Rundschau: Zu Beginn bitte ein Update: Wo steht Wuppertal in Sachen BUGA31-Vorbereitung?
Brambora-Schulz: „Wir sind im Zeitrahmen, was die rechtlichen Grundlagen für die Entwicklung aller Flächen angeht. Ziel ist, dass wir nächstes Jahr für alle Bauleitplanverfahren die entsprechenden Satzungsbeschlüsse der Politik erhalten. Man darf ja nicht vergessen, dass der Zeitplan sehr eng ist. Deshalb setzen wir alles daran, ihn nach den vorgesehenen Meilensteinen umzusetzen und voranzubringen.
Am Montag wird außerdem der offizielle Durchführungsvertrag mit dem Berliner Büro ,relais’ unterzeichnet, das als Sieger aus dem Freiraumplanerischen Wettbewerb zur BUGA31 hervorgegangen ist. Mit der Vertragsunterzeichnung fällt der offizielle Startschuss für die reale Beplanung der Areale im Wuppertaler Stadtgebiet.“
Rundschau: Über diese Areale werden Sie demnächst dreimal auch die Rundschau-Leser führen. Wie sind Ihre Erfahrungen mit solchen Rundgängen?
Brambora-Schulz: „Am Ende sind die Menschen oft begeistert und freuen sich, neue Flächen entdeckt zu haben. Bereiche wie das Lokschuppenareal waren bisher ja auch offiziell gar nicht zugänglich. Viele können sich zudem nicht vorstellen, was sich hier entwickeln soll – also interessante Spielplätze, attraktive Aufenthaltsflächen, aber auch Grünflächen.
Und das Ganze kombiniert mit dem Thema Klimaresilienz und Klimafolgenanpassung. Wenn man heute auf das Lokschuppenareal guckt, sieht das grün aus. Aber darunter ist alles betoniert. Bei Starkregen kann da nichts ablaufen. Das alles sind für Besucher echte Aha-Erlebnisse.“
Rundschau: Bei den Rundgängen können ja auch Fragen gestellt werden. Was ist die häufigste?
Brambora-Schulz: „Die nach den Kosten und ob man die Gelder nicht auch in andere Projekte umlenken könnte. Was aber nicht geht. Ich erkläre dann immer ausführlich, dass diese Gelder, vor allem die Fördergelder, alle zweckgebunden sind. Und wir versuchen ja, genau diese zweckgebundenen Gelder im Kontext der BUGA hier nach Wuppertal zu holen. Und außerdem kommt immer die Mahnung: Denkt an Toiletten!“
Rundschau: Welche Botschaften sind Ihnen noch wichtig?
Brambora-Schulz: „Dass es bei der BUGA31 nicht nur um eine 180 Tage lange Veranstaltung geht, sondern sie auch danach extrem auf diese Stadt wirken wird. Und dass die Kernareale zwar im Westen liegen, die BUGA aber ein Impulsgeber für ganz Wuppertal ist.
Das spüre ich auch bei den Rundgängen. Ich bin danach oft ganz beseelt, weil die Menschen uns viel Mut zusprechen und man spürt, dass man mit der Aussicht auf positive Stadtentwicklung Zukunftslust machen kann.“
Rundschau: BUGA-Gegner gibt es in Wuppertal aber trotzdem noch. Wie gehen Sie mit der Kritik um?
Brambora-Schulz: „Grundsätzlich ist ja jetzt nicht mehr die Frage, ob die BUGA31 kommen wird, sondern wie wir sie gestalten und wie wir dabei das Optimum für die Menschen dieser Stadt herausholen. Kritische Begleitung ist bei so einem Großprojekt normal, das muss man aushalten. Fake News zu verbreiten gehört aber nicht dazu. So hatten wir natürlich eine Genehmigung für die Fällung von Bäumen, als die Baustraße auf der Königshöhe angelegt wurde.
Für uns ist ganz wichtig, dass die Politik jetzt einheitlich auch im Abstimmungsverhalten hinter diesem Projekt steht. Dadurch, dass dieser politische Rückenwind da ist, gibt es auch immer mehr Menschen in dieser Stadt, die erkennen, dass die BUGA wirklich kommt und sich dann sagen: Da wollen wir dabei sein! Bildlich gesprochen ist der Zug losgerollt und wir wollen ganz viele Reisende mitnehmen. So haben wir das vorige Woche übrigens auch in Ellwangen erlebt.“
Rundschau: In der Stadt auf der Ostalb läuft gerade eine Landesgartenschau mit ähnlichem Stadtentwicklungsansatz wie in Wuppertal. Ihr Eindruck?
Brambora-Schulz: „Dort waren die Menschen auch erst skeptisch, jetzt lebt die ganz Stadt das Projekt, durch die der Fluss Jagst und die City wieder miteinander verbunden werden. Die haben da bei 25.000 Einwohnern jetzt 1.030 ehrenamtliche Helfer, das ist beeindruckend.“
Rundschau: Wo sehen Sie noch mögliche Knackpunkte bei den nächsten Schritten auf dem Weg zur BUGA31?
Brambora-Schulz: „Die Politik muss im nächsten Jahr die Bauleitplanverfahren beschließen, damit wir keine Zeit verlieren. Und Geld wird natürlich ein Knackpunkt bleiben, weil wir nicht wissen, wie sich die finanziellen Grundlagen in der Stadt und die wirtschaftliche und politische Lage in der Welt entwickeln.
Und eine große Herausforderung besteht auch darin, die begleitenden Großprojekte in Wuppertal wie die A46-Baustellen, die Sanierung der Brücke Homanndamm und die Arbeiten der Bahn zu koordinieren. Beim Bahnhof ist da alles im grünen Bereich, die Generalsanierung war auch gut für uns. Die Sanierung der denkmalgeschützten Teile des Bahnhofs Vohwinkel ist für 2030 geplant. Und für die Fuß- und Radbrücke zur Tesche sind die Planungsleistungen ausgeschrieben, nächstes Jahr wollen wir die Fördermittel dafür beantragen.“
Rundschau: In den Diskussionen dreht sich viel um die Realisierbarkeit von Hängebrücke und Seilbahn. Ihre Einschätzung: Werden beide kommen?
Brambora-Schulz: „Es ist unser Auftrag, beide zu realisieren. Man muss ja das Gesamtprojekt verstehen: Mit einer reinen Blümchenschau werden wir keine zwei Millionen Besucher nach Wuppertal holen. Hängebrücke und Seilbahn sind existenzieller Bestandteil und Attraktionen der Kernareale und wichtig, damit die Leute länger in der Stadt bleiben, die Parks, die City und die Gastronomie besuchen.“
Rundschau: Wir haben 2031 und die BUGA wird eröffnet. Worauf freuen Sie sich dann am meisten?
Brambora-Schulz: „Am meisten freue ich mich, wenn die Wuppertaler zu uns kommen und dann einfach lächeln und stolz sind, dass sich ihre Stadt verändert hat.“