Rollstuhlfahrer-Schulprojekt Rollende Reise Richtung Amsterdam

Wuppertal · Vier Schüler des Carl-Fuhlrott-Gymnasiums wagen ein Experiment: Sie fahren in Rollstühlen von Eindhoven in die niederländische Hauptstadt. Am Montag testeten sie zum ersten Mal, wie es ist, mit einem solchen Gefährt zu fahren, und einige realisierten sofort: Wir haben es unterschätzt.

Von teuer zu preiswert: Das linke Modell, auf dem Leo Jedan sitzt, kostet 13.000 Euro. Das rechte, auf dem Tom Fißeler Platz genommen hat, ist für 400 Euro zu haben. Dazwischen rollen sie auf Mittelklasse: Tom Pörner und Max Klein.

Foto: Wuppertaler Rundschau/Tomas Cabanis

Die rund 150 Kilometer weite Strecke von Eindhoven bis nach Amsterdam wollen die Jugendlichen in zehn Tagen absolvieren. Die Route führt quer durch die Niederlande, wo wirkliche Rollstuhlfahrer im Vergleich zu Nordrhein-Westfalen nahezu in einem Paradies leben. Denn dort profitieren sie vom weltweit besten Fahrradwegenetz, das etwa Ampeln, Kreisverkehre und Schnellstraßen umfasst.

Bis vergangenen Montag fuhr keiner von ihnen jemals mit einem rollenden Gefährt. Am Standort des Sanitätshauses Beuthel in Ronsdorf gibt es schon die erste Ernüchterung: „Wir haben es uns leichter vorgestellt, mit den Rollstühlen zu fahren“, sagen drei der vier Zehntklässler.

Doch diese Einsicht ist Sinn der Sache: Die Aktion gehört zum Schulprojekt „GoBeyond“, bei dem Jungen und Mädchen an ihre Grenzen gehen sollen. Aufgabe ist es, sich einer Herausforderung zu stellen, die mindestens 30 Kilometer entfernt von der Schule liegt. Ihre Klassenkameraden radeln etwa durch Frankreich, eine andere Gruppe singt in Spanien als Straßenband.

Dem Quartett, bestehend aus Tom Pörner, Tom Fißeler, Leo Jedan und Max Klein, war wichtig, etwas ganz Neues auszuprobieren. „Wir haben auch Sorgen, weil das wahnsinnig anstrengend wird“, sagt der 15-jährige Tom Pörner, nachdem er zum ersten Mal versucht hat, einen Bordstein mit einem Rollstuhl hochzufahren. Doch man sei engagiert, diese Herausforderung zu meistern.

Die erste Hürde ist geschafft: Die Rollstühle leihen sich die Jugendlichen aus der Beuthel-Lagerhalle, in der mehr als 1.000 Stück vorhanden sind. Sven Hansen, Vertriebsleiter und Mitgeschäftsführer, findet die Idee „cool“ und war sofort dabei, als sich die Jugendlichen bei ihm meldeten. Zur Auswahl stehen verschiedene Modelle.

Bei ihrer Reise wollen die vier Schüler variieren: Sie planen, zwei elektrische und zwei handbetriebene Rollstühle einzupacken. Mit diesen geht es in den frühen Morgenstunden des 5. Juli im Zug Richtung Startziel Eindhoven. Dort fahren sie etappenweise von Campingplatz zu Campingplatz: Sie freuen sich auf ihren Trip, doch die Reisekasse ist noch nahezu leer.

Deshalb suchen sie Sponsoren: Die Sparkasse Wuppertal habe bereits 250 Euro zugesichert und man sei auch mit anderen Unternehmen im Gespräch, doch die Jugendlichen planen mit Ausgaben von 3.000 Euro für Verpflegung, Unterkünfte und Bahntickets. Inbegriffen ist auch eine volljährige Begleitperson, weil alle aus der Gruppe unter 18 Jahre alt sind. Sie fährt Fahrrad.

Am Anfang wollten Tom, Tom, Leo und Max in Italien ihr Experiment starten. Sie sind jedoch froh, dass sie sich für die Niederlande entschieden haben. Denn im Süden wären sie kläglich gescheitert. Dort ist man von der Inklusion für Rollstuhlfahrer noch weit entfernt.