Hoffentlich gelingt ihm das besser als das Braten von Würstchen, auf deren Herstellung Besucher des Testspiels gegen Borussia Mönchengladbach ungefähr eine Stunde warten mussten. Möglicherweise hatte der zuständige Caterer mit der Anreise von 4.600 Veganern gerechnet und sich deshalb überwiegend mit Tofu-Schnitzeln bevorratet.
Echte Strategen hätten erkannt, dass sich selbige im Stadion-Milieu noch nicht wirklich durchgesetzt haben, wohingegen man mit dem Erlös aus dem zügigen Abverkauf von Bratwurst und Pommes beim zu erwartenden Fan-Aufkommen gegen einen Bundesligisten locker den im Kader noch fehlenden Außenstürmer hätte finanzieren können. Echte Strategen wären aber auch nicht aus der Regionalliga abgestiegen.
Was ich hier gerade mache, ist übrigens Moppern in Reinkultur, das ich als Wuppertaler natürlich perfekt beherrsche. Auswärtigen ist unsere Mopperkultur allerdings schwer zu vermitteln. Sie denken nämlich, dass wir Wuppertal nicht gut finden, weil wir ständig über unsere Stadt meckern.
Dabei ist es genau umgekehrt: Wir lieben Wuppertal, weil wir eben nicht so ein gelackter Laufsteg wie Düsseldorf, kein lederbehostes Trachtenmuseum wie München und kein Entertainment-Moloch wie Hamburg mit mehr Musicals als Einwohnern sind. Bei uns ist ganz viel ganz super, weshalb wir auch alle noch hier sind. Aber eben auch ganz viel nicht, weshalb wir so wunderbar moppern können.
Das Wuppertaler Stadtmarketing hat das verstanden und sich daher die Mopperkopp-Tour ausgedacht, bei der ein schlecht gelaunter Führer im Dauermoppermodus die fiesesten Stellen und größten städtebaulichen Fehlleistungen der Elberfelder City vorstellt und sein Publikum in bewährter Wuppertaler Herzlichkeit rustikal anpelzt. Als Einheimischer, für den die Tour gedacht ist, kann man sich dabei stundenlang beömmeln, weil einem so schön der Spiegel vorgehalten wird.
Wer von auswärts auf das Format schaut, erkennt mangels Hintergrundwissens aber scheinbar die feine Ironie nicht. So schaffte es die Mopperkopp-Tour jetzt bis in die „Unterwegs“-Kolumne der „Welt am Sonntag“, deren Autorin sich hemmungslos über dieses touristische Angebot als eine Art Wuppertaler Bankrotterklärung auslässt. Unter anderem berichtet sie davon, dass an der Tour überwiegend Besucher von auswärts teilnehmen würden, die nun bundesweit über Wuppertal lästern.
Wo sie diese Erkenntnis hernimmt, liegt allerdings ähnlich im Dunkeln wie die Antwort auf die Frage, ob sie selbst überhaupt mitgegangen ist oder nur kurz vor Toreschluss (ich weiß, wovon ich rede) noch eine ziemlich lange Spalte füllen musste. Denn mit Wuppertal Marketing als Veranstalter hat sie gar nicht gesprochen.
Hätte sie aber vielleicht mal tun sollen, weil man ihr dann den eigentlichen Sinn der Tour erklärt hätte. Wer annimmt, dass ein Mopperkopp-Rundgang ernst gemeint ist, muss auch befürchten, dass bei der sehr beliebten Folter- und Grusel-Tour in Edinburgh regelmäßig Touristen qualvoll ums Leben kommen.
Sich mal richtig zu informieren hätte auch verhindert, dass uns die Autorin wissen lässt, die Mopperkopp-Runde finde zweimal wöchentlich statt. Genau genommen steht dieses Jahr nämlich keine einzige mehr auf dem Programm (was eigentlich schon wieder ein Grund zum Moppern ist), dafür sind aber noch mehrere Hundert zu allen möglichen schönen Seiten von Wuppertal im Angebot.
Nach meiner Erfahrung sind die Damen und Herren Stadtführer dabei übrigens stets besonders gut gelaunt, sodass ich auch den abschließenden Vorschlag der „Welt am Sonntag“-Autorin ziemlich daneben finde: Sie meint, wir könnten doch auf unsere Ortsschilder statt des vom Stadtrats abgelehnten Zusatzes „Schwebebahnstadt“ (noch ein Grund zu moppern) auch gut „Stadt der schlechten Laune“ schreiben.
Richtig schlechte Laune kriegen wir aber in Wirklichkeit nur, wenn jemand ohne Ahnung zu haben so einen Blödsinn über uns schreibt. Oder wenn im Zoo-Stadion nur eine Bratwurst pro 1.000 Zuschauern auf dem Rost liegt ...
Bis die Tage!