Rundschau-Kommentar zu 20 Jahren Nordbahntrasse Damals hat kaum jemand daran geglaubt ...

Wuppertal · Viele junge Leute in unserer Stadt kennen Wuppertal gar nicht ohne die Trasse. Sie finden es deswegen selbstverständlich ganz selbstverständlich, dass dieser Weg eine Art Wuppertaler Rückgrat für alle Generationen ist. Und man darf wohl mit Fug und Recht sagen: Die Trasse ist aus Wuppertal nicht mehr wegzudenken.

Die Nordbahntrasse ist auch nach 20 Jahren äußerst beliebt.

Foto: Achim Otto

Jetzt feiert die „Wuppertalbewegung“, der all das zu verdanken ist, 20 Jahre Trasse. Mit einem großen Fest am kommenden Sonntag, 28. Juni, von 13 bis 19 Uhr am Wichlinghauser Bahnhof beim Bergischen Plateau.

20 Jahre – Leute, wie die Zeit vergeht! Ich war schon eine ganze Weile Redakteur der Rundschau, als Carsten Gerhardt damals mit seiner Projektplanung in mein Büro kam und mir etwas vorstellte, das ich mir, ehrlich gesagt, nicht vorstellen konnte.

von Stefan Seitz

Foto: Bettina Osswald

Allerdings: Der Mann, seine Ausstrahlung, seine durchgerechneten Unterlagen, die Konkretheit der Pläne und die absolut nicht Wolkenkuckucksheim-ähnliche Ausstrahlung dieses Dings namens Nordbahntrasse haben mich überzeugt. So ging es vielen anderen auch – und die „Wuppertalbewegung“ wuchs zu etwas, das die unterschiedlichsten Menschen unter dem Dach einer guten Idee versammelte. Nicht immer ohne Reibungen – aber letztlich mit Erfolg. (Bilder)

Bilder: Impressionen von der Nordbahntrasse Wuppertal
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Impressionen von der Nordbahntrasse

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Foto: Achim Otto

Politikerinnen und Politiker (ganz gleich, welcher „Farbe“) träumen von so etwas. Und ihre Vorstellungskraft beziehungsweise ihr Glaube waren in Sachen Trasse seinerzeit – das darf man nicht verschweigen – eher sehr dürftig ausgeprägt. Wie auch die Hilfsbereitschaft manches mächtigen Herren innerhalb der Stadtverwaltung.

Am Ende haben sich die „Wuppertalbewegung“ und ihr Chef Gerhardt zäh durchgesetzt, und ein Projekt realisiert, das die Bezeichnung „Sache der Bürgerinnen und Bürger“ verdient. Dass Carsten Gerhardt dabei in der Auseinandersetzung und bei der nötigen Hartnäckigkeit alles andere als ein Schoßhündchen war (und ist), gehört auch in die Rückblick-Aufzeichnung. Erstens, weil das viele mächtig genervt hat. Und zweitens, weil anders keine Umsetzung zustande gekommen wäre.

Ohne bestimmte Menschen, die etwas wirklich wollen, funktionieren bestimmte Projekte nicht. Ein anderes Beispiel dafür ist die Wandbild-Vision „Urbaner Kunstraum Wuppertal“. An den hat am Anfang auch nur eine Handvoll Menschen geglaubt ...

In Sachen Trasse steht die Stadt heute mit einer Fahrrad- und Fußweg-Strecke da, die für viele Kommunen landauf, landab Vorbildfunktion hat. Ein erstaunlicher Weg, der durch die „rubbeldiekatz“ realisierte Schwarzbachtrasse noch deutlich gewachsen ist – und durch den Belvedere-Park im Osten ein echtes landschaftsarchitektonisches Sahnehäubchen bekam.

Nicht immer läuft alles auf der Trasse reibungslos. Vielen Leuten ist es manchmal sogar schon zu voll. Zumal an strahlend sommerlichen Wochenenden. Trotzdem: Der Erfolg der Idee zeigt sich jeden Tag. Auch bei Regenwetter.

Was wohl in weiteren 20 Jahren sein wird? Noch viel mehr Trasse(n)? In vielen anderen Bereichen der Stadt? Schön wär’s. Wer sich heute solchen Ideen entgegenstellte oder sie auszubremsen versuchte, hätte wenig Erfolg. Und das ist gut so.