Jahresbericht 2025 Verbraucherzentrale hat fast 10.000 Anliegen bearbeitet

Wuppertal · Untergeschobene Verträge, missglückte Widerrufe oder Ärger mit Zahlungsdienstleistern: Bei 9.680 Anliegen war die Verbraucherzentrale in Wuppertal im Jahr 2026 wieder Ansprechpartnerin, um Verbraucherrechte durchzusetzen oder unberechtigten Forderungen einen Riegel vorzuschieben.

Von li.: Umweltberaterin Caroline Pilling, Energieberater Stefan Bürk, Beratungsstellenleiterin Michelle Schüler-Holdstein sowie Schuldner- und Insolvenzberaterin Gabriela Aßmann.

Foto: Verbraucherzentrale NRW

„Käufe, Buchungen oder Vertragsabschlüsse finden heute überwiegend digital statt. Das ist einerseits bequem, führt aber auch zu vielfältigen und immer komplexer werdenden Problemen. Wenn Anbieter dann nur noch per KI-gesteuertem Chatbot oder Kontaktformular erreichbar sind oder gar nicht reagieren, sind viele Verbraucherinnen und Verbraucher überfordert“, berichtet Michelle Schüler-Holdstein

Von immer professioneller gestalteten Fakeshops über vermeintliche „Hilfen“ beim Ausfüllen von Behördenanträgen bis hin zu Coaching-Angeboten mit zweifelhaftem Nutzen: So manches Online-Schnäppchen wurde für die Wuppertaler Verbraucherinnen und Verbraucher im vergangenen Jahr zur kostspieligen Falle. „Die Menschen sind dann sehr erleichtert, wenn ihre Probleme gelöst werden können“, so Schüler-Holdstein.

Der Blick in den Jahresbericht 2025 zeigt: Bei 3.920 Rechtsberatungen und -vertretungen haben sich die Verbraucherschützer zumeist erfolgreich für die berechtigten Ansprüche von Ratsuchenden eingesetzt. Typische Fälle aus der Beratungspraxis:

● Reklamationen wurden von Händlern mit fadenscheinigen Begründungen abgelehnt

● Bei Online-Bestellungen kam es zu falschen Lieferungen und strittigen Retouren

● Kostenfallen durch sogenannte Dokumenten-Dienstleister nahmen zu

● Abo-Fallen, etwa bei vermeintlich kostenlosen Zeitschriften, sorgten für Beschwerden

● Aufdringlicher Vertrieb beim Glasfaserausbau führte zu unerwünschten Vertragsabschlüssen

● Teure „Knöllchen“ oder sogar abgeschleppte Autos auf dem Supermarktparkplatz machten Ärger

Angesichts der anhaltend hohen Nachfrage sei es daher besonders erfreulich und wichtig, so Schüler-Holdstein. dass die Finanzierung der Beratungsstelle auf Basis eines mehrjährigen Vertrags mit der Stadt Wuppertal gesichert werden konnte,

Kein Schutz beim Käuferschutz

Ein zentrales Thema im Berichtsjahr: der vermeintliche Käuferschutz bei Zahlungsdiensten wie PayPal, Klarna oder Amazon Pay. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher verließen sich darauf – und standen im Streitfall dennoch ohne Erstattung da. Die Beratungsstelle klärte rund um den Weltverbrauchertag im März darüber auf, dass gesetzliche Gewährleistungsrechte oft weiter reichen als freiwillige Schutzversprechen der Anbieter.

Künstliche Intelligenz bringt neue Herausforderungen

Auch der Einfluss von Künstlicher Intelligenz (KI) ist in der Beratung deutlich spürbar: „Eine falsche KI-Rechtsauslegung führt oft zu Erwartungen, die sich rechtlich gar nicht durchsetzen lassen. Wir müssen diese Erwartungen dann in realistische Bahnen lenken – und manchmal auch enttäuschen.“ Zugleich beobachtet die Verbraucherzentrale NRW neue Risiken: KI-generierte Inhalte können Verbraucherinnen und Verbraucher in unseriöse Beratungsangebote führen.

Perspektivisch sollen jedoch auch eigene KI-Anwendungen die Arbeit der Verbraucherschützer unterstützen. „Wir holen die Menschen dort ab, wo sie nach Informationen suchen und prüfen, wie KI unsere Beratung sinnvoll ergänzen kann“, erklärt Michelle Schüler-Holdstein.

Erneuerbare Energien und Klimaanpassung praktisch erklärt

Extreme Wetterereignisse wie Hitze und Starkregen werden auch in Wuppertal zunehmend spürbar und fordern Hauseigentümerinnen und -eigentürmer sowie Mieterinnen und Mieter heraus, sich an die Folgen der Klimaveränderung anzupassen. Aber auch die hohen Kosten für fossile Brennstoffe treiben die Verbraucherinnen und Verbraucher um.

„Ob Begrünung und Dämmung oder Steckersolargeräte und neue Heizungstechnik: Mit Vorträgen, Online-Seminaren und Rundgängen haben wir aufgeklärt und praktische Informationen vermittelt, wie das Zuhause in Sachen Energie auf Zukunftskurs gebracht werden kann – teilweise schon mit einfachen Maßnahmen, die nicht viel kosten“, sagt Energieberater Stefan Bürk.

Aktionen zu Ressourcenschutz und Fairem Handel

Die Umweltberatung war auch 2025 mit informativen und interaktiven Aktionen unterwegs. So wurde überprüft, wie die seit Januar 2025 geltende neue Biozid-Verordnung in Wuppertaler Handel umgesetzt wird. Anlässlich der Fairen Woche im September machte die Beratungsstelle die Vielfalt des Fairen Handels sichtbar. Und im November zeigte Umweltberaterin Caroline Pilling zur Europäischen Woche der Abfallvermeidung (EWAV), wie viele Ressourcen in Elektrogeräten stecken. Sie erklärte den „ökologischen Rucksack“, der etwa bei Smartphones ein Vielfaches ihres Gewichts beträgt. Auch das Projekt „Wertvoll NRW“ der Verbraucherzentrale NRW setzte 2025 Impulse für mehr Bewusstsein im Umgang mit Lebensmitteln.

Zur „Aktionswoche Schuldnerberatung“ Anfang Juni 2025 hat die Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung bessere finanzielle Bildung von der Kita bis zur Rente gefordert. Wenn Überschuldung droht oder bereits eingetreten ist, helfen die Beraterinnen und Berater in Wuppertal schnell und unbürokratisch weiter. So auch, wenn es Probleme mit dem sogenannten P-Konto (Pfändungsschutz-Konto) gibt.

„Viele Menschen sind besorgt und verunsichert wegen der aktuellen Auswirkungen globaler Krisen wie dem Irankrieg. Steigende Preise für Energie und Lebenshaltung belasten gerade Haushalte mit geringem Einkommen. Da ist besonders wichtig und hilfreich, wenn wir bei Alltagsproblemen unterstützen und finanziellen Schaden abwenden können“, so das Fazit von Beratungsstellenleiterin Michelle Schüler-Holdstein.