Nach Toreschluss - die Wochenendsatire City der Leiden

Wenn Karfreitag die eindrucksvolle Prozession der Katholischen Italienischen Mission durch die Innenstadt zieht, bekommt der Begriff „Kreuzweg“ eine ganz neue Bedeutung.

Der Himmel auf Erden (für Männer).

Foto: Markus Spiske

Der Jesus-Darsteller beschreitet dabei schließlich die Via Dolorosa der Elberfelder City, auf der auch wir Wuppertaler quasi täglich leiden. Mühselig und beladen schleppen wir uns als von Bauzäunen in Gefangenschaft Gehaltene durch eine dem wüstenhaften Erscheinungsbild von Jerusalem vor 2.000 Jahren nicht unähnliche Stadtlandschaft aus Sand, Staub und willkürlich am Boden verstreutem Gestein.

Dabei sind wir sogar schlechter dran als Jesus, weil uns noch nicht einmal vorübergehend jemand von diesem Kreuz erlöst. Und daran zu glauben, dass wirklich 2031 ein Erlöser kommt, der die Bauarbeiten offiziell für beendet erklärt, erfordert wirklich sehr viel Gottvertrauen ...

Roderich Trapp.

Foto: Wuppertaler Rundschau/Max Höllwarth

Umso wichtiger sind im tristen Wuppertaler Ist-Zustand kleine Lichtblitze der Hoffnung. So einen gibt es jetzt in Form der digitalen WC-Karte. Dabei handelt es sich um einen neuerdings verfügbaren interaktiven Online-Stadtplan, auf dem man nachgucken kann, wo man in unserer Stadt keine öffentlichen Toiletten findet.

Das ist sehr nützlich. Wenn man beispielsweise in der Straße Am Mirker Bach plötzlich ein Bächlein machen muss, braucht man nur diese Karte zu öffnen und kann dann feststellen, dass das nächste Klo 22 Minuten Fußweg entfernt am Friedhof Hochstraße bereitsteht. Allerdings nur bis 15_30 Uhr, danach muss man bis morgens einhalten. In Ortslagen wie Dönberg oder Hatzfeld ist dagegen ganztags davon abzuraten, plötzlich ein menschliches Rühren zu verspüren. Der Blick in die WC-Karte zeigt nämlich, dass hier die öffentliche Ausbringung von Fäkalien nur im Rahmen der Düngungsvorgänge in der Landwirtschaft, jedoch nicht für Privatpersonen vorgesehen ist.

Aber auch in deutlich zentraler gelegenen Stadtbereichen kann die Sache in die Hose gehen, weil sie toilettentechnisch überraschenderweise so blank sind wie der Popo eines Notdürftigen, der sich mangels Alternativen in freier Wildbahn erleichtern muss.

„Oh, oh, wohin am Loh?“, möchte man zum Beispiel reimen, wenn es pressiert im Unterbarmer Geviert und die Karte erst anderthalb Kilometer weiter einen Klotopf am Alten Markt anzubieten hat. Und am Fingscheid etwas legal öffentlich abzuscheiden, wird ungeachtet des vielversprechenden Namens ebenfalls ein frommer Wunsch ohne Aussicht auf Erfüllung bleiben. Zumal Jesus ja gerade genug damit zu tun hat, nicht in Elberfeld in eine Baugrube zu fallen.

Manchmal ist gar keine öffentliche Toilette allerdings vielleicht auch besser als die am Wupperpark Ost, die jeden Tag von Tatortreinigern sauber gemacht werden muss und auf diese Weise selbst sehr dringend Müssen müssende Passanten nur sehr begrenzt zum Besuch einlädt.

Aber wenn wir ganz fest dran glauben, kriegen wir auch dieses Problem vielleicht bis 2031 in den Griff ...

Bis die Tage!