Geboren im Mai 1997 in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito, kommt Horst Jesué Wegener als Kleinkind mit seinen Eltern nach Deutschland und wächst in Wuppertal auf.
Rundschau: Welche Musik fällt Ihnen ein, wenn Sie an Ihre Kindheit denken?
Wegener: „Ich erinnere mich unter anderem daran, dass meine Oma WDR4 gehört hat, da lief etwa der Schlagersong ,Horst ist ein Held’.“
Rundschau: Hören Sie als Rapper etwa auch Schlager?
Wegener: „Ich höre ganz unterschiedliche Musikgenres: viel Rap, aber auch ein Konzert des Sinfonieorchesters oder Live-Jazz in Wuppertal.“
Rundschau: Ihre Lieder fallen unter das populäre Genre Trap-Romantik, das häufig melancholisch klingt. Ist gute Musik immer traurig?
Wegener: „Nein. Aber es ist trotzdem meine größte Herausforderung, happy Musik zu machen, bei der ich mich nicht cringe fühle.“
Rundschau: Sie schreiben Lieder unterwegs, zu Hause und zu jeder Tageszeit. Entstehen tolle Lieder leichter, wenn Sie sich nicht gut fühlen?
Wegener: „Wenn es mir schlecht geht, nutze ich die Musik als Ventil. Das ist ein sehr guter Motor, um das Negative in etwas Gutes zu transformieren.“
Rundschau: Diese Transformation scheint Ihnen zu gelingen. Ihre Musik kommt an. Wächst die Angst zu versagen mit der Größe des Erfolgs?
Wegener: „Die Angst zu versagen, ist bei mir in den vergangenen Jahren kleiner geworden. Mein Fokus liegt nicht mehr darauf, was ich erreichen kann, sondern auf meiner Familie und meinen Freunden. Wenn ich scheitere, habe ich immer noch sie und trotzdem ist alles gut.“
Rundschau: Ist die Musikbranche denn auch eine Art Familie für Sie oder ein Haifischbecken?
Wegener: „Die Musikindustrie ist ein krasses Haifischbecken. So schön Musik auch ist, es ist eben auch ein Business und da gelten harte Gesetze. Vor allem in diesem umstrittenen und umkämpften Markt.“
Rundschau: Besonders in Berlin, wo Sie mehrere Jahre gewohnt haben, gibt es viele Newcomer. Nun zieht es Sie zurück in Ihre Heimat. Was ist besser an Wuppertal als an Berlin?
Wegener: „Es gibt für mich als Musiker mehr Entfaltungsmöglichkeiten, wie etwa das Konzert vorvergangenen Freitag im ehemaligen Fernmeldeamt. Man kann in Wuppertal Dinge ausprobieren, die scheitern dürfen. In Berlin hat man das Gefühl, alles muss sitzen. Da gibt es einen gesetzten Rahmen für Künstler. Die Risiken, durchzufallen, sind viel höher als hier. Zudem ist man hier viel schneller im Grünen.“
Rundschau: Und das Rathaus Barmen scheint ein guter Ort zum Heiraten zu sein. Dort haben sich Sie und Ihre Frau sich im vergangenen Herbst das Ja-Wort gegeben. Was sagt sie zu Ihrer Musik?
Wegener: „Meine Frau geht mit mir sehr hart ins Gericht. Sie sagt, was sie gut und was sie schlecht findet. Sie ist mein Kompass: Sie hilft mir als Managerin und Stylistin.“
Horst heißt Horst, weil sein Vater den Namen seines Papas weitergeben wollte. In der „ZEIT“ erklärte Wegener dazu, dass der Vater nicht ahnen konnte, dass für andere sein Name und seine Hautfarbe nicht zusammenpassten.
Rundschau: Sie haben sich in der Vergangenheit sehr gegen Alltagsrassismus eingesetzt. Ist Wuppertal für People of Color etwa ein schlechter Ort zum Leben?
Wegener: „Die ganze Welt kann ein schlechter Ort für jegliche marginalisierte Gruppe sein. Auch in Wuppertal gibt es Menschen, die sich aufgrund von äußeren Merkmalen, unwohl fühlen. Das liegt in Teilen auch in uns Menschen. Aber gleichzeitig denke ich, dass es mir in Wuppertal besser geht als an anderen Orten in Deutschland.“
Rundschau: Hätten Sie jemals gedacht, dass Sie es so weit schaffen werden?
Wegener: „Ich muss sagen, dass ich ein unglaubliches Privileg habe, dass ich in meinem Erwachsenenleben mein Leben so gestalten kann, wie ich es gerne hätte.“
Rundschau: Was hätten Sie gerne früher in Ihrem Leben verstanden?
Wegener: „Zwei Dinge: Einmal, dass der Körper und die Gesundheit das Allerwichtigste im Leben sind. Vor wenigen Wochen ist etwa der ehemalige Schuldirektor der Friedrich-Bayer-Realschule im Alter von 72 Jahren gestorben. Mich hat sein Tod mitgenommen, da er ein toller Direktor war, dem ich viel zu verdanken habe. Er hat mich damals nicht von der Schule fliegen lassen. Er hat an mich geglaubt.
Mich beschäftigt der Tod, manche sterben so früh. Lebensstil und Stress haben ihren Preis. Seit ich 20 Jahre alt bin, bin ich viel zwischen Berlin und Wuppertal gependelt. Ich spüre, was das mit meinem Geist macht, und darauf achte ich inzwischen mehr. Und die zweite Sache ist, dass ich gerne früher gelernt hätte, Geld zur Seite zu legen.“