Sich einfach als Schwebebahnfahrer bewerben? Das geht leider nicht. „Wir würden sonst überrannt“, sagt Andreas Haus, Leiter der Schwebebahn-Fahrschule an der Wagenhalle in Vohwinkel, mit einem Schmunzeln. Tatsächlich kommt der Nachwuchs fast ausschließlich aus den eigenen Reihen: Alle Fahrer waren in der Regel zuvor Busfahrer. Erst wer sich dort bewährt, wird intern für die Weiterbildung in Betracht gezogen.
Rund 90 aktive Fahrer sorgen täglich dafür, dass die Wagen durchs Tal gleiten, insgesamt besitzen etwa 230 Beschäftigte eine Fahrberechtigung. Die Ausbildung dauert vier Wochen in Vollzeit. Theorie und Praxis wechseln sich ab, der Großteil findet direkt auf der Strecke statt.
Der Reiz des Jobs liegt auf der Hand: Kein Stau, keine Umleitungen, kein Straßenverkehr und eine Top-Aussicht gibt es noch dazu. Klingt erstmal entspannt, aber beim Schwebebahnfahren entstehen ganz andere Ansprüche und Verantwortungen als im normalen Straßenverkehr. Das eigentliche Fahren sei nicht das Schwierigste an der Ausbildung, sagt Andreas Haus.
Entscheidend sei, was passiert, wenn etwas schiefgeht, etwa bei Störungen, technischen Problemen und Notfällen. Eine Schwebebahn kann schließlich nicht einfach rechts ranfahren. Bleibt sie stehen, muss schnell entschieden werden, ob sie selbst weiterrollen kann, von der Bahn dahinter bis zur Endhaltestelle angeschoben werden muss oder Fahrgäste evakuiert werden müssen – Szenarien, die intensiv im Sicherheitstraining geübt werden.
Überschreitet der Fahrer zudem die zulässige Geschwindigkeit von maximal 60 km/h, greift die Zugsicherung automatisch ein und bremst den Wagen. „Das strenge Einhalten von Regeln ist deshalb noch wichtiger als im normalen Straßenverkehr“, betont Haus. Bevor es aber in luftige Höhen geht, sitzen die angehenden Fahrer zunächst am Computer.
In der Fahrschule gibt es ein Simulationssystem, das die gesamte Strecke realitätsgetreu mit jeder Station und jeder Kurve nachbildet. Vor dem Bildschirm befindet sich eine Steuerkonsole mit Fahr- und Bremshebel, darunter ein Touchscreen, der genauso aussieht wie im echten Wagen. Hier lassen sich Szenarien durchspielen, ohne dass ein echter Zug bewegt werden muss. Die Ausbildung endet mit einer dreistufigen Prüfung: Zuerst Theorie, dann eine Testfahrt im Simulator und schließlich die praktische Prüfung auf der echten Strecke.
Insgesamt werden jährlich etwa ein Dutzend neue Fahrer ausgebildet. Seit Kurzem ist die Schwebebahn-Qualifikation sogar Teil der Ausbildung zur „Fachkraft im Fahrbetrieb“ – ein bundesweit einzigartiges Angebot, denn eine solche Bahn gibt es nur hier. Vandalismus in der Schwebebahn ist übrigens sehr selten, erzählt Haus. Vielleicht, weil die Bahn ein Wahrzeichen ist. Es wird öfter fotografiert als in Bussen und die Fahrgäste passen aufeinander auf.
Ganz ohne dramatische Momente geht es dennoch nicht. Haus erinnert sich an eine Fahrt bei Eisregen, bei der die Stromschiene vereiste. Der Wagen blieb stehen, ein Anschieben war unmöglich. Am Ende musste die Feuerwehr die Passagiere befreien, ein Szenario, auf das die Ausbildung gut vorbereitet.
Seit 2015 sind die modernen GTW-15-Wagen im Einsatz. Sie unterscheiden sich deutlich von ihren Vorgängern aus den 70ern: Digitale Anzeigen statt klassischer Signale, Touchscreens statt analoger Instrumente, automatisierte Zugsicherung statt rein manueller Kontrolle. Und dann gibt es noch den Kaiserwagen, die rollende Zeitmaschine à la DeLorean der Schwebebahn. Wer ihn fahren will, braucht eine zusätzliche Schulung. Nach seiner Restaurierung vereint er nämlich historische Technik mit modernen Elementen.
Viele Fahrer bleiben jahrzehntelang, an Kündigungen erinnert sich Haus kaum. Kein Wunder, denn einen Arbeitsplatz wie diesen gibt es kein zweites Mal.