Nach Toreschluss - die Wochenendsatire Wir machen was anders

Wuppertal · Am Montag ist im Rat zum wiederholten Mal der Versuch gescheitert, Wuppertal mit dem den offiziellen Namenszusatz „Schwebebahn-Stadt“ zu versehen.

Selbst an der Rathaus-Tür als Statement, aber nicht offiziell.

Foto: Achim Otto

Der Vorschlag von FDP und Freien Wählern ist absolut naheliegend, inhaltlich überzeugend, stößt in der Bevölkerung auf breite Zustimmung und passt auch gut zum Jubiläum unseres Wahrzeichens, weshalb er folgerichtig mit großer Mehrheit abgelehnt wurde. Wuppertal hätte schließlich noch viel mehr zu bieten als die Schwebebahn, das dann alles nicht auf Ortsschildern und Briefbögen stehen würde, hieß es. Als Beispiele wurden Friedrich Engels, Pina Bausch und die industrielle Entwicklung genannt, die allerdings nach meinen Informationen im Gegensatz zur Schwebebahn alle schon tot sind.

„Fernwärmebaustellenstadt Wuppertal“ oder „Wuppertal – Stadt der unsichtbaren Bodendenkmäler“ wären aus meiner Sicht auch noch interessante Alternativen. Wobei man allerdings eines nicht vergessen darf: Wuppertal hat ja schon einen Stadt-Slogan, der so erfolgreich war, dass sich niemand mehr daran erinnert. Er wurde 2013 erfunden und lautete: „Wuppertal – macht was anders“. Ich habe seinerzeit darüber an dieser Stelle Folgendes geschrieben:

von Roderich Trapp

Foto: Wuppertaler Rundschau/Max Höllwarth

„Wuppertal – macht was anders“. Nur nicht mit diesem Stadt-Slogan. Da haben wir uns nämlich genau wie viele andere völlig zu Recht unbekannt gebliebene Metropolen von Werbestrategen aus Düsseldorf ein Sprüchlein andrehen lassen, das ungefähr so viel aussagt wie eine Regierungserklärungserklärung von Angela Merkel. Also nichts. Das überrascht nicht weiter, weil ja bekannt ist, dass man für den veranlagten Etat von 200.000 Euro in Düsseldorf üblicherweise nicht einmal eine warme Mahlzeit bekommt.

So stehen wir jetzt brav in einer urbanen Kampagnen-Reihe mit so epochalen Hervorbringungen wie „Bottrop – überraschend anders“, Paderborn überzeugt“, oder „Bielefeld bewegt“. Ganz abgesehen von „lebendiges Hagen“. Offensichtlich habe ich bei meinem letzten Besuch dort die erste Wiederauferstehung seit knapp 2.000 Jahren komplett übersehen.

Und wenn Sie schon immer mal wissen wollten, wen „Siegen inspiriert“, dann fragen Sie am besten mal einen der bekannt freundlichen Siegerländer, die mit ihrer Guantanamo-Aufsehern nicht unähnlichen Art bestimmt gerne Auskunft geben. Noch weniger Honorar bezahlt hat wahrscheinlich nur Delmenhorst für sein ausgesprochen erhellendes „Da geht was“ ...

Man soll sich ja nicht selbst loben, aber diese Worte waren durchaus prophetisch, denn praktisch alle der hier erwähnten Slogans liegen längst auf dem Friedhof für beklagenswerte Werbesprüche. Auch „Wuppertal – macht was anders“ ruht dort von allen vergessen. Selbst Künstliche Intelligenz konnte auf meine Anfrage hin keine belastbaren Spuren mehr davon finden, weil die natürliche Intelligenz diese Driete natürlich längst entsorgt hat.

Frei nach dem Motto „Wenn ich mit einem bei einer Agentur für teures Geld gekauften Slogan nichts anzufangen weiß, gründe ich einen Arbeitskreis“, sollten übrigens 2013 vier Arbeitsgruppen der Verwaltung eine am Claim „Wuppertal – macht was anders“ orientierte Strategie zur Entwicklung der Stadt bis zum Jahr 2025 erfinden. Wenn ich mich so umgucke, war der Erfolg vergleichsweise überschaubar.

Es kann natürlich auch sein, dass die Arbeitsgruppen in dieser bei Verwaltungsabläufen oft etwas verlangsamten Stadt immer noch tagen und uns dann 2026 oder 2027 mit einer Strategie überraschen, die Wuppertal bis 2025 richtig nach vorne bringt. Dagegen spricht allerdings, dass alle vier Leiter dieser Gruppen in Pension oder nicht mehr bei der Stadtverwaltung sind.

So bleibt es wohl dabei, dass wir zwar das einzigartigste Verkehrsmittel der Welt haben, aber unsere Politiker lieber nicht zu sehr damit angeben wollen. Vielleicht lagen die Düsseldorfer Werbefritzen mit „Wuppertal – macht was anders“ doch nicht so ganz falsch ...

Bis die Tage!