Die französische Komödie „Die Rückkehr von Richard 3 mit dem Zug um 9.24h“ von Gilles Dyrek ist in Wuppertal in der deutschen Erstaufführung zu sehen. Das Taltontheater (TTT) hat sich die Rechte an dem bizarr-komischen Stück gesichert. Regie führt Jens Kalkhorst.
Ralf Poniewas spielt Pierre-Henri (kurz: PH), der todkrank ist und sich mit den Menschen aussprechen will, die er wohl geliebt, gleichwohl aber schlecht behandelt hat. PH (gesprochen: Pi-Asch) war karrierefixiert und scheint wortwörtlich über Leichen gegangen zu sein. Jetzt ist er milde und reumütig. Den von ihm bezahlten sechs Ersatz-Verwandten schmeißt er sich um den Hals oder vor die Füße, bettelt um Vergebung und Zuneigung. Doch die Schauspieler verlassen immer wieder ihre Rollen, wollen den vorgegebenen Text ändern oder bringen ihre eigenen Probleme ein.
Der Hauptdarsteller, „Sohn Richard“ (Simon Sahlinger), verlässt gar das Haus und schickt einen Ersatzmann (Nicolas Funken), der PH übelst beschimpft. Zudem ist er übergriffig bei den Kolleginnen, worauf die Darstellerin von PHs Ehefrau (Miriam Kalkreuth) zu stehen scheint. Auf das Gesülze und Gegrabsche von „William“, dem ehemals besten Freund und Geschäftspartner, steht jedoch niemand. David Meister spielt diese Figur so penetrant, dass sich sogar die Zuschauer wünschen, dass William das Haus verlässt und nicht nur „Tochter“ Elisabeth (Stina Schnickmann).
Hier kommt es vorher zu einem Rollentausch, denn die eigentliche Darstellerin (Angela del Vecchio) will lieber die Schwiegertochter geben. Einzig die „Schwester“ (Sigrid Möllmer) scheint mit ihrer Rolle zufrieden zu sein. Inhaltlich gibt’s also viel Durcheinander.
Dafür lässt Regisseur Jens Kalkhorst die Bühnen-Handlung komplett ohne Umbau laufen. Das Familientreffen findet an einer großen Tafel statt, die im Salon eines gemieteten Hauses steht. Die Zimmer der Gäste sind blaue Klötze, auf denen die Darsteller stehen, sitzen, hocken oder liegen, wenn sie Pause haben. Die Klötze umgeben den riesigen Tisch, der als exaktes Spiegelbild nochmals von der Decke hängt. Ein Symbol dafür, dass Pierre-Henri die Wahrheit auf den Kopf stellt? Oder dafür, dass das Stück Theater im Theater zeigt?
Der Schluss ist ein wenig überraschend, obgleich man die ganze Zeit ahnt, dass etwas nicht stimmt an der ganzen Geschichte. Richard 3 (Akram Al Homsy) bringt Erkenntnis und Erlösung. Ob er wirklich mit dem Zug um 9.24h gekommen ist, bleibt jedoch offen.
Fazit: Wer auf Plots steht, die bizarr statt platt-lustig sind, und keinen Knoten im Denkapparat bekommt, wenn auf mehreren Ebenen gleichzeitig gedacht werden muss, der weiß die neue TTT-Inszenierung bestimmt zu schätzen. Das Ensemble gibt auf jeden Fall sein Bestes, um das ungewöhnliche Stück zu einem Theatergenuss zu machen.
Nochmals zu sehen am 23. Mai 2026 um 20 Uhr sowie am 24. Mai 2026 um 18 Uhr. Dann wieder im Oktober 2026 – im Taltontheater, Wiesenstraße 118. Kartenreservierungen unter 0202 / 24 79 860 oder im Internet auf www.taltontheater.de