Nach Toreschluss - die Wochenendsatire Schwebebahn-Musical

WUppertal · Inzwischen gibt es ja zu praktisch jedem Thema ein Musical. Seit Donnerstag kann man in Duisburg sogar „Malle Olé - das Musical, das ballert!“ besuchen. Es handelt sich um die künstlerisch sicherlich feingliedrige Aufarbeitung üblicher Geschehnisse im Party-Hotspot Arenal.

Jetzt als Marke – bald auch als Musical?

Foto: Wuppertaler Rundschau/Christoph Petersen

Dem als Ballermann bekannten UNESCO-Welttrinkkulturerbe setzt die neue Produktion ein Denkmal, dessen man am Wochenende auf einem der hintersten Plätze bereits für den Gegenwert von zirka zehn halben Liter Pils im Bierkönig angesichtig werden kann.

Dafür werden einem dann im samtigen Gestühl des Duisburger Festspielhauses (nicht zu verwechseln mit dem in Bayreuth) Welthits wie „Schatzi schenk mir ein Foto“ oder „Wie heißt die Mutter von Niki Lauda? Mama Lauda!“ vorgesungen. Einzige Schwäche des Konzepts: Alkoholische Getränke sind im Saal verboten. Das ist ungefähr so, als hätte Jesus bei einem Gottesdienst Hausverbot.

Roderich Trapp.

Foto: Wuppertaler Rundschau/Max Höllwarth

Trotz dieses kleinen Schönheitsfehlers können wir von Duisburg lernen: Denn wenn es sogar schon ein Ballermann-Musical gibt, dann ist doch ein Schwebebahn-Musical längst überfällig! Die Schwebebahn ist erstens nicht nur bei deutschen Party-Touristen, sondern in der ganzen Welt bekannt, feiert zweitens 2026 ihr 125-jähriges Jubiläum und hätte drittens in Wuppertal bereits eine perfekte Musical-Location: das Schauspielhaus!

Da soll zwar das Pina-Bausch-Zentrum hin, aber das wird sich Wuppertal bei aktuell vom Gebäudemanagement geschätzten Kosten von 160 Millionen Euro ja nur leisten können, wenn wir bei den Erdarbeiten im Zuge der BUGA 2031 auf mehrere Goldadern und eine erkleckliche Menge Ölscheichs stoßen. Das Schwebebahn-Musical mit dem zur Location passenden Arbeitstitel „Der Zug ist abgefahren“ könnte dagegen sofort an der Kluse einziehen, wenn man im Foyer mal feucht durchwischt und auf dem Vorplatz das Unkraut jätet.

Bilder: Briefmarke 125 Jahre Wuppertaler Schwebebahn
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Briefmarke 125 Jahre Schwebebahn

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Foto: Christoph Petersen

Ich sehe das imposante Bühnenbild schon vor mir: Um einen originalen Schwebebahnzug gruppieren sich ein Feuerwehrwagen (wegen der Brandschutzauflagen), zwei Dutzend Statisten, die ratlos vor einem Fahrkartenautomaten stehen, sowie ein Taubenschwarm, der in jedem Akt einmal die Weiche in der Endhaltestelle am Bühnenrand vollkackt und damit den Fahrbetrieb stilllegt.

Gemessen am Libretto von „Malle Olé“ ist der Text für das Schwebebahn-Musical sicherlich schnell geschrieben. Ich habe das mal eben gemacht:

Alle Wuppertaler lieben die Schwebebahn und feiern ausgelassen deren 125. Geburtstag (Massenszene mit Tanz an der Bergischen Kaffeetafel zum Ohrwurm „Kottenbutter - Wupperfutter!“). Im Überschwang der Gefühle verspricht die junge Oberbürgermeisterin Miriam Scherff, dass die Schwebebahn bald auch bis in ihre Heimat auf den Südhöhen fahren wird. Freudetrunken singt daraufhin ein von der Wuppertaler Kurrende gestellter Knabenchor den Hit „Mit der blauen Schwebebahn - fahren wir nach Küllenhahn!“

Die Stimmung kippt, als das städtische Gebäudemanagement in einer ersten groben Kalkulation die Kosten für die Erweiterung auf drei Milliarden Euro taxiert (ohne Schienen und vorbehaltlich des Ergebnisses der europaweit erfolglosen Ausschreibung). Traurig will Scherff das Projekt unter Absingen der großen Arie „Dat gippt keinen“ begraben, als der geniale Wuppertaler Ingenieur Eugen T. Uffi auftaucht und mit einem einen großartigen Plan verblüfft.

Er will heimlich die Gleise der in Wuppertal nur noch höchst sporadisch verkehrenden Deutschen Bahn einschmelzen und daraus im Höllenfeuer der Müllverbrennungsanlage auf Korzert das Gerüst für die Strecke nach Küllenhahn schmieden. Weil sie traditionell nie auf Wuppertal achtet, fällt das bei der Deutschen Bahn natürlich niemandem auf, weshalb der Coup gelingt.

Und weil die Schmiede- und Schleifarbeiten von Ehrenamtlern der für jedweden Fortschritt bei uns zuständigen Wuppertal-Bewegung gratis erledigt werden, kostet die Streckenerweiterung am Ende nicht mehr als die Jahresgehälter der im Schnitt vier Fußball-Trainer, die der ortsansässige WSV pro Saison verbraucht.

Bei der Jungfernfahrt der Schwebebahn Richtung Südhöhen steht die ganze Stadt auf der Bühne Spalier und hält nur kurz den Atem an, als der Zug wegen einer Unterbrechung des Funksignals außerplanmäßig zum Stehen kommt. Als es nach nur 40 Minuten, in denen die größten Hits der Striekspöen gespielt werden, endlich weiter geht, liegen sich wildfremde Menschen in den Armen und singen zum großen Finale die ikonische neue Wuppertal-Hymne, die mir allerdings noch nicht eingefallen ist.

Ich schicke die Musical-Story daher jetzt mal mit der Post an Dörte aus Heckinghausen, die erledigt den Rest dann schon. Den Brief frankiere ich natürlich mit der neuen Schwebebahn-Sonderbriefmarke. Vielleicht kommt er dann (wie die Schwebebahn selbst ja am Ende auch immer) sogar an.

Bis die Tage!