Nach Toreschluss - die Wochenendsatire Bolzplatz-Bolzen

Wuppertal · Im Untergrund des Neumarkts sind völlig überraschend Gräber gefunden worden, von denen wir seit 200 Jahren wussten, dass sie sich dort befinden

Das Gefahrenpotenzial scheint eher überschaubar: eines der inzwischen demontierten Tore auf dem Bolzplatz am Bergischen Plateau.

Foto: Rundschau

Deshalb kommen die Bauarbeiten in der City erneut zum Erliegen, weil noch ermittelt werden muss, wer dort wann warum nicht tief genug verbuddelt wurde und wie man die Fernwärmeleitungen erfolgreich um die Gebeine herum legen kann. Bis das geklärt ist, können wir daneben wahrscheinlich direkt neben ihnen auch die Elberfelder City beerdigen.

Apropos Beerdigen: Selbiges konnten die vielen täglich auf dem Bergischen Plateau spielenden Kinder auch mit ihren Ambitionen machen, während der Osterferien auf dem dortigen Bolzplatz Fußball zu spielen. Der wurde nämlich Mitte März ohne nähere Erklärung von der Stadt abgeschlossen. Das Presseamt hat mir inzwischen Recherchen von Anliegern bestätigt: Das Problem seien die beiden Tore gewesen, bei denen hinten Stangen verbogen und abgerissen waren, sodass Verletzungsgefahr bestanden habe.

Roderich Trapp.

Foto: Wuppertaler Rundschau/Max Höllwarth

Nun muss ich als erfahrener Kopfsteinpflaster-Straßenkicker der 70er Jahre, der aus allen möglichen rostigen Utensilien permanent einsturzgefährdete Tore gebaut hat, mit Blick auf die Fotos der defekten Bolzplatz-Buden vom Bergischen Plateau sagen, dass ihre Bedrohlichkeit auf mich eher überschaubar wirkt. Von solchen Toren auf einem übrigens erst jüngst neu verlegten Boden hätten wir als Köttel geträumt. Egal, wie viel Stangen da hinten fehlen. Zumal hier ja auch noch ein solider Zaun dahinter steht, während wir den Bällen gerne mal über irgendwelche Hauptverkehrsstraßen hinterherhecheln mussten.

Deshalb finde ich es auch nicht überraschend, dass die hier tätigen Nachwuchskicker zum Spielen einfach über eben diesen ziemlich hohen Zaun geklettert sind, was tendenziell deutlich gefährlicher sein dürfte, als sich in die besagten Tore zu stellen. Das war zum Glück nur so lange nötig, bis ein Zaunelement von ungeduldiger Seite aufgebrochen und der Zugang so wieder frei wurde.

Das ist allerdings mutwillige Zerstörung und mindestens genauso ärgerlich wie die Tatsache, dass die Verwaltung fast sechs Wochen braucht, um zu prüfen, ob die Reparatur der Tore kurzfristig möglich ist und während dieser Zeit den wahrscheinlich meistfrequentierten Bolzplatz Wuppertals lahmlegt. Kurioserweise beklagt dieselbe Verwaltung in den Berichten über die Schuleingangsuntersuchungen wortreich, dass die meisten Kinder nicht mehr sich selbst, sondern nur noch Joysticks bewegen.

Immerhin liegt inzwischen ein Ergebnis der ausführlichen Reparaturfähigkeitsprüfung der Tore vor: Bestimmt rein zufällig, nachdem die Rundschau in dieser Sache am Montag mal nachgefragt hat. Dieses Ergebnis sah so aus, dass die Tore bis auf Weiteres komplett entfernt wurden, der Zaun repariert und der Platz dann am Mittwoch ohne das Salz in der Fußballsuppe wieder geöffnet wurde.

Er bietet sich damit aus meiner Sicht jetzt ideal als Trainingsstätte für den WSV an. Der schießt ja bekanntlich sowieso keine Tore mehr ...

Bis die Tage!