Das Premierenpublikum in Wuppertal war begeistert von Kristof Stößel als eingebildetem schwangeren Ulli. Die Rolle scheint ihm quasi auf den Leib geschneidert zu sein, was man von den riesigen Schwangerschaftskleidern nicht sagen kann. Im letzten Jahr hatte Stößel die Komödie über 100 Mal mit seinem Kollegen Jens Knospe in Hannover und Braunschweig sowie auf Tournee aufgeführt. Nun spielt er sie unter eigener Regie unter anderem in der „Concordia“ am Werth 48 in der Barmer City.
Aber zurück zum Stück: Es geht um das homosexuelle Paar Ulli und Wolfgang, das seit vielen Jahren auf ein Adoptivkind wartet. Als die beiden endlich die gute Nachricht erhalten, dass sie bald Eltern werden können, versteift sich Ulli auf den Gedanken, eine „echte“ Schwangerschaft erleben zu wollen. Von Stund an benimmt er sich wie eine schwangere Frau. Sein Partner muss ihm die Füße massieren, Bachblüten in der Apotheke kaufen, ihn durch den Swimmingpool schieben und stundenlang über Namen diskutieren.
Zum Dank wird Wolfgang, der eigentlich Restaurantkritiker ist, aber vor lauter Stress seinen Geschmackssinn verloren hat, angeschautzt, er sei unsensibel. Die Herren im Publikum zeigen sich solidarisch mit ihm, wenn er sie von der Bühne herab direkt anspricht.
„Hurra, mein Mann wird Mutter“ ist ein lockeres Stück, das durchaus an einigen Stellen Tiefgang bietet – allerdings nur kurz. Zum Beispiel, als es um die Frage geht, ob homosexuelle Paare Kinder adoptieren dürfen. Oder wie und wann man seinem erwachsenen leiblichen Kind aus einem Hetero One-Night-Stand (Svenja Jerg) die Wahrheit sagt.
Man merkt, dass Stößel und Knospe schon viele gemeinsame Aufführungen hatten, denn sie wirken sehr überzeugend als Paar. Die kleinen Nickeligkeiten einer Beziehung bringen sie mit der perfekten Mischung aus Liebe und Genervtheit rüber. Wunderbar, wie Wolfgang seinem Ulli erläutert, dass er ihn gerade deshalb liebt, weil er zickig ist. Die Liebeserklärung nebst treuherzigem Augenaufschlag sorgt für „Ohs“ im Zuschauerraum.
Und zickig ist Ulli wirklich. Wohl keine echte Schwangere wäre so leidend, gemein und fordernd wie er. Kristof Stößel zelebriert diese Rolle. Er jammert und stöhnt, stemmt sich die Hände in die Hüften, wirft sich in den Vierfüßlerstand und lässt Frauen denken: „Wie gut, dass Männer nicht wirklich Kinder kriegen.“
Fazit: Eine leichte Sommerkomödie mit tollen Darstellern, die wunderbar harmonieren.