„Stolz und Vorurteil* (*oder so)“ ist eine Komödie mit Musik, wie es im Programmheft heißt. Sie erzählt den Roman aus dem frühen 19. Jahrhundert aus Sicht von fünf weiblichen Bediensteten. Diese fleißigen Frauen im Hintergrund sind die Kommentatorinnen dessen, was (mit moderner Popmusik kombiniert) auf der Bühne passiert.
Da geht’s um vier Schwestern (im Original fünf) und eine Freundin aus dem niederen englischen Adel, die alle einen Ehemann suchen. Natürlich kommt es zu Irrungen und Wirrungen, Liebeskummer, Streit und Vernunftehen. Die komplexe Handlung ist auf etwa zwei Stunden (plus Pause) komprimiert.
Fünf Darstellerinnen übernehmen alle Rollen. Es ist beachtlich, in welcher Geschwindigkeit sich Anna Färber, Tanisha Meis, Anja Bielefeld, Nelly Haller und Leonie Hackländer mal in diese, dann in jene Figur verwandeln. Regisseur Ralf Budde setzt dabei auf zeitgenössische Kostüme (Noëlle-Magalie Wörheide), die mit wenigen Zusätzen eine neue Rolle möglich machen. So wird aus einer eleganten Dame mittels Brustvorhang und einem Hut aus Streben ein Soldat.
Das Bühnenbild ist ebenso funktional. Stefan Böhmer und Frank Fischer schaffen es beispielsweise mit einem Paravent, auf den ein Gutshof gemalt ist, die Atmosphäre des ländlichen England zu zeigen. Ändert sich der Ort, wird der Paravent weggeräumt. Auf der Bühne ist also ständig Bewegung, zumal zwischendurch immer wieder gesungen und getanzt wird.
Die Handlung wird auch in den Songs erzählt. Diese sind bekannte englischsprachige Lieder der 1960er bis heute. So läuft immer wieder „Material Girl“ von Madonna, in dem es darum geht, wie wichtig Reichtum für ein Mädchen ist. Das Lied erklingt in einer Streicherversion, was stark an die Streaming-Serie „Bridgerton“ denken lässt, die ebenfalls Anfang des 19. Jahrhunderts spielt und mit moderner Musik kombiniert wird.
In der Bühnenversion von „Stolz und Vorurteil* (*oder so)“ wird der Kiss-Hit „I was made for loving you“ als Liebeserklärung und „I am what I am“ als Lebensmotto gesungen, um nur ein paar Stücke zu nennen. Sie alle werden live performt (musikalische Leitung: Stefan Hüfner), wobei die Solostücke die schönen Stimmen der Sängerinnen gut zur Geltung bringen. Wenn mehrere Damen zusammen singen, klingt es – wohl auch wegen der zu lauten Musik vom Band – stellenweise unsauber. Bewundernswert sind die Kondition und die Spielfreude der Schauspielerinnen. Es macht Spaß, ihnen zuzusehen.
Klar im Vorteil ist, wer „Stolz und Vorurteil“, die Figuren und Handlungsstränge kennt; sonst könnte es schwierig werden, in der Kürze alles zuzuordnen. Gute Englischkenntnisse können ebenfalls helfen, um die Liedtexte zu verstehen, da sie Bestandteil einiger Dialoge sind.
Insgesamt eine flotte Inszenierung mit tollen Darstellerinnen und vielen Ohrwürmern.
TiC, Theater in Cronenberg, Aufführungsort: TiC-Atelier, Unterkirchen 23. Karten und Informationen: Telefon 0202 / 47 22 11 oder auf www.tic-theater.de