Theater in Cronenberg (TiC) „Hier werden rohe Diamanten geschliffen“

Wuppertal · Mit einem festlichen Abend samt Sektempfang, Reden und Musik-Einlagen hat das Theater in Cronenberg (TiC) am Freitag vergangener Woche sein 40-jähriges Bestehen gefeiert. Die Theaterleiter Ralf Budde und Stefan Hüfner blickten mit Ensemble, Förderern und Wegbegleitern auf vier bewegte Jahrzehnte.

Die Theaterleiter Ralf Budde (links) und Stefan Hüfner moderierten den 40-Jahre-Jubiläumsabend im TiC.

Foto: Bettina Osswald

Ensemblemitglieder eröffneten die Veranstaltung mit „Willkommen, Bienvenue, Welcome“ aus dem Musical „Cabaret“ – und stimmten damit auf einen Abend voller Erinnerungen ein. Gegründet wurde das Theater 1986 im Obergeschoss der Schule an der Borner Straße – damals noch unter dem Namen „TiBs“.

Geld war knapp, Improvisationstalent dagegen reichlich vorhanden. „Man machte das Beste aus der Situation“, erinnerte sich Hans-Willi Lucas, der seit der ersten Stunde auf der Bühne steht. „Das konnte auch heißen, ein Loch in den Dachboden zu schlagen, damit Figuren dramatisch daraus herabsteigen können.“

Lucas schilderte die Anfangsjahre als Zeit des Anpackens: Bühnenbau, Putzen, Plakatekleben – alles gehörte dazu. „Im TiC spielte man nicht nur, sondern gestaltete Theater aktiv mit“, sagte er. Dieses Wir-Gefühl sei bis heute spürbar. Auch bekannte Namen gehören zur Geschichte des Hauses: Schauspieler Christoph Maria Herbst stand hier etwa in den 1980er Jahren auf der Bühne.

Doch die Erfolgsgeschichte verlief nicht geradlinig. 2007 geriet das Theater in eine schwere finanzielle Krise – 414 geplante Vorstellungen waren nicht ausreichend ausgelastet. Es folgten Gespräche mit Sparkasse, Förderern und Ensemble. 2008 wurde das TiC dann als gemeinnützige GmbH neu aufgestellt. Stephan Ries, Vorsitzender des Vereins „TiC Club“ erinnerte an diesen Einschnitt und schloss seine Rede mit den Worten: „Ad multos annos!“ – auf dass die 0202 / 47 22 11, das Kartentelefon des TiC, noch lange besetzt bleibe.

Mehr als 300 Aufführungen und rund 25.000 Besucher pro Jahr verzeichnet das Haus heute. Rund 80 Prozent des Etats erwirtschaftet das Theater selbst durch Karten- und Abonnementverkäufe, der Rest kommt von Förderverein, Sponsoren und Spendern.

Stefan Kirschsieper, stellvertretender Beiratsvorsitzender, betonte die Bedeutung dieses bürgerschaftlichen Engagements. Der Beirat verstehe sich zudem ausdrücklich als finanziell beratendes, nicht als künstlerisch bestimmendes Gremium.

Auch musikalisch ging es an diesem Abend auf Zeitreise: Julia Meier, ehemals im TiC aktiv und nun am Schauspielhaus tätig, sang Edith Piafs „Hymne à l’amour“, Ensemblemitglied Miriam Kraft überzeugte mit „Im Theater ist was los“ aus „Lola Blau“. Eine mehrstimmige A-cappella-Version von „Smile“, gesungen von Larissa Ernst, Miriam Kraft und Siegmund Florian, sorgte ebenso für Gänsehaut wie „Gabriellas Song“ aus dem aktuell laufenden Musical „Wie im Himmel“ mit Kerstin Trant.

Auszüge aus „Sister Act“ sowie ein lebhaftes „Saturday Night Fever“-Medley brachten schließlich noch einmal ausgelassene Stimmung ins Haus. Schauspielerin Ingeborg Wolff, die im TiC einige Stücke als Regisseurin begleitete, kam eigens aus Leipzig angereist und interpretierte Brechts „Erinnerung an die Marie A.“ im Duett mit Julia Meier.

Oberbürgermeisterin Miriam Scherff würdigte das TiC als Kulturinstitution mit Höhen und Tiefen, die sich immer treu geblieben ist und sagte: „Hier werden rohe Diamanten geschliffen.“ Als Cronenbergerin betonte sie zudem, wie sehr das Theater den Stadtteil bereichere und kulturell präge. Das TiC gehöre „einfach zu Cronenberg“ – und sei weit über die Stadtgrenzen hinaus ein Aushängeschild.

Zum Abschluss meldeten sich per Videobotschaft Schauspieler und Musicaldarsteller Patrick Stanke, der ebenfalls seine ersten Schritte im TiC machte, sowie der Bundestagsabgeordnete Helge Lindh. Dessen Prognose: „Die wirklich goldenen Jahrzehnte des TiC-Theaters stehen erst noch bevor.“