen spektakulären Lauf hingelegt. „Wir waren Dritter, Vizemeister, zuletzt dann Sechster. Deshalb war das Ziel ein Platz zwischen eins und fünf. Der Start war etwas holperig, aber es ging auch um die Weiterentwicklung der Mannschaft. Deshalb durften auch junge Spieler ran. Wir lagen zwischenzeitlich neun bzw. elf Punkte hinten. Aber dann folgte Sieg auf Sieg. Und der Vorstand hat gesagt: Wenn ihr es schafft, dann stellen wir auch den Regionalliga-Antrag.“

Aber: Warum hat sich der VfB Hilden bereits im März festgelegt, dass Schneiders Vertrag nicht verlängert wird? „Da muss man den Verein fragen. Ich habe mich über den großen Zuspruch von außen, auch von den Fans und ehemaligen Spielern, sehr gefreut. Aber jetzt schaue ich nach vorne. Ich brenne auf die Aufgabe.“

Und die hat es in sich. Nach dem Abstieg aus der Regionalliga leitet der WSV erneut einen Umbruch ein, diesmal aber einen anderen. Das Profitum ist Geschichte, trainiert wird meist in den Abendstunden, weil die Spieler einem Beruf nachgehen sollen bzw. müssen. „Wir möchten etwas aufbauen und eine charakterstarke Truppe, in der das Ärmelhochkrempeln an erster Stelle steht. Eine gut funktionierende Mannschaft, in der eine familiäre Atmosphäre herrscht.“

Der direkte Wiederaufstieg, hatten Vorstand und Verwaltungsrat bekräftigt, sei nicht unbedingt das Ziel. „Wenn es reicht, nehmen wir es natürlich an“, legt sich Tim Schneider fest. Wohlwissend, dass die Oberliga Niederrhein mit den Regionalliga-Absteigern SSVg. Velbert und Fortuna Düsseldorf U23, aber auch Germania Ratingen und dem KFC Uerdingen stark besetzt ist. „In der abgelaufenen Saison gab es zwei Absteiger mit 41 Punkten. Der Rest der Liga hat keinen Durchmarsch eines einzelnen Teams erlaubt. Und ein Aufsteiger wie Solingen-Wald 03 verstärkt sich hochkarätig.“ Beispielsweise mit dem Ex-WSVer Marko Stojanovic.

Dass Tim Schneider, der von 2014 bis 2017 bei SW Düsseldorf und seitdem in Hilden trainiert hatte, mindestens einen Assistenten haben möchte („Den brauche ich“), ist verbrieft. Mit dem designierten Sportlichen Leiter, der laut Verwaltungsratschef Dirk Polick wohl erst in der kommenden Woche vorgestellt wird, dürfte sich der neue WSV-Coach wohl inzwischen rege austauschen. Ebenso wie mit Marc Bach, dem Leiter des WSV-Nachwuchszentrums, den er aus der gemeinsamen Hildener Zeit kennt. Und mit Ismail Jaroui, dem Trainer der U19.

Der Familienvater, der mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Remscheid lebt und nur rund 20 Minuten mit dem Auto bis zum Stadion am Zoo braucht, wird weiter als Physiotherapeut arbeiten. Wie schon seit 20 Jahren im „Zentrum für Gesundheit“ von Ingo Brögelmann, der es als Torwart des BVL Remscheid in den 1980er Jahren bis in die 2. Liga schaffte.

Schneiders erster Trainer war übrigens der ehemalige Remscheider und WSV-Torjäger Frank Kremer. „Von ihm und Michael Ritzenfeld habe ich besonders viel gelernt. Auch wenn ich einmal zehn Spiele nicht Stammspieler war, danach habe ich meine Chance bekommen. Das sage ich auch den jungen Spielern. Sie müssen hart und fleißig arbeiten – und wenn die Chance dann da ist, müssen sie sie ergreifen.“

Während der neue WSV-Coach („Fußball hat mir viel gegeben“) in der Bundesliga mit dem BVB sympathisiert, hofft er bei der WM auf Deutschland. „Ich glaube aber, es geht nur bis ins Viertelfinale. Aus dem Trio Frankreich, Spanien und Portugal sehen ich Spanien vorn.“ Wobei er die finanziellen und politischen Entwicklungen rund um die WM durchaus kritisch sieht.

Wenn der neue Titelträger am 19. Juli gekürt wird, steckt der WSV noch mitten in der Vorbereitung. Die erste Runde im Niederrheinpokal ist für da zweite August-Wochenende angesetzt, der Ligastart für das dritte Wochenende. Dann mit Tim Schneider auf der rot-blauen Bank.