Privates Projekt von Christopher Reemts „Hitzekarte Wuppertal“: Cool durch die Stadt

Wuppertal · Die nächste Hitzewelle steht schon vor der Tür. Während viele Menschen überlegen, wie sie ihre Wohnung halbwegs kühl bekommen, hat ein Wuppertaler die Frage anders gestellt: Wo ist es eigentlich kühl?

Auf der Hitzekarte lassen sich verschiedene Filter einstellen: So kann man etwa gezielt nach Trinkwasserbrunnen, Freibädern, Grünflächen oder Naturschutzgebieten suchen.

Foto: Christopher Reemts

Eine Antwort darauf fand Christopher Reemts nicht, also programmierte er sie kurzerhand selbst. Der 37-Jährige arbeitet seit elf Jahren als Systemadministrator am Zentrum für Informations- und Medienverarbeitung (ZIM) der Bergischen Universität Wuppertal. Als die Temperaturen Ende Juni tagelang auf Rekordwerte kletterten, wurde seine Dachgeschosswohnung am Ölberg zur Belastungsprobe.

„Ein paar heiße Sommer habe ich hier ja schon erlebt, aber diese Hitzewelle war etwas ganz anderes“, erzählt Reemts. Besonders die Nächte hätten ihn schockiert. „In meiner Straße fiel die Temperatur in einer Nacht nicht unter 28 Grad. Achtundzwanzig – nachts um Viertel nach drei.“

Er begann nach einer Karte zu suchen, die schattige Plätze, Trinkwasserbrunnen oder andere kühle Orte in Wuppertal zeigt. Für andere Städte in Nordrhein-Westfalen wurde er fündig, für Wuppertal nicht. „Die Daten sind eigentlich vorhanden“, sagt Reemts. „Es gibt offene Geodaten der Stadt und ein Hitzeportal. Aber alles ist auf verschiedene Stellen verteilt und nicht so aufbereitet, dass man es im Alltag sinnvoll nutzen kann.“

Aus Frust wurde dann ein Projekt. Innerhalb weniger Tage entwickelte Reemts die Internetseite www.hitzekarte-wuppertal.de. Rund 15 Stunden investierte er bislang in den Prototypen. Dabei griff er auf frei verfügbare Softwarebausteine zurück und kombinierte sie mit verschiedenen Datenquellen.

Die Karte zeigt unter anderem die modellierte Hitzebelastung der Stadt – sowohl den heutigen Stand als auch ein Klimaszenario für die Jahre 2050 und 2060. Hinzu kommen Trinkwasserbrunnen, sogenannte Klimaorte, Parks, Grün- und Wasserflächen, Freibäder sowie aktuelle Wetterdaten, UV-Index, Ozonwerte und Hitzewarnungen des Deutschen Wetterdienstes.

Doch das Projekt soll weiter wachsen. Reemts möchte künftig deutlich mehr kühle Rückzugsorte aufnehmen, etwa schattige Plätze, offene Kirchen, klimatisierte Innenräume oder Geschäfte, in denen Trinkflaschen kostenlos aufgefüllt werden können. Langfristig sollen Nutzer solche Orte sogar selbst vorschlagen können. „Ziel ist einerseits, ein Tool zu entwickeln, das im Ernstfall tatsächlich nützlich sein kann – bei sehr überschaubarem Aufwand“, sagt er. „Andererseits möchte ich auch Aufmerksamkeit auf das Thema lenken.“

Warum eine vergleichbare Anwendung bislang nicht von offizieller Seite angeboten wird, kann der Wuppertaler allerdings nicht nachvollziehen. Schon zu Beginn seines Projekts wandte er sich an das Geodatenzentrum der Stadt und fragte nach den Hitzedaten in einem maschinenlesbaren Format. Eine Antwort erhielt er bislang nicht.

„Generell habe ich das Gefühl, dass das Thema nicht ernst genug genommen wird und wir angesichts der Opferzahlen ziemlich unterreagieren“, so Reemts gegenüber der Rundschau. Gerade mit Blick auf die besonders hohen Temperaturen in diesem Sommer dürfte seine Karte für viele Wuppertaler mehr sein als ein technisches Spielzeug. Sie könnte ganz praktisch dabei helfen, der größten Hitze aus dem Weg zu gehen.